Vielen sind aus der Schule die Gedichte des Zyklus' "Morgue" von Gottfried Benn bekannt. Auch heute noch haben sie eine entscheidene Wirkung auf die Leser: einige sind überrascht und angezogen von dem seltsamen Charme der Gedichte und andere finden sie so abstossend, dass sie Gottfried Benn am liebsten nie wieder lesen wollen. Das wäre jedoch ein Fehler, denn während in den Morgue-Gedichten Benns Erfahrungen als Arzt verarbeitet wurden, findet man auf den folgenden Seiten so verschiedene Gedichte wie das Leben Seiten hat. Dazu gehört die Liebe genauso wie die Widerspiegelung der Politik, der Rückblick nach einem vielseitigen Leben und verschiedenes mehr. Also nicht nach den ersten (eventuell) erschreckenden Seiten aufhören!
Die Ausgabe an sich, ist von einer eher klassischen Schönheit: rot mit blauem Namensschriftzug - macht sich also auch gut als Hingucker im Regal. Die Gedichte lassen sich nach den Titeln und ersten Zeilen oder nach dem Erscheinungsjahr im Anhang finden - was natürlich praktisch ist. Die Einteilung im Buch folgt den folgenden Überschriften: 1. Gesammelte Gedichte 1956 (aus einer früheren Veröffentlichung), 2. Gedichte, die zu Lebzeiten veröffentlicht wurden, jedoch nicht in der Sammlung von 1956 zu finden sind, 3. Gedichte aus dem Nachlass und 4. Poetische Fragmente.
Was mir fehlt, ist wenigstens eine Kurzbiographie von Gottfried Benn, denn vor dem Hintergrund seines Lebens, lassen sich die meisten seiner Gedichte viel besser verstehen.