Jacobowsky, ein Jude auf seiner fünften Flucht vor den Nazis und der polnische Adelige und Oberst Tadeusz Boleslaw Stjerbinsky, der sich mit geheimen Dokumenten des polnischen Widerstandes nach London absetzen will, treffen sich kurz vor dem Einmarsch der Deutschen in einem Pariser Hotel. Geschäftstüchtig, eloquent, intellektuell und herzlich der eine, starrköpfig, heldenhaft, streng katholisch und antisemitisch der andere. Jacobowsky schafft das Unmögliche, ein Auto mit Essence aufzutreiben, doch allein Stjerbinsky kann das Gefährt bedienen. Nur zusammen können sie den Nazischergen entkommen. Mit von der Partie ist Szabuniewicz, der ewige "Leibeigene" der Familie Stjerbinsky. De jure ist Szabuniewicz selbstverständlich ein freier Mann, doch in den Köpfen der beiden Polen bleiben die Rollen wie bei ihren Vorfahren verteilt.
Eigentlich müsste diese Flucht, in die Franz Werfel seine eigenen Erfahrungen wiederaufleben lässt, zutiefst traurig stimmen. Doch Werfel macht daraus eine "Komödie einer Tragödie". So rettet sich Jacobowsky zweimal vor dem sicheren Tod, indem er sich in die Damentoilette begibt und die Razzien der Nazis schlafend übersteht. Als Vielverfolgter hat er herausgefunden, dass männliche Wesen, selbst wenn sie der Polizei angehören, eine unbewusste Scheu empfinden, die "Für Damen" reservierten Örtlichkeiten zu betreten.
Jacobowsky und Stjerbinsky sind ein lebender Gegensatz. Doch wie der "ewige Jude" und der "heilige Franziskus", die im zweiten Akt auf einem Tandem daherradeln, sind sie unzertrennlich. Der eine kommt ohne den anderen nur schwer vom Fleck und umgekehrt. Ein Bild, das dem Credo Werfels entsprach und in mehreren seiner Bücher wiederkehrte.
Wie es ihm seine Grossmutter beigebracht hatte, wählt Jacobowsky am Ende der Komödie der Tragödie aus den zwei Möglichkeiten aus, die ihm noch verblieben sind: Zwei Fläschchen. In einem ist Heilung, in dem andern Vernichtung. Welches wird er wohl ins Meer werfen?
Das Stück würde ich gerne auf der Bühne sehen.