Eine kurze und sachliche Biographie.
Wer kennt sie nicht, die ehemalige First Lady und Stil-Ikone Jacqueline Bouvier Kennedy Onassis? Wenn ich Bilder von ihr sehe, finde ich sie eigentlich nicht besonders schön mit ihren weit auseinanderstehenden Augen und dem Auswärtsschielen ' aber elegant war sie auf jeden Fall.
Jacqueline Bouvier (1929 ' 1994) kam aus einer reichen Familie und führte das Leben einer höheren Tochter. Sie lernte Sprachen und reiste viel, u.a. in das Europa der Nachkriegszeit. Sie hatte das Zeug zur Journalistin und hätte vielleicht eine eigene Karriere machen können, aber die Ehe kam dazwischen. Dafür sorgte schon ihre Mutter,
die ihre Tochter versorgt sehen wollte und selbst dreimal geheiratet hat, um versorgt zu sein - das letzte Mal mit 73!
Jacqueline Bouvier war zweimal verheiratet, zuerst mit dem Präsidenten John F. Kennedy und dann mit dem griechischen Reeder Aristoteles Onassis.
Leider ist mir Jacqueline Kennedy als Frau des Präsidenten ziemlich unsympathisch ' nicht obwohl, sondern weil sie so bedingungslos an seiner Seite stand. Er hat sie nach Strich und Faden betrogen, und sie hat alles hingenommen, sogar eine öffentliche Demütigung den peinlichen Auftritt einer leichtbekleideten Marilyn Monroe an seinem Geburtstag ' da wurde nicht einmal mehr der Schein gewahrt. Natürlich waren es andere Zeiten ' aber ich habe nur wenig Respekt vor jemandem, der sich so erniedrigen läßt. Und eine Scheidung war offenbar kein Ding der Möglichkeit, immerhin hat sich sogar Jacquelines Mutter getraut, ihren untreuen alkoholkranken Mann zu verlassen. Aber so sind Politikergattinnen eben ' die meisten halten hochherzig zum betrügerischen Ehemann, ebenso wie Jahrzehnte später Hillary Clinton (zum Dank hat ihr Bill ja dann viel später IHREN Wahlkampf unterstützt, aber leider vergeblich). Wen oder was lieben diese Frauen so sehr ' ihren Mann oder das privilegierte Leben? Schauder! Grausig finde ich auch die ach so rührende Szene am Sarg von JFK, die um die Welt ging ' ich war zwar damals noch nicht auf der Welt, aber die Szene ist ja oft genug im Fernsehen zu sehen. Einen Dreijährigen zum Salutieren zu animieren, also die Geste eines Soldaten auszuführen, von deren Bedeutung er keine Ahnung hat und die absolut nicht altersgemäß ist, finde ich abartig. Das erinnert irgendwie an Demonstrationen, bei denen Teilnehmer ihre Kinder mitschleifen und ihnen Plakate in die Hand drücken, deren Aufschrift sie noch nicht einmal lesen können ' eine Form von Vergewaltigung.
Die zügellose Jetsetterin 'Jackie O.', die Onassis' Geld mit vollen Händen ausgibt, ist mir auch nicht sympathischer.
Positiv fällt dagegen auf, daß sie offenbar eine gute Mutter war. Trotz der Unterstützung durch Kindermädchen hat sie ihre Kinder weitgehend selbst erzogen, und zwar (abgesehen von der Salutier-Szene natürlich) so normal wie möglich.
Erst nach den beiden Ehen hat sie ein eigenes Leben geführt ' und mit Ende 40 erstmals eigenes Geld verdient, als Lektorin bei dem Verlag Doubleday. Ihre Arbeit dort klingt sehr interessant. Beim Lesen stelle ich fest: Ich mag 'Jackie' - aber nur vor ihren Ehen und danach!
Das kleine Büchlein ist eine große Leistung der Autorin, weil es ihr gelingt, die positiven und negativen Seiten ihrer Hauptfigur darzustellen ' sie beweihräuchert nicht und verdammt auch nicht, sondern bleibt immer sachlich, vor allem dann, wenn es um die Beurteilung der vielen Schicksalsschläge im Kennedy-Clan geht. Häufig ist die Rede von einem 'Fluch', der angeblich auf der Familie liege. Elisabeth Veit verwendet diesen Begriff kein einziges Mal, sondern beleuchtet jedesmal die Gründe der jeweiligen Tragödie.
Wirklich tragische Figuren sind JFK und sein Bruder Bobby, die beide ermordet wurden.
Aber sonst? Da ist zum einen die Tatsache, daß JFK und seine Frau mehrere Kinder verloren haben: Jackie hatte eine Fehlgeburt, eine Totgeburt und eine Frühgeburt, die nach zwei Tagen starb. Natürlich ist das tragisch ' aber Elisabeth Veit bemüht hier nicht den angeblichen 'Fluch', sondern erklärt unumwunden, daß Jacqueline Kennedy Kettenraucherin war und es auch während ihrer Schwangerschaften blieb, daß sie umstrittene Medikamente genommen hat und möglicherweise an einer Geschlechtskrankheit litt, mit der ihr notorisch untreuer Mann sie angesteckt hatte. Der tragische Ausgang von drei Schwangerschaften lag also wahrscheinlich am verantwortungslosen Verhalten der Eltern und war kein unabwendbares Schicksal.
Daß JFKs älterer Bruder Joseph im Krieg fiel, ist natürlich auch tragisch ' aber im Krieg zu fallen, gehört eben zum Berufsrisiko eines Soldaten.
Der frühe Tod von JFK jr., der 1999 bei einem Flugzeugabsturz starb, ist ebenfalls bedauerlich. Aber auch hier waren keine finsteren Mächte am Werk, sondern leichtsinniges Verhalten und maßlose Selbstüberschätzung.
Elisabeth Veit verschweigt auch nicht, daß viele der angeblichen Schicksalsschläge und Tragödien in Wirklichkeit Skandale sind und daß die Kennedys sich eine Menge erlauben konnten, womit ein Normalbürger niemals durchgekommen wäre. Besonders negativ aufgefallen sind einige der Sprößlinge von Robert Kennedy; offenbar war seine Witwe mit elf Kindern überfordert ' kein Wunder! Einer der Söhne starb an einer Überdosis Drogen, ein anderer wie folgt: 'Michael Kennedy starb betrunken beim Fußballspielen auf Skiern in Aspen.' Besoffen und auf Skiern Fußball gespielt??? Sorry, auch wenn es hart klingt ' aber außer 'Selber schuld' fällt mir da nichts ein...
Oder das hier: 'William Kennedy Smith vergewaltigte 1991 in Palm Beach ein Mädchen, wurde angeklagt und unter skandalösen Umständen freigesprochen.'
Am schlimmsten ist m. E. die Geschichte von Edward Kennedy, der mit seinem Auto in den Fluß fuhr, sich selbst rettete und seine Begleiterin ertrinken ließ ' hier gilt mein Mitgefühl ausschließlich der Ertrunkenen.
Ach nein, die meisten Mitglieder dieser Familie sind keine bedauernswerten Geschöpfe, glaube ich. Hut ab vor Elisabeth Veit für ihre sehr neutrale Darstellung!
Das Buch schließt mit einem Überblick über mehrere First Ladies vor und nach Jacqueline Kennedy. Sehr interessant!