Au, hauen se da wieder in die Tasten. Da ist von David Sylvian die Rede. Sufjan Stevens nette Bastelstunde wird als höhere Kunst zum Vergleich bemüht. Und es stellt sich doch die Frage, ob der junge Protagonist die 80er und Japan wirklich auf dem Radar hatte, als er seine Arrangements mit reichlich Klaviereinsatz versah.
Ist ja auch egal. Wieder provoziert der übertriebene Hype die Gegenoffensive, was okay wäre, wenn dabei das Wesentliche nicht aus dem Blick geriete: Blake kann Emotionen in eine neue Struktur binden. Gewiss kommt einem eine gewisse Weinerlichkeit ab und an hoch, aber gewiss ist dennoch, dass schon allein "I Mind" das investierte Geld wert ist: ein kleines Wundertütchen, vordergründig sperrig, aber als Ganzes von packender emotionaler Intensität. Es läßt mich nicht los.
"To care" zeigt gleichermaßen, wie gut Blake es versteht, seine Ideen zu einem Ganzen zu fügen.
Wer Lindisfarne 1 und 2 so leichterhand auf die Platte preßt, der zeigt, dass er macht, wonach ihm der Sinn steht - wer "The Wilhelm Scream" neben "I Never Learned To Share" stellt, der schert sich in Wirklichkeit keinen Deut um Musikkategorien.
Aber manchmal nähert sich Blake für mich doch der Beliebigkeit: "Limit to your love" will mir zu viel auf einmal, was nicht heißt, dass ich den Track insgesamt schlecht finde.
Und nun?
Was sich nicht einordnet, das polarisiert. Und das merkt man den Rezensionen und wiederum deren Bewertungen deutlich an. Man scheint uneins, etwas ratlos. Kein Wunder bei einer musikalisch so vielschichtigen Platte.
Bei der dritten Portishead wußte jeder, was er kriegt. Bei der xten Genesis war das doch ooch nicht anders.
Aber dieser Mann ist spannend und hat eine sehr bemerkenswerte Platte zustande gebracht! Mal sehen wohin das alles noch führt..!