Öl ist der Motor der Weltwirtschaft und Saudi-Arabien der derzeit weltweit führende Produzent. Und gerade für die USA haben Rohstoff und Produzent Nr. 1 eine immense Bedeutung, was Bestsellerautor Patrick Robinson als Anstoß für seinen Marine-Thriller "Jagd in der Tiefe" genommen hat. Deshalb kehrt der nun bereits in den Ruhestand versetzte Admiral a. D. und ehemaliger Sicherheitsberater des Präsidenten, Arnold Morgan erneut zurück, um es mit seinem langjährigen Gegenspieler Ravi Rashud und einer groß angelegten Verschwörung innerhalb des saudischen Königshauses aufzunehmen.
Der Tod eines zugekoksten saudischen Prinzen bei einem Jachtunfall im Hafen Monacos ist nur einer der Zwischenfälle in letzter Zeit, die nach der Ansicht von Kronprinz Nasir das Königshaus immer mehr einem finanziellen Ruin aufgrund von Verschwendungssucht und Schadensersatzforderungen entgegen treiben, wobei auch der Unmut in der Bevölkerung des eigenen Landes immer weiter steigt. Da er um einige Jahre älter ist als der amtierende König, sieht Nasir keine Chance die Königsfamilie eines Tages in die Schranken zu weisen und eine Revolution verhindern zu können.
So trifft er sich als saudischer Verteidigungsminister im Geheimen mit dem neu gewählten sozialistischen französischen Staatspräsidenten, um ihm ein Angebot zu unterbreiten, dass er kaum ablehnen kann. Mit französischer Unterstützung plant Nasir einen Staatsstreich und die vorübergehende Zerstörung der allein auf Ölförderung basierenden Ökonomie des Landes, wofür Frankreich mit exklusiven Verträgen zum Wiederaufbau und vor allem billigen Öl entlohnt werden soll. Damit wäre Nasir an der Macht und würde umgehend die Unterstützung für Terroristen unterbinden, wie auch den Prinzen ihre mehr als üppigen Taschengelder. Doch um diesen Plan ohne offizielle Involvierung französischer Streitkräfte abzuwickeln ersucht man für eine fürstliche Bezahlung den Ex-Fremdenlegionär Oberst Jacques Gamoudi und auch den HAMAS-General Ravi Rashud um Hilfe. Allerdings erfährt der israelische Geheimdienst Mossad schon bald von der Rekrutierung Rashuds...
Ein ähnliches Szenario verwendete bereits der gewesene Sonderberater des US-Präsidenten Richard A. Clarke in seinem Thrillerdebüt "The Scorpions Gate", in dessen Zentrum bereits ein Saudi-Arabien steht, das eine islamistische Revolution bereits hinter sich hat. Der gravierende Unterschied zwischen beiden Autoren ist neben ihrer politischen Einstellung sicher auch das Augenmerk, welches bei Robinson mehr auf militärischen Details und weniger realistischen Szenarien, Konsequenzen und politischen Implikationen liegt. Doch erzählerisch liegt Robinson mit seiner hollywoodtauglichen Story eindeutig vorne, wenngleich es die Details sind, die er zu Gunsten von Action vernachlässigt hat. Grundsätzlich ist das noch nicht bedenklich, aber es sind die Qualitäten eines Autounfalls, die Jagd in der Tiefe wirklich auszeichnen. So schlecht das Buch ist, so sehr fasziniert es auch, man kann nicht aufhören hinzusehen bzw. es zu lesen.
Denn Patrick Robinson schafft es trotz gewisser interessanter Ansätze erneut die Kurve zum sturen rechts-konservativen US-Patriotismus zu schaffen, der sich vorwiegend auf das Niveau tumber Propaganda stützt und den Anschein erweckt besser in die 50er-Jahre zu passen, als an den Beginn des 21. Jahrhunderts. Arnold Morgans USA sind ein Land, für das man entweder koste es was es wolle loyal bis in den Tod kämpft oder man ist ohnehin ein Kollaborateur, der Terrorismus begünstigt.
Nach einem Militärputsch in den USA, ist diesmal Saudi-Arabien dran, wo der Verteidigungsminister Pläne schmiedet den König zu ermorden und die Macht an sich zu reißen, um den Adel in seiner Verschwendungssucht Einhalt zu gebieten. Das immer wieder besondere an Arnold-Morgan-Thrillern - Frauen haben kaum mehr als winzige Rollen und in Jagd in der Tiefe sogar nur noch als Sekretärinnen und treue Ehefrauen, ebenso wie die meisten Charaktere ohnehin "weiß" sind, Quotenafroamerikaner oder -asiaten kennt ein Patrick Robinson nicht. Insgesamt macht er es sich ziemlich leicht, es gibt nur Gut und Böse, entweder ist man für Amerika oder gegen es und damit sogleich ein Terrorist, Verbrecher oder korrupt. Gerade in der Linke sieht Robinson die Keimzelle des Bösen, wofür diesmal Frankreich herhalten muss, denn Europa ist für nichts anderes gut als Schurkenstaaten zu unterstützen oder Bösewichte hervorzubringen. Es ist egal ob im Auftrag konservativer US-Politiker CIA-Agenten die Entstehung der Al Kaida begünstigt oder südamerikanische Diktaturen gedeckt haben, auch in Jagd der Tiefe zählt das Diktum, die Republikaner gut, moralisch überlegen und vor allem mit einer weißen Weste darzustellen.
Daneben sind die fachlichen Mängel schon beinahe unbedeutend, wenn etwa die Unterbrechung der saudischen Ölförderung ohne weltwirtschaftliche Folgen bleibt, eine Ölkrise also beschworen wird und dann ausbleibt, ohne das näher zu erläutern. Ebenso wenig hat Robinson sich mit den Konsequenzen der von ihm beschriebenen Ereignisse befasst, so kämpft ein grundsätzlich revolutionär eingestellter Ravi Rashud weil er eben ein korrupter und skrupelloser Terrorist ist für Bezahlung auf Seiten jener Putschisten, die im Grunde das saudische Königshaus erhalten und islamistischen Vorfeldorganisationen die Finanzierung streichen wollen. Die Begründung Rashud würde das nur tun, um den USA eins auszuwischen und Missstände zu beseitigen ist märchenhaft einfach, schlussendlich würde er sich damit ins eigene Fleisch schneiden, denn HAMAS-freundliche Organisationen geraten damit ebenso in finanzielle Notlagen, wie auch die Chance einer islamistischen Revolution in Saudi-Arabien geringer werden würde, der Traum von einem Sieg der Glaubensbrüder im Kampf gegen westlichen Imperialismus und ihre Marionettenregime also freiwillig für ein paar Millionen Dollar geopfert wird. Im Eingangs vergleichsweise angeführten "The Scorpions Gate" fegt eine Revolution das Königshaus hinweg und der neue Staat Islamijah sieht sich mit den Expansionsbestrebungen der aufstrebenden nahöstlichen Supermacht Iran konfrontiert.
Fazit:
Faszinierend wie ein Autounfall, einerseits grässlich und als plumpe hochpatriotische US-Propaganda gedacht, aber andererseits auch mitreißend, trotz offensichtlicher Mängel.