Kurzbeschreibung
Uwe Johnson gilt neben Grass und Böll als umfassender, hellsichtiger, unbestechlicher Chronist des gesamtdeutschen Schicksals. Sein in den Sechziger Jahren begonnener vierteiliger Roman "Jahrestage" berichtet wie kein anderer davon, wie die verschiedenen Gesellschaftssysteme auf deutschem Boden die Menschen beeinflusst haben.
In Margarethe von Trottas Film ist das New York von 1967 und 1968 die vermeintliche Gegenwart, während Rückblenden die Vergangenheit von 1930 in Mecklenburg bis 1956 in Düsseldorf zeigen. An diese Geschehnisse erinnert sich Gesine, die heute 70 Jahre sein und in Deutschland leben könnte. Weltgeschichte wird aus einem kleinen Ort in der Provinz erzählt, während die private Geschichte, die Beziehung Mutter-Tochter, aus einer Weltstadt beschrieben wird.
Um das Thema Erinnerung geht es dann natürlich auch in der Filmmusik.Aus dem Titelsong "Memory", dessen Text Dorothea Hofmann in Anlehnung an eine Stelle aus Shakespeares "Hamlet" schrieb, erarbeitete Schneider die Titelmusik, von deren Harmonik und Melodik ausgehend er die anderen Themen (vor allem das Gesine Thema) entwickelte. Die Musik macht nicht nur formal die Zeitblenden spürbar, sondern verdeutlicht vor allem emotional, dass hinter allen Rückblenden die Frauenfigur der Gesine Cresspahl steht, die sich erinnert und an der Erinnerung leidet. Die Musik wirft über alles den subjektiven Schleier der Hauptfigur Gesine - es ist ihr Blick auf die Geschichte, ihre subjektive Aneignung von einem Stück Vergangenheit.
Über den Autor
Uwe Johnson wurde 1934 in Kammin/Vorpommern geboren. Er studierte Germanistik in Rostock und Leipzig. In Rostock weigerte er sich, die staatliche Verleumdung der "Jungen Gemeinde" zu unterstützen, weshalb er exmatrikuliert wurde. Im Zuge der staatlichen Schadensbegrenzung nach dem 17. Juni 1953 wurde Johnson wieder zum Studium zugelassen. Johnsons Mutter verließ mit seiner Schwester 1956 die DDR. Er blieb. Erst zum Erscheinen seines Romans "Mutmassungen über Jakob", 1959, zog Johnson nach Westberlin. Nach den ersten Romanen einigte sich die Kritik zu Johnsons Missfallen auf das Etikett Dichter der beiden Deutschland. 1960 erhielt er den Fontane-Preis der Stadt West-Berlin. Von 1966 bis 1968 lebte er mit seiner Familie in New York, wo er als Schulbuchlektor arbeitete. 1971 wurde der Schriftsteller mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet. Drei Jahre später zog Johnson nach Sheerness in England, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1984 lebte.