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Das Besondere darauf sind die virtuellen Frauen, die hier zur Sprache kommen. Pippi Langstrumpf ist und bleibt das Symbol der absoluten Freiheit und Unabhängigkeit, egal ob für Mann oder Frau. Keinem autoritären Pädagogen gelang es auf Dauer, sich gegen sie durchzusetzen. Auch die perfekte Barbie, mit ihrer Wespentaile und dem enormen Busen Sinnbild der Vollkommenheit, wird sich nie aus den Kinderzimmern verdrängen lassen, dennoch, ob die neueste Reduzierung ihrer Figur auf natürlichere Maße bei den Kids ankommen wird, bleibt abzuwarten. Jane als die Putzfrau von Tarzan wird hier als schlimmstes Sinnbild für längst überholte Rollenbilder aufgezogen.
Und das nicht weniger Besondere natürlich sind die echten Frauen, die häufig -- bis auf Jane, versteht sich -- die virtuellen erst schufen. Obwohl farblose Streberin und erzkonservative Außenseiterin, Margaret Thatcher boxt sich unbeirrt bis in den höchsten Rang hinauf. Ungeklärt bleibt es bis heute, wie es Katarina Witt aus dem Land der blauen Trainingsanzüge gelang, mit ihrem sächselnden Englisch Amerika zu erobern. Louise Brooks triumphierte mit ihrer Natürlichkeit, als sie Marlene Dietrich die Rolle für Wedekinds "Lulu" abspenstig machte. Giséle Freund, Glückskind was das Überleben im NS-Regime betraf, galt als das dritte Pariser Auge, das die Schriftstellerbohème mit ihren spektakulären Porträtaufnahmen verewigte. Christa Wolf wird immer eine Balanceakteurin auf diversen Grenzen und Mauern bleiben. Madonna ist in ihrem permanenten Selbstschöpfungsprozeß unschlagbar. Und wer die Frau ist, die mit achtzehn ihren Flugschein machte und mit fünfundsiebzig ihren Tauchschein, während sie in der Zwischenzeit ein weltweites und jedermann bekanntes Unternehmen auf die Beine stellte, darf der Leser nun allein herausfinden. Mehr der markanten Details, die die Jahrhundertfrauen ausmachen, werden nicht verraten. --Daphne von Unruh
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Durch die Einteilung in elf Sparten zeigt sich, in wie vielen Bereichen sich Frauen engagiert und mutig durchgesetzt haben und dabei gar nicht immer die Emanzipation im Kopf hatten, sondern einfach ihren eigenen Willen durchsetzen wollten, wie z.B. Marie Curie (Kap. 4, Wissenschaft) oder Elly Beinhorn (Kap. 9, Sportlerinnen). Die eine wollte mit Leib und Seele Forscherin sein und die andere wollte in die Luft gehen, beide schafften Dinge, die vor ihnen noch niemand geschafft hatten. Die eine entdeckte die Radioaktivität und die andere flog in Richtung Osten einmal um die ganze Welt.
Aber es finden sich noch mehr interessante Frauen in dieser Sammlung, angefangen von Politikerinnen (z.B. Margaret Thatcher oder Melina Mercouri) und natürlich Frauenrechtlerinnen (z.B. Betty Friedan oder Alice Schwarzer) über Konzernchefinnen (z.B. Coco Chanel oder Anita Roddick, die Begründerin des Body Shops) und Künstlerinnen (z.B. Käthe Kollwitz oder Pippilotti Rist, die nicht unbedingt jede kennt) bis hin zu Sportlerinnen (z.B. die bereits erwähnte Elly Beinhorn oder Katarina Witt) und Gattinnen, die über ihre zugewiesene Rolle hinaus eigenständig aktiv wurden (z.B. Jiang Qing, die dritte Frau von Mao Tse Tung oder - wer könnte sie vergessen! - Lady Di). Das letzte Kapitel ist virtuellen Frauen gewidmet, die ja auch unser Jahrhundert maßgeblich mitgeprägt haben. Was wären wir ohne Pippi Langstrumpf und Barbie? Aber auch Jane oder Emily sind zu finden.
Als Studierende sind wir es ja gewohnt, im Anhang eines jeden Sachbuches eine Literaturliste zu finden. Die suchen wir hier vergeblich. Statt dessen gibt es in den jeweiligen Porträts vielfältige in den Text eingearbeitete Hinweise auf weiterführende Literatur, auf Biographien und/oder eigene Werke der Frauen.
Insgesamt ist "Jahrhundertfrauen - Ikonen, Idole, Mythen" eine sehr gut zu lesende, weil unterhaltsame Sammlung, in der die porträtierten Frauen selbst, sowie Freunde, Bekannte, Feinde, Biographinnen und Biographen zu Wort kommen, so dass ein komplexes, durchaus kritisch betrachtetes Bild der Frauen zustande kommt.
Also ein absolut gelungener Rückblick auf das Jahrhundert, in dem wir Frauen so viel erreicht haben wie nie zuvor.
(Diese Rezension erschien erstmalig in "Femme totale", der semesterweise erscheinenden Broschüre des Büros der Frauenbeauftragten der Uni Mannheim.)
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