Seit 1979 wird jährlich von Christoph Buchwald das Jahrbuch der Lyrik herausgegeben.
Den vorliegenden Band "Jahrbuch der Lyrik 2009" hat er gemeinsam mit Lyrikerin Uljana Wolf veröffentlicht. Wolf wurde übrigens 2006 mit dem Peter-Huchel-Preis und dem Dresdner Lyrikpreis ausgezeichnet.
Das Buch enthält Gedichte bekannter und weniger bekannter Lyriker und ist in elf Kapitel untergliedert.
Die Gedichte spiegeln eindeutig den Zeitgeist wieder und zeigen mir, dass offenbar viele ungelenke Versuche unternommen werden experimentelle Lyrik aufs Blatt zu bannen, jedoch zum Schreiben wirklicher Poesie nur noch wenige in der Lage sind.
Die Seele scheint krank geworden zu sein. Diese Botschaft schreit man in meisten Versen wortreich heraus.
Nahezu alle Zeilen sind Ausdruck unerträglicher Depression. Nicht selten erscheinen die Sätze gekünstelt. Durch nur wenige Gedichte werde ich wirklich berührt, nur wenige der im Buch zur Sprache kommenden Lyriker scheinen Tiefe zu besitzen.
Uwe Tellenkamp hat sie: "Wir reisen nach innen. Stellen Sie sich das/ wie bei einer Lampe vor. Sie schalten sie aus, aber das Licht/ schrumpft in sich zusammen und hinterlässt/einen goldenen Fingerabdruck im Raum. Die Finsternis/ zeigt Ihnen für eine Sekunde von ihren Schätzen, / dann schließt sich die Hand./"
Kornelia Koepsells Sprache ist bemerkenswert poetisch:" Wie bist Du in mein Hirn gekommen,/ Kartoffelklauberin, gezeichnet von van Gogh, und du,/ Makakenaffe, der aus dem Brotbaum glotzt/...."
Ulla Hahn ist derzeit die vielleicht beste lebende deutschsprachige Dichterin:
...." Im Sommer lächeln schöne Frauen in den Straßen/ wie von Altären und Illustrierten./ Über dem Nacken/ Junger Mädchen geht die Sonne auf./ Es beben/ die Planeten von all den Hände-/ Füße- Lippenzärtlichkeiten...."
Bücher, wie diese halte ich für sehr wichtig, weil sie die Seelenlage der Nation wiedergeben
Unentwegt frage ich mich, wo die Liebe geblieben ist? Gibt es sie nicht mehr oder ist es "uncool" über sie zu schreiben?