Was hat eine Frau zu berichten, die von der spanischen Grenze an nicht nur nach Santiago de Compostela selbst, sondern darüber hinaus nach Finisterre gelaufen ist? Finisterre, westlich von Santiago am Atlantik gelegen, war zu Hochzeiten der Pilgerbewegung als das absolute Ende der Welt anerkannt....
Die Bedeutung des angeblich in Santiago begrabenen Apostels Jakobus und die mit der Pilgerbewegung einhergehenden Veränderungen innerhalb Europas - über Jahrhunderte hinweg - werden von Carmen Rohrbach sehr gut geschildert.
40 Tage zu Fuß, meist alleine, 40 Tage voller Erlebnisse, Glücksmomente, Herausforderungen, Schwierigkeiten, Begegnungen, Erfahrungen, Hoffnungen, Enttäuschungen, Zweifel, Umwege, Entdeckungen und und und - hier zu Papier gebracht von einer Frau, welche sich selbst nicht als Christ versteht und auch nicht an Gottes Existenz glaubt - den Weg nach Santiago also nicht einem reiligiösen Motiv folgend gegangen ist.
Carmen Rohrbach merkt man schnell die studierte Biologin an - die zahlreichen Beschreibungen der am Wegesrand lebenden Tiere (in der Hauptsache haben es der Autorin die Vögel angetan) empfand ich, im Gegensatz zu manch anderen Rezensenten, nie als störend - vielmehr tragen diese Berichte über Rohrbachs "tierische Begegnungen" dazu bei den Reisebericht noch lebendiger wirken zu lassen.
Nächte unterm Sternenzelt hat Carmen Rohrbach verbracht, entvölkerte Bergdörfer durchwandert, Umwege in Kauf genommen, um sich besonders historisch interessante Bauwerke anzuschauen, sie hat sich generell auf das Experiment: "Sich selbst genug sein" eingelassen.
Bleibt allein die Frage offen, warum man diese sonst so wundervolle Reisebeschreibung ohne ergänzende / hilfreiche Übersichtskarte belassen hat???
Das Buch, mit all seinen erwähnten Schauplätzen, seinen Sagen und Legenden, den ansprechenden Farbfotos, den sicherlich interessanten Bauwerken, den winzigen Dörfern und den von der Autorin so packend beschriebenen Naturschauspielen wäre sicherlich noch interessanter, hätte man als ortsunkundiger Leser "auf einen Blick" nachvollziehen können "wo" sich die Autorin jeweils aufgehalten hatte... - auf welcher Route sie (mit ihren zahlreichen Umwegen) unterwegs gewesen ist.... - so bleibt es leider oft nur bei einer Ahnung, da mancher Punkt in meinem spanischen Kartenmaterial nicht zu finden ist - aus diesem Grund auch "nur" 4 Sterne.....
Eines hat Carmen Rohrbach auf jeden Fall bewiesen - selbst in Europa kann man noch echte Abenteuer erleben!