Der Wertewandel in unserer Gesellschaft wird durch jüngste Studien bestätigt, und er geht mit der rasanten technologischen Entwicklung seit der Erfindung des Internets und des Mobilfunks einher. Es gibt Diskussionen um Medienkompetenz, E-Learning, die Entwicklungen des so genannten Web 2.0, aber auch Social Software. Es stellt sich die Frage ob diese Phänomene auch in Bildungskontexte (Schule, Hochschule, Weiterbildung) Eingang finden oder finden sollten. Zweifellos haben sie Möglichleiten im selbständigen und selbstorganisierten Lernen gebracht, aber auch die Konstruktion von sozialem Wissen ermöglicht. Selbständigkeit ist ein wichtiges Erziehungsziel geworden, verlangt aber ein hohes Maß an Entscheidungskompetenz, insbesondere wenn ständig neue Formen multimedialer Angebote auf die Jugendlichen einprasseln. Aber wie erlangen Heranwachsende kritische Medienkompetenz? Und welchen Beitrag dazu können Bildungsinstitutionen leisten? Der vorliegende Band Jahrbuch Medienpädagogik 8 thematisiert 3 Bereiche. Der erste Teil des Buches befasst sich mit den theoretisch-konzeptionellen Zugängen zur Medienkompetenz.
Winfried Marotzki und Benjamin Jörissen betonen in ihrem Beitrag Dimensionen strukturaler Medienbildung, dass es aus der Perspektive der Medienbildung darum gehe die reflexiven Potenziale von medialen Räumen (zum Beispiel im Film und im Internet) zu erkennen und in ihrem Bildungswert einzuschätzen.
Tilmann Sutter geht der Frage nach wie Medienkompetenz unter den Bedingungen des Web 2.0 erworben werden kann (Medienkompetenz und Selbstsozialisation im Kontext von Web 2.0). Immer stärker ist der Erwerb von Medienkompetenz ein Prozess des selbstgesteuerten Umgangs mit Medien.
Im Beitrag Die Medienkompetenz und die ,neue` erziehungswissenschaftliche Kompetenzdiskussion analysiert Heinz Moser die schulische Bildung und die Berufs- und Erwachsenenbildung. In seinem Züricher Modell strukturiert er die medienpädagogische Domäne durch 3 Handlungsfelder: Sach-, Methoden- und Sozialkompetenz. Schule sollte die im außerschulischen Bereich erworbenen medienbezogenen Kompetenzen stärker in schulische Lernprozesse einbeziehen.
Gerhard Tulodziecki untersucht die Bildungsstandards im Medienbereich (Standards für die Medienbildung als eine Grundlage für die empirische Erfassung von Medienkompetenz). Auch Bardo Herzig und Silke Grafe beschäftigen sich mit diesem Thema.
In zweiten Teil finden sich Beiträge, die sich mit medienpädagogischen Grundlagen und Konsequenzen verschiedener Aspekte des Web 2.0 befassen.
Im dritten und letzten Teil geht es um Medienkompetenz und Web 2.0 in Bildungsinstitutionen.
Vor allem die Schule wird sich verstärkt damit auseinandersetzen müssen, wie sie die Kompetenz zum selbstgesteuerten Lernen bei Schülern fördern kann, um ihnen zu helfen, mit den Anforderungen des Arbeitslebens adäquat umzugehen. Medienkompetenz ist auch für Erwachsene im Kontext der Wissensgesellschaft eine grundlegende Kompetenz.