Zusammen mit meinem Sohn wanderte ich drei Tagesetappen des schwäbisch-fränkischen Jakobsweges von Böbingen an der Rems nach Ulm. Dieses Buch diente der Planung und Vorbereitung als auch während der Wanderschaft als hilfreicher Begleiter.
Reich bebildert und mit einer Fülle an Informationen ist dieses Büchlein ein unentbehrliches Hilfsmittel - egal, ob man wahrlich eine Wallfahrt plant oder lediglich eine oder mehrere Etappen erwandern möchte (wie in der vorherigen Rezension treffend herausgestellt: der Jakobsweg beginnt vor der eigenen Haustüre).
Das Zeichen mit der Muschel ist ja mittlerweile fast Flächendeckend in Baden-Württemberg anzutreffen. Mit seinem lebendigen, begeisternden aber nie kitschig-verklärenden Schreibstil macht Wolfgang Meyer Lust auf das Entdecken einzelner oder ganzer Etappen der diversen Jakobswege im Ländle. Meine eigene Erfahrung für den Vergleich "Buch und Realität" beschränkt sich dabei - siehe oben - auf drei Einzeletappen. Ich kann aber versichern, das ich keinerlei Enttäuschung oder Fehlinformation erlebte. Orientierungslos irrte ich nur in Ulm herum, in größeren Städten könnte man vielleicht ein paar zusätzliche Tipps einbauen.
Ferner habe ich lediglich bei der Quartiersuche auf das Internet zurückgegriffen. Jedoch würde ein vollständiges Unterkunftverzeichnis eindeutig den Rahmen des Buches sprengen, und ich denke, das der Autor - und das rechne ich ihm ebenfalls hoch an - nur eigene Übernachtungserfahrungen weitergab.
Das Buch beginnt mit einer ausführlichen Beschreibung der europäischen Pilgerwege und zeigt historische Details des Pilgerns auf, also auch eine schön gemachte "kurze Geschichte der Pilgerei". Die einzelnen Wanderwege hingegen werden Etappenweise "geführt", der Leser wird förmlich auf eine Wanderung mitgenommen, und ich gebe zu, dass ich vor lauter Lust am lesen sogar die Wanderungen durchlas, die für mich vollkommen uninteressant sind. Neben den üblichen Informationen (Dauer, Entfernung etc.) werden auch Sagen, Legenden und historische Ereignisse rund um die Orte der Etappe vorgestellt. Nützliche Tipps - vor allem zu Einkaufsmöglichkeiten - runden dies ab. Die bei jeder Tagesetappe abgebildeten Übersichtskarten dienen dabei wirklich nur der Übersicht. Man sollte unbedingt auf gutes Kartenmaterial des Schwarzwald- oder Schwäbischen Albvereins zurückgreifen. Die einzelnen Wegewarte tun ihr Bestes, nichtsdestotrotz besteht durchaus Gefahr, sich zu verlaufen, vor allem, da der Jakobsweg teilweise über das blanke Feld geht.
Alles in Allem ein sehr nützliches, schönes und empfehlenswertes Buch.