Neben der philologischen Aufarbeitung und Bewahrung klassischer Texte der Vergangenheit, die ein entscheidendes Desiderat der Kultur bleibt, kommt zunehmend der Vergegenwärtigung ihrer Substanz und Versuchen eine zentrale Bedeutung zu, die sie für die Fragen der Gegenwart fruchtbar zu machen suchen. Dies ist umso mehr der Fall, als kulturelle Selbstverständlichkeiten nicht mehr ohne weiteres vorausgesetzt werden können, als aber auch offensichtlich wird, dass aus den Ressourcen einer technisch instrumentellen Vernunft die Grundfragen der gegenwärtigen ökologisch sozialen Krise in der globalen Welt keine Lösung erfahren können!
Dabei ist es insbesondere wichtig, Kindern und Jugendlichen wieder die Möglichkeit zu geben, solche Quellen des Denkens sich zu erschließen. PAIDEIA und Philosophie standen seit dem Beginn des philosophischen Denkens, namentlich seit Platon, in einer engen Verbindung, die heute keinesfalls mehr selbstverständlich ist.
Maik Hosangs kleines Böhme-Buch, das Grundtexte von Jacob Böhme für eine solche junge Leserschaft zugänglich machen will, ist ästhetisch, in Textauswahl und -darbietung, die zu einem Denken mit Böhme förmlich herausfordern, ein ideales Beispiel, dem viele andere aus dem Thesaurus der Philosophie folgen sollten. Dies halte ich besonders nachdrücklich aus einer eineinhalb Jahrzehnte langen intensiven Lehrtätigkeit in Studium und Weiterbildung für Philosophie- und Ethiklehrer fest. Obwohl der Philosophieunterricht erfreulicherweise in Deutschland an Raum gewinnt, erschöpft er sich doch oftmals, auch mangels der Zugänglichkeit großer Quellen, in abstrakten Diskursen angewandter Ethik.