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Jahrestage: Aus dem Leben von Gesine Cresspahl [Taschenbuch]

Uwe Johnson
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)

Erhältlich bei diesen Anbietern.



Kurzbeschreibung

November 2000
Jahrestage ist das Meisterwerk unter Uwe Johnsons Romanen. 365 Tage aus dem Leben von Gesine und Marie Cresspahl zwischen dem 20. August 1967 und dem 20. August 1968 werden erzählt.Nach dem Ende der Teilung hielt Joachim Kaiser fest: "Immer deutlicher zeichnet sich ab, daß Johnson ... neben, wenn nicht vor Grass und Böll als umfassender, hellsichtiger, unbestechlicher Chronist des gesamtdeutschen Schicksals begriffen werden muß. Als Schriftsteller von weltliterarischem Rang."

Kurz nach seiner Rückkehr von einem zweijährigen Aufenthalt in New York traf sich Uwe Johnson mit seinem Verleger. Der notierte über diese Begegnung vom 12. September 1968: "Ich las etwa 15 Seiten seines neuen Romans. Es soll sein chef d'oeuvre werden. 700 Seiten!" Heute wissen wir, daß die Jahrestage das Meisterwerk Uwe Johnsons sind. Wir wissen auch, daß sein Vorhaben, 365 Tage, Tage des Eingedenkens, aus dem Leben von Gesine und Marie Cresspahl zwischen dem 20. August 1967 und dem 20. August 1968 zu erzählen, für sein Gelingen viel mehr Raum brauchte. Er sah zwar ein, daß es aus pragmatischen Gründen notwendig war, diesen Roman in einzelne Bände zu unterteilen und nacheinander zu veröff entlichen. Dennoch zog er es vor, nicht von vier Bänden zu sprechen, sondern von "vier Lieferungen". Es entspricht folglich den Intentionen des Autors, wenn nun zum ersten Mal die 'Jahrestage' in einer einbändigen Ausgabe erscheinen. Damit liegt jener Roman in kompakter Form vor, der, wie kein anderer, davon berichtet, wie die verschiedenen Gesellschaftssysteme auf deutschem Boden die Menschen beeinflußt haben: beginnend mit dem Kaiserreich über die Weimarer Republik und den Nationalsozialismus bis hin zu dem in Ost und West gespaltenen Deutschland.


Produktinformation

  • Taschenbuch: 1703 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp; Auflage: Einbändige Ausgabe. (November 2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518397206
  • ISBN-13: 978-3518397206
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 12,9 x 5,5 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 220.746 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Über den Autor

Uwe Johnson, geb. 1934 in Kammin/Vorpommern, studierte Germanistik in Rostock und Leipzig. In Rostock weigerte er sich, die staatliche Verleumdung der 'Jungen Gemeinde' zu unterstützen, weshalb er exmatrikuliert wurde. Im Zuge der staatlichen Schadensbegrenzung nach dem 17. Juni 1953 wurde Johnson wieder zum Studium zugelassen. Johnsons Mutter verließ mit seiner Schwester 1956 die DDR. Er blieb. Erst zum Erscheinen seines Romans 'Mutmassungen über Jakob', 1959, zog Johnson nach Westberlin. Nach den ersten Romanen einigte sich die Kritik zu Johnsons Missfallen auf das Etikett Dichter der beiden Deutschland. 1960 erhielt er den Fontane-Preis der Stadt West-Berlin. 1966-68 lebte er mit seiner Familie in New York, wo er als Schulbuchlektor arbeitete. 1971 wurde der Schriftsteller mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet. Drei Jahre später zog Johnson nach Sheerness in England, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1984 lebte.


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Kundenrezensionen

4.3 von 5 Sternen
4.3 von 5 Sternen
Die hilfreichsten Kundenrezensionen
6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Diethelm Thom TOP 1000 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
So könnte man Lessings Spöttelei über Klopstock auch auf Uwe Johnsons 1700 Seiten starke "Jahrestage" anwenden. Ich jedenfalls habe auch den zweiten Versuch aufgegeben, das Buch ganz zu lesen, und bin über die Hälfte nicht hinaus gekommen. Warum?

Weil dies zwar ein respektables, aber kein fesselndes oder letztlich überzeugendes Buch für mich ist. Es ist respektabel, weil Uwe Johnson bereits zwischen 1968 und 1970 eine sehr kritische Haltung gegenüber dem Vietnamkrieg einnahm und einen ebenso achtenswerten Versuch einer kritischen Aufarbeitung der deutschen Nazi-Vergangenheit unternahm. Ebenso überzeugend ist seine verhaltene, skeptisch-freundliche Darstellung der zwischenmenschlichen Beziehungen.

Trotz dieser Sympathien: Ich denke, es genügt nicht, wenn man die Haltung oder Gesinnung eines Autors respektiert, man muss in erster Linie das Buch lesen wollen, weil es einen interessiert. Das Interesse erlahmt bei mir, weil Johnson das Material zu breit auswalzt, ja, geradezu zermahlt. Ein Buch muss natürlich nicht durch Handlung fesseln, aber muss der ganze Klüngel in Jerichow bis in die letzten Verästelungen dargestellt werden? Auch die ständig sich wiederholende Lektüre der New York Times mit den heute historischen Nachrichten von 1968 ist auf die Dauer ermüdend. Ebenso ist der Alltag der beiden nicht ausgesprochen interessant.

Dazu die Unwahrscheinlichkeit der Anlage: Ist es glaubwürdig, dass eine (pardon) normale 10Jährige ihre Mutter ständig über deren Vergangenheit interviewt, gemeinsam mit ihr recherchiert, gemeinsam die menschlichen und moralischen Implikationen der Verhaltensweisen der Akteure diskutiert? Hören wir hier nicht letzten Endes immer die Stimme des Autors, seine Fixiertheit auf die Themen, die im Übrigen 1970 aktueller als heute waren? Dazu passt, dass Gesines Ich-Perspektive immer wieder in die Er-Perspektive eines Sprechers - Uwe Johnsons - kippt. Deswegen gewinnen Marie und Gesine als Personen auch zu wenig Eigenleben, sie haben etwas Papierenes und Intellektuelles, sie sind in erster Linie Sprachrohre ihres Schöpfers. Und ist es nicht so, dass hier letzten Endes ein Groß-Autor jener Jahre so sehr mit sich und seinem Leben beschäftigt war, dass er es darüber vernachlässigte, sein Buch fasslicher zu strukturieren? Uwe Johnson schien zu glauben, dass alles, was ihm begegnete und beschäftigte, es wert war, zu Literatur zu werden. Wie sonst hätte er z.B. auf den Gedanken kommen können, das Auftreten seines Kollegen H.M.Enzensberger in den USA in diesem Roman über mehrere Seiten hinweg abzukanzeln?

Ich bin nicht sicher, dass ich einen dritten Versuch unternehmen werde.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mecklenburg-New York und nicht zurück 11. Mai 2011
Wer sagen will, dass in seinem Literaturleben Besseres als Grass eine einschneidende Wirkung hinterlassen muß, sollte dieses wunderbar-wertvolle Buch in die Hand nehmen und nie mehr loslassen.
Hans Praefke
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10 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Anstrengend und sehr lohnend 4. Januar 2006
Um es vorweg zu sagen: dieses Buch hat seine Längen und es ist nicht selten nötig, einen starken Willen zum Weiterlesen aufzubringen. Genauso oft wurde ich aber gefangengenommen von den Geschichten. Am Ende des Buches kamen mir jedenfalls manche Charaktere (besonders die Protagonistin Gesine Cresspahl) fast wie gute Freunde oder Bekannte vor.

Es entstand nicht nur ein sehr plastischer Schnappschuss vom Leben im New York Ende der 70er Jahre mitsamt den vergessenen und unvergessenen Ereignissen wie dem Vietnam-Krieg, der Morde an Martin Luther King oder Robert F. Kennedy. Dazu tragen Ausschnitte aus der New York Times bei, die neben den Gedanken und Erzählungen Gesines eine regelmäßig wiederkehrende Erzählebene bilden.
Darüber hinaus wird auch ein Stück 'Aufarbeitung' der NS-Zeit und des Beginns der DDR geleistet, das mich gerade durch die Unterbrechungen, Unschärfen und Leerstellen, die durch die Ausbreitung dieser Geschichtsebene als Erzählungen Gesines für ihre Tochter entstehen, fasziniert hat.
Das Buch ist für diejenigen lohnend, die Interesse an der Beschäftigung mit der Vergangenheit haben und auch immer schon gerne den Erzählungen der Eltern oder Großeltern gelauscht haben. Außerdem befriedigt das Buch auch die Neugierde nicht unwesentlich, erlaubt es doch eine Art voyeuristischen Blick in das tägliche Leben verschiedener Personen (quasi das legale Lesen des Tagebuchs einer fremden Person).

Erwähnt werden soll auch noch das Register zu diesem Buch mit Informationen zu Personen und Orten („Kleines Adressbuch“ von Rolf Michaelis), für mich persönlich war dieses jedoch überflüssig. Zwar kommen eine ganze Menge von Personen, aus der Gegenwart und Vergangenheit der Geschichte vor, außerdem wird dauernd zwischen den Zeiten gewechselt, jedoch konnte ich mir die wichtigen Personen immer merken oder wiedererkennen.

Auch die Verfilmung von Margarethe von Trotta ist sehr lohnend, ich bin allerdings froh, diese erst nach dem Text geschaut zu haben – so konnte ich mir mein eigenes Bild von den Personen bilden.

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