Als die Presslufthammer-Mappe erschien, in den siebziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts, waren Altbauwohnungen noch nicht schick. Die Umweltdiskussion wurde anhand von Bildern wilder Müllkippen am Wanderparkplatz geführt. Die gewaltigen Veränderungen, die die Konsumgesellschaft der Nachkriegszeit in Stadt, Landschaft und Gesellschaft auslöste, wurden bis zu dieser Zeit einseitig als Fortschritt interpretiert, bis man plötzlich merkte, wieviel dieser Fortschritt zerstörte. Mit viel Liebe zum Detail, in bewundernswerter grafischer Qualität und mit schonungsloser Dramatisierung erzählt diese Mappe Geschichten ohne Worte von dieser Zeit. Man sieht immer denselben Bildausschnitt einer Landschaft, im Abstand von rund drei Jahren, von den frühen Fünfzigern bis in die siebziger Jahre. Die Jahreszeiten ändern sich - stärker aber ist die Veränderung der Landschaft durch den Menschen. Was als ländliches Idyll beginnt, wird zu einem gesichtslosen Gewerbegebiet, zerschnitten von einer vierspurigen Schnellstraße.
Die Bilder wurden dank der raffinierten Idee und der hohen künstlerischen Qualität so schnell populär, dass in der Fortsetzung die Autoren schon sich selbst zitierten. In einem Bild der "Baggerzahn"-Mappe, welche in Ergänzung zum Erstling die Veränderung der Stadt behandelt, hängen die Bilder der "Presslufthammer"-Mappe als ironischer Kommentar an den Bürowänden einer Werbeagentur - in einem Hochhaus, dem alte Wohngebäude weichen mussten.
Sind diese beiden exemplarischen Kinderbücher der Siebziger-Avantgarde noch aktuell? Heute versteht sie eigentlich jedes Kind. Aber die Wut im Bauch der Autoren, das Subversive an ihrer Kritik und die Dramatik der Situation, in der die Bilder entstanden, die sehen in Zeiten von Umweltministerien und arrivierten Ex-Protestlern nur noch die, die schon 1975 einen Blick dafür hatten.
Trotzdem kaufen? Auf jeden Fall! Diese Bücher sind Klassiker, brillant erfundene Dokumente - sie dokumentieren die Zeit ihrer Entstehung genauso gut wie die Nachkriegszeit, die sie beschreiben. Und, ganz profan gesehen: die großformatigen, aufklappbaren Bilder sind ein toller Wandschmuck, zumal man sowieso jeweils mindestens zwei davon nebeneinander legen muss, um sie "lesen" zu können.