Scheunemann beschreibt in seinem Buch den Niedergang der Wirtschaftswissenschaften. Zu ihm gestoßen bin ich über die Bremer Arbeitsgruppe "Alternative Wirtschaftspolitik", deren MEMORANDUM-Reihe ich aufmerksam verfolge. Eines der Hauptmomente seiner Kritik an den Diskussionen über Arbeitszeitverlängerungen, Lohnkürzungen, Standortfragen oder bitteschön (noch!) niedrigerer Kapitalbesteuerung ist die Exportbilanz Deutschlands. Deutschland, so immer wiederkehrend, ist Exportweltmeister. Das bedeutet, keine andere Volksökonomie KANN so konkurrenzfähig sein wie die deutsche. Zu behaupten, sie sei "nicht konkurrenzfähig", ist absurd und wird von Scheunemann wieder und wieder belegt.
Das relativ kurze Buch lässt sich wunderbar an einem langen Nachmittag lesen und motiviert zu weiteren Nachforschungen über die Reformdebatten. Seine persönliche Wut über die Heucheleien und wirtschaftswissenschaftlichen Unwahrheiten, die täglich in den Zeitungen zu lesen sind, merkt man dem Buch an. Und diese Wut tut dem Buch gut, sie hebt es heraus aus dem Haufen sonst angeblich so nüchtern geschriebener Büchern, etwa "Die deformierte Gesellschaft" oder "Das Methusalem-Komplott". Letztere operieren mit sehr fragwürdigen Daten und noch fragwürdigeren Schlussfolgerungen, um eine politische Ideologie als wissenachaftlich einzige Option darzustellen. Scheunemann hingegen entlarvt diese Ideologie und stellt ihr eine eigene entgegen, deren unmittelbare Verbundenheit mit meinen eigenen Erfahrungen mich beeindruckt hat. Ich empfehle dieses Buch und wünsche ihm, dass es noch viele Leser findet.