JAGDHUNDE ist ein außergewöhnlicher, interessanter Film, der sowohl eine tragische Familien- als auch eine schöne Liebesgeschichte enthält.
Das Leben in Lars' (Constantin von Jascheroff) Familie ist von Sprachlosigkeit geprägt.
Genau dies finden wir in so manchen Familien, doch wird es nie wirklich angesprochen und so offen und deutlich gezeigt wie hier. Eigentlich traurig, wenn sich Schwestern gegenüber stehen und nicht wissen, was sie miteinander reden sollen. In dieser Familie haben sich die Menschen nichts mehr zu sagen. Dies führt zu Unzufriedenheit und Konflikten.
Gespräche scheinen eingefroren - dazu passend die Landschaft mit Schnee und Eis.
Unsicherheit und Unwohlsein herrscht hier unter den Menschen, in der stets ein bedrückendes Schweigen herrscht. Als eine Person beim Weihnachtsessen ein Lied anstimmt, ist ganz klar zu sehen, wie angespannt die Situation ist und dass sich alle Anwesenden unwohl fühlen und damit überfordert sind.
Die triste Grundstimmung zieht sich durch den ganzen Film, wird aber durch leichte Situationskomik und gefühlvolle Szenen aufgelockert und warm. Die Beziehung zwischen Lars und Marie ist rührend, schön anzusehen und zur Abwechslung wirklich mal etwas ganz Besonderes. Vor allem hält diese behutsame Annäherung und zarte Liebe ohne einen einzigen Kuss aus.
Lars lernt Marie kennen, die Taubstumm ist. Obwohl Marie nicht sprechen kann, "reden" die beiden miteinander. Diese Kommunikation zeigt, dass Liebe auch ohne Worte möglich ist, zeigt aber auch gleichzeitig die Bedeutung von Kommunikation. Die leise Liebe, die sich zwischen Marie und Lars entwickelt, wird in ganz zauberhaften Szenen, die sich allesamt draußen abspielen, dargestellt.
Dialoge zwischen den Personen sind karg und wenn dann oft bissig und scharfkantig.
Die Einstellungen und gezeigten Szenen sind ungewöhnlich und auch etwas gewöhnungsbedürftig. Ein Bild wird gezeigt. Zahlreiche Sekunden verstreichen, bis sich dann endlich etwas darin bewegt. Lange klingt dieses Bild nach. Es handelt sich hier um einen ruhigen Film ohne Hektik, der sich Zeit nimmt für Personen und Inhalt. Spannung kommt auch nicht wirklich auf, aber dennoch ist JAGDHUNDE ein faszinierender, gelungener Film. Ich würde sagen, dass er eine wirklich gute Abwechslung zu den allgegenwärtig aktionreichen Filmen bietet. Und der Zuschauer hat einmal Zeit, sich in Ruhe über den Inhalt und die Bedeutung des Films Gedanken zu machen.
Die Botschaft, die der Film vermitteln möchte, kommt nicht unbedingt so eindeutig hervor. Vor allem das Ende ist merkwürdig und hinterlässt bei dem ein oder anderen ein Fragezeichen im Gesicht. Ich finde, dass der Schluss sehr plötzlich und unverhofft kommt. Inhaltlich ist das Problem nicht gelöst, aber dennoch ist ein Ansatz zur Besserung erkennbar.
Dieses tote Tier, das Lars am Ende aus dem Eis schlägt, soll wohl eine Metapher sein. Die Mutter weint, als sie dieses Tier - noch halb gefangen im Eis - in der Küche sieht. Vielleicht ein Zeichen von Lars, dass er sich auch Gefangen fühlt - und zwar im Schweigen der Familie. Die anderen Familienmitglieder sind auch gefesselt in ihrer "Welt ohne Worte", doch keiner traut sich auszubrechen und weiß auch nicht so recht wie. Der Anfang zur Lösung der Situation ist vorhanden, jedoch ist das Ende recht offen, sodass der Zuschauer sich selbst ausmalen kann, wie es weiter geht: Sowohl mit Lars und Marie als auch mit der Familie.
Lars ist eine Figur, die aus der Sprachlosigkeit ausbrechen will, aber nicht so recht weiß, wie. Er kann seine Gefühle selbst in so recht in Worte fassen. Er ist gefangen im Schweigen. Constantin von Jascheroff trägt diese schwierige Rolle einfach perfekt, mit solcher Natürlichkeit, die einfach überzeugt. Für mich ist er die ideale Besetzung, ein Glücksgriff, wenn es um "besondere" und anspruchsvolle Rollen geht.
Man nehme sich einmal Zeit für diesen Film, sehe ihn sich in Ruhe an, betrachte genau was geschieht und mache sich eigene Gedanken dazu. Denn auch wenn JAGDHUNDE ein stiller Film ohne große Dialoge ist, ist er anspruchsvoll und keineswegs ein langweiliger Unterhaltungsfilm. Vielmehr möchte uns dieser Film etwas Wichtiges mitteilen. Wir müssen uns nur einmal wirklich auf so einen Film einlassen.
'Wir müssen miteinander sprechen!'