Die Frage im Buchtitel kann nach der Lektüre des Buches leider nur mit Blutsport beantwortet werden. Und dies nicht wegen irgendwelchen sentimentalen Gefühlsduseleien sondern aufgrund zahlreicher, gut recherchierter Tatsachen!
Versucht die Jägerschaft ihre niederträchtigen Triebe unter dem Deckmantel von angewandtem Naturschutz und Erhaltung eines artenreichen und gesunden Naturschutzes zu verkaufen, werden diese Scheinargumente in dem Buch zweifellos als Lüge entlarft - bestenfalls als Dummheit. Leider gelingt es ihnen aufgrund der einflussreichen Jägerlobby, die Bevölkerung immer wieder zu täuschen und Politik und Justiz auf ihre Seite zu ziehen.
In dem Buch von Thomas Winter geht es u.a. um Wildschäden durch Überpopulationen, die die Jäger ja durch Abschuss von Rehen, Wildschweinen etc. angeblich eindämmen müssen. Fakt ist hier, daß die Jäger maßgeblich durch die Hege und Fütterung (der diesmal bedrohten Wildbestände!) die Tierbestände künstlich erhöhen.
Dieses Geschwätz dient letztlich nur zur Erhöhung der Jagdstrecken!!
Die "Argumente" zur dringend notwendigen Jagd auf Fuchs und andere Beutegreifer werden in diesem Buch ebenfalls mit Leichtigkeit widerlegt. Es bleibt jedoch nicht bei einer einfachen Widerlegung, sondern Thomas Winter zeigt auf (stets mit Quellennachweisen und nach Erkenntnissen aus wissenschaftlichen Studien, Veröffentlichungen von Naturschutzorganisationen und Forschungsinstituten, Vogelwarten, Ministerien, Nationalparkämtern und vieles mehr) daß die Praktiken der Jäger häufig genau das Gegenteil bewirken, was sie eigentlich damit bezwecken und somit für die von ihnen deklarierten Misstände selbst verantwortlich sind. Das Problem der Tollwut z.B. kam ihnen natürlich wie gelegen, um den gnadenlosen (und ganz sicher gnadenlosen) Abschuss unzähliger Füchse als zwingend notwendige und alleinig wirksame Maßnahme zu verkaufen. Daß auch dies das Problem nur förderte und schließlich die Impfung mit Impfködern das Problem nun fachgerecht und eigentlich sehr einfach gelöst hat, ist nur ein Beispiel in dem Buch unter sehr sehr vielen für die Unfähigkeit der Jäger in Sachen Naturschutz.
Es geht in diesem umfangreichen Buch u.a. auch um Ökologie (neben einer kurzen und verständlichen Einführung werden an vielen Stellen die komplexen Beziehungen von Organismen untereinander und mit ihrer belebten und unbelebten Umwelt erklärt), die unzureichende Jagdausbilung, Auswirkungen von Bleischrot(unzählige Vergiftungen durch angeschossene Tiere und derjenigen Tiere, die die Kadaver schließlich finden und fressen), Jagd auf geschützte Tiere (sowohl aus Absicht als auch aus Unkenntnis über die Tierarten), Fallenjagd (unfassbares Leid! "...die Tiere beißen sich dabei oft in ihrer Verzweiflung die Pfote ab, um aus der Falle zu entkommen..."), Trophäenjagd, Treibjagd, Tierschutz (die Jäger sind von vielen Tierschutzregeln entbunden, was in der Praxis einem Freifahrtschein für Tierqälerei gleichkommt und auch ausgelebt wird), Artenvielfalt, Selektion (viele Jäger nehmen für sich in Anspruch durch gezielte Ansprache die Selektionsfunktion natürlicher Beutegreifer zu ersetzen - ein weiterer Gipfel von Selbstüberschätzung), die Jagd auf Haustiere, Jagdunfälle und um die deutsche Waidgerechtigkeit ("Die deutsche Waidgerechtigkeit ist eine Nazi-Wortschöpfung, die das erste Mal im Reichsjagdgesetz von 1934 auftaucht... ein Gesetz von Jägern für Jäger unter der Schirmherrschaft des Reichsjägermeisters Hermann Göring... ein typisches Nazigesetz. Das Gedankengut von Arthege und Deutscher Waidgerechtigkeit entsprach völlig der Blut-und-Boden-Ideologie mit ihrem Anspruch auf Reinerhaltung der Art... Das Reichsjagdgesetz ist mit wenigen kosmetischen Veränderungen das heutige Bundesjagdgesetz-BJG").
Schließlich kommen auch noch die Jäger selbst zu Wort (Zitate aus Jagdpresse und Äußerungen von Waidmännern in Internetforen) und beantworten die Frage des Buchtitels so eindeutig mit BLUTSPORT, das zumindest für mich keine Fragen diesbezüglich offengeblieben sind.
"Die in diesem Buch beschriebenen Praktiken sind keine Ausnahmefälle oder die Taten "Schwarzer Schafe", sondern gängige jagdliche Praxis in ganz Deutschland und darüber hinaus."
Ich denke, es gibt sicherlich auch Waidmänner, die sich von dieser gängigen Praxis distanzieren. Dann jedoch sollten sie sich konsequenterweise nicht diesem Haufen anschließen, sondern sich in wirklichen Naturschutzverbänden engagieren!
Ich möchte das Buch sehr empfehlen, weil Thomas Winter eine sehr gute Arbeit geleistet hat und ich hoffe, das mehr Menschen für dieses Thema sensibilisiert werden.