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Jakob und sein Herr: oder Der Glaube an das Walten des Schicksals
 
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Jakob und sein Herr: oder Der Glaube an das Walten des Schicksals [Broschiert]

Denis Diderot , Walter Widmer
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Broschiert: 404 Seiten
  • Verlag: Diogenes; Auflage: 1 (25. August 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3257239475
  • ISBN-13: 978-3257239478
  • Originaltitel: Jacques le Fataliste et son Maitre
  • Größe und/oder Gewicht: 17,8 x 11,2 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 352.665 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Denis Diderot
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

"Wo waren die beiden einander zum ersten Mal begegnet? - Ei, von ungefähr, wie alle Leute. - Wie hießen sie? - Was mag's euch kümmern? - Wo kamen sie denn her? - Vom nächstgelegenen Ort. - Wo gingen sie hin? - Kann man denn jemals wissen, wo man hingeht?" Und worum geht es hier nun? Um alles oder nichts: um das Schicksal und die Willensfreiheit, um die Liebe - um den lebensklugen, tatkräftigen Diener Jacques und seinen lethargischen Herrn, die gemeinsam zu Pferd durch Frankreich reisen. Ohne erkennbaren Sinn, geschweige denn mit einem Ziel. Hin und wieder stören unliebsame Zwischenfälle ihre Gespräche, und manchmal mischt sich auch die dritte Hauptfigur ein, der Erzähler, und stellt ihre Welt auf den Kopf. - Ein geistiges Feuerwerk, voll doppelbödigem Humor, das Generationen von Dichtern und Denkern geprägt hat, und ein Meilenstein in der Geschichte des Romans.

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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Mag Sarah Krampl TOP 1000 REZENSENT
Format:Broschiert
Denis Diderot (1713-1784) war der große Aufklärer neben Rousseau und Voltaire, Herausgeber der "Encyclopédie", worin zum ersten Mal in der Geschichte der Versuch unternommen wurde, alles Wissen der Welt anhand von Fachartikeln zu sammeln.

Der Hauptstrang der Erzählung beinhaltet eine Reise die zwei Männer, Jakob und sein Herr, zusammen unternehmen. Sie reiten durch die Welt, machen Rast, werden in einem Lokal in eine andere Geschichte verwickelt, machen die Bekanntschaft der Besitzerin des Lokals, die ihnen wiederum ihre Geschichte erzählt. Das ist zumindest, was konkret geschieht. Hauptsächlich geht es jedoch darum, dass sich Jakob und sein Herr gegenseitig ihre einmalige Liebesgeschichte erzählen, aber nicht auf einmal, sondern immer wieder ein bisschen, so dass der Leser sich entweder ärgern kann, weil mitten in der spannendsten Erzählung aufgehört wird oder er neugierig wird, wie die Liebesgeschichte weitergeht. Das, was mir so gut gefallen hat, ist, dass der Autor sich ständig einmischt und den Leser direkt anspricht. Der Autor denkt sich aus, was sich der Leser beim Lesen denken könnte und schreibt es auch mitten in die andere Erzählung hinein:

"Nun wirst du sagen, lieber Leser, ich mache mich über dich lustig und verlege mich auf allegorische Firlefanzereien, die letzte Rettung aller unfruchtbaren und phantasielosen Köpfe, weil ich nicht mehr wisse, was ich weiterhin mit meinen beiden Reisenden anstellen solle. Ich will dir meine Allegorie und den ganzen Reichtum opfern, den ich daraus hätte ziehen können. Ich will alles zugeben, was du nur willst, aber unter der Bedingung, dass du mich nicht plagst, wo denn eigentlich Jakob und sein Herr die Nacht verbracht hatten."

"Von diesen beiden Lesarten könnt ihr morgen oder übermorgen mit klarem Kopf die auswählen, die euch am besten passt."

"Lieber Leser, hier hältst du im Lesen inne. Was ist denn los? Ach, ich glaube, ich verstehe dich. Du möchtest diesen Brief sehen? Madame Riccoboni hätte ihn dir bestimmt gezeigt. [...] Ich bitte dich also inständig, verzichte auf diese beiden Briefe, und lies weiter."

Aber nicht nur das, der Autor macht die Figuren dadurch lebendig, dass er selbst als Außenstehender Teil der Geschichte wird, indem er zum Beispiel solche Sätze von sich gibt:

"Am nächsten Morgen in aller Frühe stand Jakob auf und streckte den Kopf zum Fenster hinaus, um zu sehen, was für Wetter war, und als er sah, dass ein abscheuliches Sudelwetter herrschte, kroch er wieder ins Bett und ließ uns, seinen Herrn und mich, weiterschlafen, so lange, wie es uns behagte."

"Während Jakob und sein Herr in tiefem Schlafe liegen, will ich mein versprechen einlösen und die Geschichte von dem Mann im Gefängnis erzählen."

Die Krönung kommt, wenn der Autor nur mehr mit dem Leser kommuniziert:

"Was würdest du nun dazu sagen, lieber Leser, wenn ich mich auch ein wenig niederlegte, bis Jakob und sein Herr wieder aufwachen?"

Oder gar die Figuren im Roman außer Acht lässt und sich als Autor über den Fortgang seines Romans selbst Gedanken macht bzw. vor dem Leser rechtfertigt:

"Geneigter Leser, wollte ich hier eine Pause einschalten und die Geschichte von dem Mann wiederaufnehmen, der bloß ein einziges Hemd besaß, weil er ja nur einen Leib aufs Mal hatte, so möchte ich gerne wissen, was du darüber dächtest. Du würdest wohl sagen, ich habe mich wie Voltaire in eine Sackgasse verrannt und wisse nun nicht mehr, wie ich wieder herauskommen könne, und jetzt werfe ich mich kopfvoran auf eine frei erfundene Geschichte, nur um Zeit zu gewinnen und einen Ausweg zu suchen, um wieder aus der Erzählung herauszufinden, die ich angefangen habe. Nun, lieber Leser, du irrst dich ganz und gar. Ich weiß, auf welche Weise Jakob aus seiner Notlage befreit wird, und was ich dir über Gousse, den Mann mit dem einzigen Hemd, berichten werde, ist keinesfalls ein Märchen."

Und schließlich das Ende der Geschichte offen lässt:

"Und ich halte inne, denn ich habe euch über diese beiden Menschen alles berichtet, was ich weiß. - Und Jakobs Liebesgeschichte? - Jakob hat wohl hundertmal gesagt, es stehe dort oben geschrieben, dass er seine Geschichte nicht zu Ende erzählen werde, und ich sehe, Jakob hatte recht. Ich sehe, lieber Leser, du wirst böse. Nun, nimm seinen Bericht da wieder auf, wo er ihn unterbrochen hat, und führe ihn selber zu Ende. Oder statte Mamsell Agathe einen Besuch ab, suche den Namen des Dorfes zu erfahren, wo Jakob im Gefängnis sitzt. Suche Jakob auf, und frage ihn aus. Er wird sich nicht lange bitten lassen und wird dich zufrieden stellen. Das wird ihm die Langeweile vertreiben."

Durch diese Kunstgriffe wirkt diese Geschichte plastisch, lebendig, dynamisch und lebensecht. So wie im Leben werden Erzählungen dadurch unterbrochen, dass irgendjemand bei der Tür hereinkommt, oder dadurch, dass man schlafen gehen muss, weil man zu müde ist weiter zu erzählen oder weiter zu lesen.
Diese Vorgehensweise findet man zum Beispiel auch in Italo Calvinos Wenn ein Reisender in einer Winternacht. Dieses Ineinanderschachteln und Berücksichtigen von fiktiver Geschichte, Realität, Autor, Leser lässt einen Roman sehr konkret und dynamisch wirken.

Was diese Erzählung jedoch zusätzlich noch sehr wertvoll für mich macht, sind jene philosophischen Überlegungen, die das Wort "Schicksal" betreffen. Diderot, als großer Aufklärer, zweifelt ununterbrochen in der Figur des Herren von Jakob an den Dingen, die er sieht und erlebt. Für Jakob hingegen, ist alles vorbestimmt, alles steht von Anfang an in den Sternen geschrieben und er lässt immer wieder die Bemerkung fallen: "Das steckt in den Sternen geschrieben". Dieses Aufeinandertreffen von Schicksalsgläubigkeit und Zweifel, von Starrheit und Bewegung im Geiste, ist sehr interessant. Schließlich gelingt es Diderot durch all seine Überlegungen in diesem Roman die einfache Wahrheit zum Vorschein zu bringen, dass Gefühle stets gleich bleiben, lediglich Konventionen und Gesellschaften sind ständigen Änderungen unterworfen.

In diesem Sinne schließe ich mich Goethe und Hugo von Hoffmansthal an, die für dieses Buch regelrecht schwärmten.

Hier noch ein paar gedankenreiche Textpassagen:

Gibt es überhaupt einen Menschen, der imstande ist, die Verhältnisse richtig einzuschätzen, in denen er lebt? Die Rechnung, die wir in unsern Köpfen anstellen, und die Rechnung, die dort oben auf der großen Rolle feststeht, sind zwei völlig verschiedene Rechnungen. Lenken denn wir das Schicksal?

Der Herr: "Was? Du weißt nicht, um was es geht, und da mischst du dich ein? Jakob, das ist gegen alle Vernunft, wider jedwede Gerechtigkeit, gegen sämtliche Grundsätze [...]"

Ich denke auf die eine Art, und ich kann mich nicht davon abhalten, auf eine andere Art zu handeln.

Herr, man verbringt drei Viertel seines Lebens damit, zu wollen, ohne etwas zu tun.

Jupiter gab dem Menschen ein erhobenes Antlitz und befahl ihm, den Himmel anzuschauen und das Gesicht zu den Sternen zu erheben.
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Von Rolf Dobelli HALL OF FAME REZENSENT TOP 500 REZENSENT
Format:Broschiert
Folgt unser Leben einem vorherbestimmten Schicksal oder haben wir die Fäden selbst in der Hand? Der launische Diener Jakob und sein namenloser Herr zotteln in Diderots berühmtem Roman zu Pferd übers Land und kommen immer wieder auf diese alles entscheidende Frage zurück. Dazu passend, inszeniert der Autor ein literarisches Verwirrspiel der Extraklasse: Es finden sich Liebesgeschichten, die den eigentlichen Reisebericht unterbrechen, Anekdoten, die wiederum diese Liebesgeschichten zweiteilen, Zwischenfälle, von denen die Anekdoten unterbrochen werden, und Kommentare des Erzählers, der schließlich alles infrage stellt. Jakob und sein Herr ist an stilistischer Raffinesse kaum zu überbieten und wohl nur mit Laurence Sternes Tristram Shandy zu vergleichen - den Diderot im Roman denn auch ausführlich zitiert. Goethe sprach von einer köstlichen und großen Mahlzeit in Einschiebeschüsseln", Hans Magnus Enzensberger nannte den Roman eines der intelligentesten Bücher der Weltliteratur". In der Tat: Das Werk liest sich heute so frisch wie vor 200 Jahren.
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