Aus der Amazon.de-Redaktion
Und dann dieser bemerkenswerte Werbesatz. Aus einem "eher journalistischen Produkt", formuliert die dtv-Presseabteilung, sei "noch stärker ein Nachschlagewerk geworden". Klingt ganz so, als solle jeder Anschein Spiegel'scher Meinungsschreibe vermieden sein. Denn die zerstört natürlich den hehren -- wenn auch illusionären -- Neutralitätsanspruch, der jeder Jahreschronik inne wohnt. Aber tatsächlich. Die Pflichtteile "Chronik" und "Länderdaten" gelingen mit marottenfreier Sprache, ohne maschenhafte Human-Touch-Vorspänne, namenlose Quellen und allzu gewagte Aussagen. Jedenfalls beinahe. Manchmal blinzelt der Spiegel-Stil durch. Etwa bei G wie Großbritannien: "Was ist der Unterschied zwischen Gott und Tony Blair?" Der Gag kursiere "im Londoner Regierungsviertel", beginnt der Text zum Thema "Aktuelle Entwicklungen". Der Almanach speist sich halt immer noch aus der -- wahrhaft legendären -- Spiegel-Abteilung "Dokumentation". Die dokumentiert auch aktuelle Witze und nicht genannte Quellen.
Apropos aktuell. Auf dem dunkelblauen Bauch des Buchs sticht eines rot ins Auge: eine große "2003". Das steht für Aktualität; Redaktionsschluss war der 24. September. Die Bundestagswahlen sind auf sechs Seiten detailliert berücksichtigt. Gerade mal zwei Seiten pro Thema gestattet man sich bei der Kür, dem neuen Teil "Dossier". Was nach grauen Datenmassen klingt, entpuppt sich als 90 Prozent bunte Infografiken mit pointierten Mini-Texten -- die in einem Absatz mehr sagen als andere in langen Spalten. Allerbester Info-Häppchen-Journalismus. Der Spiegel-Almanach ist außen sachlich-blau angelaufen, und innen kunterbunt. Der Focus würde weiß vor Neid.
Im Personenregister schließlich schlägt die Spiegel-Schreibe doch noch durch. Die Dossier-Kür wird abgeschlossen mit einem dreifachen Axel -- genauer gesagt: mit Jürgen W., Ronald Barnabas und Co. Geht es um Möllemann, Schill und andere umtriebige Gestalten, dann klingt das dtv-Jahrbuch doch wieder spannend nach Spiegel. Auch den Erfurter Lehrer Rainer Heise beschreibt es in bestem Reportagestil: "Der Held ist schon wieder nicht leise, Kräutertee und gebackene Kartoffel sind schon kalt, aber er redet und redet."
Das sind Leckerbissen, die kein anderes Jahrbuch serviert. Und dass die leckere Latin-Queen Shakira mehr als viermal so viel Text eingeräumt bekommt wie Pierre Bourdieu, Stefan Heym und Hildegard Knef zusammen -- das gehört wohl zu den Gesetzen des Jahrbuchmarktes, wenn man -- auch im dunklen Zweireiher -- ganz vorne mitsegeln will. --Frank Rosenbauer
Kurzbeschreibung
Das präzise, übersichtliche, aktuelle und leserfreundliche Nachschlagewerk zum laufenden Jahr, erstellt auf der Basis der international renommierten SPIEGEL-Dokumentation.
In bestechender Übersichtlichkeit und reichhaltiger Ausstattung finden Sie:
- Alle Länder der Welt - Zahlen, Daten, Analysen- Dossier-Texte, Tabellen und Info-Grafiken zu den wichtigsten Themen des Jahres- Chronik des Jahres, Personen des Jahres, Todesfälle des Jahres- Ein Register, das den Inhalt gründlich erschließt
Täglich aktualisierte Daten finden Sie auf der Homepage von SPIEGEL ONLINE .
Der Verlag über das Buch
»So knapp, so präzise, so gut, wie es der Focus nur selten schafft.« t-online.de
»Das "Jahrbuch 2003" ist Nachfolger des "Spiegel-Almanachs", knapp und kompetent geschrieben, farbig und übersichtlich layoutet und somit wertvoll als gründliche Dokumentation und Hilfe für schnelle Information.« Landeszeitung für die Lüneburger Heide
»...zuverlässig und übersichtlich...« Rhein-Neckar-Zeitung
»Der bewährte Almanach mit noch mehr Informationen. Aktuelles Wissen auf höchstem Niveau. Umfassend dokumentiert, kompetent recherchiert und informativ dargestellt von den Redakteuren des SPIEGEL.« Schwaben Echo
Auszug aus Das Spiegel Jahrbuch 2003. Zahlen, Daten, Analysen. von . Copyright © 2003. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Das Jahrbuch 2003 unterscheidet sich in wesentlichen Punkten deutlich von seinem Vorgänger, dem SPIEGEL Almanach, der seit 1998 jährlich erschien. Beibehalten wurden die Charakteristika, die ihn positiv von den Wettbewerbern unterscheiden: das farbige Layout, die klare Navigation, die reichhaltige Bebilderung. Verändert wurde die inhaltliche Gestaltung. Aus dem eher journalistischen Produkt mit locker geschriebenen Texten ist mehr als bisher ein Nachschlagewerk geworden, in dem einzelne Sachgebiete mit einer Fülle von Zahlen, Daten und Statistiken kompetent und verständlich aufbereitet werden.
Die markanteste Neuerung ist das von außen bereits am blauen Seitenrand zu lokalisierende Kapitel »Dossiers«, das die »Themen des Jahres« und das in der letzten Ausgabe enthaltene Lexikon ersetzt. In den insgesamt 100 Seiten umfassenden Dossiers werden aktuelle Sachthemen wie etwa Bevölkerung, Wirtschaft, Umwelt, Bildung, Sport oder Kultur in Texten, Grafiken, Tabellen und Statistiken anschaulich und gründlich aufbereitet - national und im internationalen Vergleich. Die dabei entwickelte Kombination von Text und farbiger Grafik ermöglicht sowohl einen schnellen als auch einen umfassenden Einblick in die jeweilige Thematik.
Im Länderteil wird strenger als bisher zwischen Daten und Textteil getrennt. Mischformen wie bisher etwa in der Rubrik Wirtschaft gibt es nicht mehr. Die Texte solcher Rubriken wurden in das Kapitel »Aktuelle Entwicklungen« aufgenommen, in dem über die wichtigen Ereignisse der vergangenen zwölf Monate berichtet wird.
Der Länderteil und die Dossiers werden ergänzt durch eine Chronik der laufenden Ereignisse seit September 2001, durch Portraits der »Personen des Jahres« und Kurz-Biografien bekannter Verstorbener.
Wie in den Vorjahren wurde auch beim Jahrbuch 2003 großer Wert auf Genauigkeit und hohe Aktualität gelegt. Die Mehrzahl der Zahlen und Angaben stammt aus der Datenbank der SPIEGEL-Dokumentation, die laufend auf den neuesten Stand gebracht wird. Die Basis des Datenmaterials liefern neben dem Statistischen Bundesamt hauptsächlich OECD, Uno, Weltbank, IWF und das Standardwerk »Europa World Year Book«. Die dazugehörenden Texte wurden entweder von den Fachdokumentaren des SPIEGEL oder von den Redakteuren und Korrespondenten des in vielen Ländern der Welt mit eigenen Büros vertretenen Nachrichtenmagazins verfasst.
Redaktionsschluss für den Deutschland-Teil des vorliegenden Jahrbuchs war der 24. September 2003. Es war also möglich, auf insgesamt 6 Seiten die Ergebnisse der Bundestagswahl übersichtlich darzustellen und die Folgen der neuen Sitzverteilung zu analysieren. Für alle anderen Länder galt allerdings ein früherer Termin, so dass hier nur die wichtigen Ereignisse bis zum 31. August beschrieben werden konnten. Das Ergebnis der Wahlen in Jugoslawien, Pakistan oder der Slowakei etwa ist in dieser Ausgabe nicht mehr enthalten.
Auf frischere Informationen aus diesen Ländern müssen Käufer des Jahrbuchs 2003 allerdings nicht verzichten. Mit der Buchversion erscheint auch ein Online-Angebot, das laufend aktualisiert wird.Das umfangreiche Kapitel »Dossiers« wird allerdings nicht im Online-Angebot
erscheinen.
Stephan Burgdorff
Hauke Janssen