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19 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
guter Film, schlechter Bond!, 29. Dezember 2009
Nach einem ebenso erfolgreichen wie beispiellos brutalen und skrupellosen Einsatz wird James Bond zum "00"-Agenten befördert. Er erhält von M, der Chefin des MI 6 die Aufgabe, den gewissenlosen Bankier Le Chiffre bei einem Pokerspiel im "Casino Royale" zu besiegen. Ihm zur Seite gestellt wird Vesper Lynd, die spröde und unnahbare Angestellte des Schatzamtes.
Die Pokerparty wird zu einem Psychoduell zwischen Le Chiffre und James Bond. Immerhin einhundertfünfzig Millionen Dollar stehen auf dem Spiel. Bald wird klar, dass es ein Spiel auf Leben und Tod ist, und Bond begeht den Fehler, seinen Gegner zu unterschätzen. Da ihm Vesper Lynd weitere Gelder des Schatzamtes verweigert, geht Bond einen Deal mit dem ebenfalls beteiligten Felix Leitner ein. Er ist sich sicher, dass er den Saal als Sieger verlassen wird.
Der neue Bond war eine Überraschung für die Kinobesucher. Nicht nur der neue Bond-Darsteller war von völlig anderem Zuschnitt als die bisherigen, auch die Story war eine komplett andere.
Zunächst fällt der Darsteller aus dem bisherigen Schema völlig heraus. Daniel Craig ist härter, muskulöser, wirkt völlig humorlos und zeigt nicht den Bond-typischen Charme. Doch er spielt genau den Bond, den das Drehbuch verlangt. Es ist der Ur-Bond, der Anfänger, der Mann, der erst zu einem "Doppelnull-Agenten" werden will, der mit Frauen und der High Society keinen Kontakt hatte und ihn auch noch nicht sucht. Diese Rolle fällt Craig bewundernswert aus. Seine Energie, seine maskuline Ausstrahlung, seine brutale Härte sind jederzeit spürbar.
Der entscheidende Gesichtspunkt ist demzufolge nicht die Wahl des Darstellers, sondern die des Drehbuchs. Hier hat Regisseur Martin Campbell eine solch abstruse, teils lächerlich unlogische, teils rein effektorientierte Umsetzung versucht, die Fans der Filmreihe abschrecken muss.
Er verlässt sich so sehr auf die Action-Elemente, qualvolle Folterszenen und unangemessen lange romantische Sequenzen, dass die zugrunde liegende Story zerhackt, unglaubwürdig und lächerlich erscheint.
Die Grundidee, einen internationalen Waffenschieber und einen Bankier über einen Poker-Spieltisch an Geld kommen zu lassen, ist so dämlich wie hanebüchen unwahrscheinlich.
Da die Protagonisten am Tisch nicht überzeugen und ansonsten die Handlung rein aus Action-Elementen besteht, fällt der Film im Bereich Drehbuch und Umsetzung durch.
Der dritte Aspekt, der den Machern dieses Streifens perfekt gelingt, ist die psychologische Entwicklung der Figur Bond. Hier gelingt es verständlich zu machen, wer Bond am Anfang war und wie er zu dem wurde, was in späteren Drehbüchern und Filmen die Grundlage des Welterfolgs war. Der Zynismus der Figur, sein Umgang mit Frauen und Gegnern wird in diesem Film transparent und überraschend nachdenklich gestaltet. Hier beweist Craig sein Können. Ihm ist dieser brutale Bond, der über Leichen gehende, skrupellose Bond jederzeit abzunehmen.
Auch das völlige Fehlen von Computertricks, fast fantasyartigen Waffen und Gimmicks, die in den letzten Bonds überhand nahmen, und der humorlose Ton fallen auf und machen diesen Bond zu einem aus der Reihe weit herausragenden, sie gleichzeitig aber auch konterkarierenden Film.
Hätte man den Film um dreißig Minuten gekürzt, ein wenig mehr Logik in die Handlung gebracht und auf die Fähigkeiten der Darsteller mehr vertraut als auf Action-Kino, dieser Bond wäre fantastisch geworden. So ist er ein etwas seltsamer, teils langweiliger, teils überdrehter Bond, der ein Nicht-Bondfilm sein will.
Da die Umsetzung auf DVD ordentlich ist - allenfalls das Bild ist ein wenig dunkel -, Extras aber leider gänzlich fehlen, stört nur der Bond-typisch sehr hohe Preis der Scheibe - aber vielleicht ist es ja nur eine Frage der Zeit, bis die DVD günstiger zu haben ist. Wer auf Extras nicht verzichten will, sollte sich die Special Edition zulegen, deren Preis jedoch liegt wiederum deutlich höher.
Stefan Erlemann
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30 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Knallharter Bond mit Weichspüler , 17. Oktober 2008
Casino Royale ist ein echter Kracher. Packend inszenierte Action, mitreißende Spannung und große Gefühle. Darstellerisch ist der Film mit dem dynamischen Daniel Craig und einer aufreizend schönen Eva Green großartig besetzt worden, die lineare Handlung als Vorstufe zum nächsten Film ist - gerade angesichts der Anfangssequenz und des geschickten Finales - gelungen. Zwiespältig empfand ich allerdings, dass aufgrund der Neuorientierung alte Elemente wegfielen, dafür aber eine lange abgelegte Gestalt wie Felix Leiter in Form eines lächerlichen Wichtes auftauchte, der mit Sprüchen wie ein Ike Eisenhower um sich warf. Auch über die schlecht bezahlten Statisten am Pokertisch lege ich lieber den Mantel des Schweigens. Aber das sind letztendlich nur kleine Details, die das packende Actionvergnügen nicht mindern konnten.
Aber zwei Punkte - seht es mir nach - können kaum umgangen werden, da Casino Royal nicht nur ein Actionfilm, sondern auch ein BOND ist:
Bond wurde bereits öfters durch verschiedene Darsteller neu definiert u daher war ich gespannt, wie er seine Aufgabe meistern würde. Bond ist härter, brutaler und kompromissloser geworden, was ich angesichts der kantigen Erscheinung von Daniel Craig als durchweg positiv empfand. Aber eines blieb dabei auf der Strecke: Die Originalität von Bond, die stilvolle Darstellung eines britischen Gentleman-Agenten mit distinguiertem Charme & feinsinnigem Humor. Und da lässt der neue Bond gewaltig Federn. Man schaue sich die messerscharfen Wortgefechte mit Vesper Lynd an, in denen Craig angesichts des wahrhaft göttlichen Charmes einer Eva Green teilweise überfordert und defensiv wirkt. Der hiesige "Bond" schafft es nicht ansatzweise den bestechenden Charme so locker und stilvoll wie frühere Darsteller herüberzubringen. Das dabei so plumpe Sprüche wie "Du bist eine blöde Kuh!" fallen und das Polohemd dem stilgerechten Anzug vorgezogen wird, ist nur konsequent. Zugute halten muss man ihm aber die eher zweifelhafte Synchronstimme eines Adam Sandler, dafür kann Daniel Craig wahrlich nichts.
Bond hat zudem an Glaubwürdigkeit verloren. Anfangs als granitharter Brocken dargestellt, wird er im Laufe des Films in kürzester Zeit zum romantischen Sensibelchen verklärt. Und versteht mich nicht falsch, ich fand die Duschszene ebenso bewegend und die romantische Reise am Schluss großartig inszeniert. Aber nichtsdestotrotz ist das völlige Weichspülung. Bond war nie ein seelenloser Killer, aber sein Metier war stets der Tod und jeder Bond hatte daher eine harte Schale mit Ecken u Kanten, die immer wieder Brüche bekam, wenn sich Bond emotional mit anderen Menschen einließ. Aber hier wird er in kürzester Zeit vom unnahbaren Panzer zur feinfühligen Rose: "Ich habe keinen Schutzpanzer mehr - weil du ihn mir abgenommen hast!...Was ich bin, gehört bloß Dir!" Großartige Romantik, bewegende Verletzlichkeit...und HILFE, wo ist Bond! Das Konzept ist typischer Mainstream: Kein kantiger Charakter mit sich treu bleibendem Profil, sondern ein "moderner" Mann mit Gefühlen! Gerade die Damen, die nicht bereits angesichts seines muskulösen Oberkörpers hin u weg waren, werden sich spätestens hier rettungslos verlieren. Der Typ Mann, den sich Frau immer gewünscht und nie bekommen hat: Äußerlich absolut männlich und markant - innerlich feinfühlig und zart besaitet. Dafür musste man nur die Authentizität eines Bond opfern...
Fazit:
Die Frage, ob Bond neben dem charismatischen Namen auch eine waschechte Charakterfigur ist, hat sich damit jedenfalls entschieden. Aber angesichts der packenden Inszenierung kann ich damit gut leben, freue mich auf die Fortsetzung und weiß den ollen Roger Moore gleich viel mehr zu schätzen. ;-)
Für Casino Royal als packenden Actionkracher gibt's jedenfalls lobhudelnde 4 Sterne, während für den "Bond" zwei magere Sternchen abfallen. Macht im Schnitt höchst unterhaltsame 3 Sterne!
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62 von 89 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
James Bond 2.0, 5. Juni 2008
James Bond der Inbegriff des charmanten, gut-gekleideten, irgendwie unnahbaren Top-Agenten des britischen Geheimdienstes ist mit "Casino Royal" in eine neue Dimension vorgestoßen. Was mit Sean Connery begann und mit Pierce Brosnan endete, war der Stil des klassischen Agentenfilms. Mit relativ steifen Schemas in der Handlung. Hier pflegte der Agent nicht minutenlang hinter einem Bösewicht herzurennen, wenn überhaupt nur mit dem Auto. Zweikämpfe waren meistens nach dem gleichen Muster gestrickt, erst bekommt Bond einen auf die Nase, bevor er zum Gegenschlag ausholt. Sofern es überhaupt zu einem richtigen Kampf kam. Getötet wurde mit einem gewissen "Stil". Ganze Privatarmeen hat er zum Teufel gejagt, um am Ende eine hübsche Lady in seinen Armen zu halten.
"Casino Royal" ist für den Bond-Fan wohl ein wahrer "Schlag ins Gesicht". Daniel Craig spielt den Agenten mit einer nie-dagewesenen Intensität. Brutal und skrupellos geht er gegen seine Feinde vor - das gewisse Feeling der alten Bond-Filme sucht man die meiste Zeit vergebens. Aber ist das wirklich so schlecht?
Ich finde dieser Bond ist erfrischend anders. Er wirkt nicht mehr so unnahbar und aalglatt, sondern menschlisch, realitätsnäher. Oder wer hat nicht mit ihm gelitten, als er da so nackt auf dem Stuhl saß...
Dieses "menschliche" an Bond sorgt aber gleichzeitig dafür, dass die Handlung viel eindringlicher wahrgenommen wird. Vor allem zeigt sie einen kompromisslosen James Bond, der ohne mit der Wimper-zu-zucken Gegner umlegt, um sein Ziel zu erreichen. Dabei sind ihm alle Mittel recht - keine Spur mehr von Geradlinigkeit und Stil. Auch die Fronten scheinen zu verschwimmen - wer ist gut? Wer ist böse? Die Alten Bond-Filme haben das relativ schnell offenbart - aber dieser hier. Als ich dachte der Film ist zu Ende (kurz nach besagter Stuhl-Szene), setzt er noch einen drauf. Absolut fesselnd.
Die letzten Szenen schaffen es, eine gelungene Verknüpfung zu den alten Filmen herzustellen - oder wer sah im Geiste nicht einen Sean Connery im Anzug da stehen und den Satz sagen: "Mein Name ist Bond - James Bond."
Ich freue mich auf jedenfall riesig auf den nächsten Bond-Film, denn dieser Bond 2.0 bringt ordentlich Schwung mit, um eine ganz neue Ära des Agentenfilms einzuläuten.
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