Als "Komödie einer Tragödie" bezeichnete Franz Werfel sein kurz nach der Besetzung von Paris entstandenes Bühnenstück "Jacobowsky und der Oberst".
Tatsächlich fällt es immer nicht leicht, sich eine "Komödie" über den Krieg vorzustellen, obwohl es diverse durchaus hervorragend gelungene Beispiele dafür gibt, wie zum Beispiel Lubitschs "Sein oder Nichtsein" oder Chaplins "Der Große Diktator".
Während diese jedoch auf respektlos-entlarvende Veralberung des Themas setzten, kommt "Jacobowsky und der Oberst" völlig anders daher, nämlich als warmherzig-lebensbejahende Fabel um Freundschaft, erzählt anhand der Zwangsgemeinschaft zweier Männer, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten und die sich auf ihrer gemeinsamen Flucht vor den Deutschen nur zögerlich zusammenraufen.
1940, Paris:
Die deutschen Truppen stehen bereits kurz vor der Stadt, als Samuel Jacobowsky (Danny Kaye) in den unbesetzten Süden des Landes zu fliehen versucht.
Jacobowsky, nach eigener Aussage durch seine vorangegangenen Fluchten aus Polen, Berlin, Wien und Prag zum "Virtuosen" auf diesem Gebiet geworden, gelingt es, ein Auto aufzutreiben.
Da er nicht fahren kann, beschließt er, zusammen mit dem arroganten Oberst Graf Prokoszny (Curd Jürgens), der im selben polnischen Dorf wie er aufgewachsen ist und ebenfalls auf der Flucht vor den Deutschen ist, und dessen Adjutanten (Akim Tamiroff) zusammen zu fliehen.
Nur durch eine List kann Jacobowsky den Oberst dazu bewegen, und so beginnt seine seltsame Reise "mit Don Quichote und Sancho Pansa in Rothschilds Rolls Royce", auf der der polnische Jude und der polnische Judenhasser sich nur langsam und widerwillig eingestehen, daß sie sich mit Prokosznys militärischer Erfahrung und Jacobowskys Einfallsreichtum perfekt ergänzen.
Noch schwieriger wird es, als Prokosznys Geliebte Suzanne (Nicole Maurey) sich zu der kleinen Zufallsgemeinschaft gesellt und sich mit dem liebenswerten Jacobowsky anfreundet...
"Jacobowsky und der Oberst" verharmlost die ernste Thematik in keinem Augenblick, konzentriert sich aber auf die kleine Geschichte in der großen und strotzt dabei nur so von Wortwitz, enormem Einfallsreichtum und vielen wirklich witzigen, aber niemals albernen Ideen.
Wie ein roter Faden ziehen sich dabei die gegensätzlichen Lebensanschauungen der beiden Hauptprotagonisten durch die Geschichte:
"Es gibt immer zwei Möglichkeiten", so zitiert Jacobowsky gerne und oft seine verstorbene Mutter, während der Oberst darauf beharrt, für einen Mann von Ehre könne es immer nur eine Möglichkeit geben.
Die alternativen "zweiten Möglichkeiten", die Jacobowsky dabei mit seinem manchmal schlitzohrigen, aber immer liebenswerten Organisationstalent auftut, verblüffen dabei nicht nur den Oberst, sondern auch den Zuschauer immer wieder aufs neue.
Auch mit zahlreichen weiteren bekannt gewordenen Weisheiten und Zitaten wie "Zwischen zu früh und zu spät liegt immer nur ein Augenblick" und "Es ist immer Zeit für Damen!" kann der Film aufwarten.
Vor allem aber lebt der Film von dem wunderbaren Danny Kaye, der hier wohl die Rolle seines Lebens spielte.
Seine Darstellung des warmherzigen und zutiefst menschlichen Jacobowsky rührt zu Tränen und lässt vollkommen vergessen, daß er sonst eher als Hau-Ruck-Komiker bekannt war.
"Ich kann es mir nicht leisten, intolerant zu sein", so wird Jacobowsky zu Beginn der gemeinsamen Reise zum Oberst sagen, aber bereits von der ersten Szene an ist klar, daß es viel mehr als nur Toleranz und reiner Überlebenswillen sind, die diesen Mann antreiben und ihn die Herzen aller, die ihm begegnen, gewinnen lassen - letztendlich sogar das des sturen Oberst, der von Curd Jürgens mit selbstbewusster Arroganz und Störrischkeit ebenfalls wunderbar gespielt wird, ohne daß dieser dabei in das Klischee "rauhe Schale, weicher Kern" abrutscht.
Danny Kaye erhielt für die Rolle des Jacobowsky den Golden Globe.
"Es gibt immer zwei Möglichkeiten"?
Jacobowskys Mutter mag eine weise Frau gewesen sein, aber in einer Hinsicht irrt sie:
Bei diesem Film gibt es keine zwei Möglichkeiten.
Man muss ihn lieben.