Mit ihrer Schattenwandler-Reihe erschafft Jacquelyn Frank eine faszinierende und fantastische Welt. Sie lässt sich ein etwas anderes Repertoire einfallen, nämlich eines voller Dämonen, Nekromanten und Druiden.
In dieser Welt ist es an dem Dämon Jacob, dafür zu sorgen, dass keine Beziehungen zwischen Dämonen und Menschen zustande kommen und Dämonen zu jagen, die "abberufen" worden sind.
Gerade die Idee der "Abberufung" ist interessant und auch spannend geschildert. Nekromanten können Dämonen für ihre Zwecke nutzen, wenn sie den wahren Namen eines Dämons herausfinden. Die Abberufenen verwandeln sich in willenlose Bestien, die Jacob zur Strecke bringen muss, bevor sie all zu viel Schaden anrichten können.
Auf der Suche nach so einem Dämon trifft Jacob auf die Bibliothekarin Isabella, von der bald klar wird, dass sie mehr ist, als nur eine einfache junge Frau. Jacob fühlt sich zu ihr hingezogen (wie auch sie sich zu ihm) und ist kurz davor, sein eigenes Gesetz zu brechen. Und so nimmt er sie kurzerhand mit zum Dämonenkönig Noah und dessen Schwester Magdalegna.
Der Königshof der Dämonen ist kein klassischer. Noah herrscht als Autoritätsperson über die gesamte Dämonenschaft, trifft Entscheidungen und erteilt Befehle. Ihm zur Seite steht seine Schwester Magdalegna, die bald eine gute Freundin von Isabella wird und schnell erkennt, dass da etwas Außergewöhnliches zwischen Jacob und Bella vorgeht.
Die Dämonen verfügen über verschiedene Fähigkeiten. So beherrscht Jacob das Element Erde, Noah das Feuer, Magdalegna ist ein Dämon des Geistes und der später auftretende Gideon ein Körper-Dämon. Damit gehen eigene Kräfte einher, die sich immer wieder als nützlich erweisen. Die Idee ist gut, aber wie leider so oft bei romantisch-orientierter Fantasy, nicht allzu genau ausgeführt. Aber das kann sich in den Folgebänden ja noch ändern.
Ebenfalls nicht allzu einfallsreich ist die Offenbahrung, dass Isabella und Jacob für einander bestimmt sind, da sie eine Prophezeiung erfüllen müssen. Da hat Frank ein wenig in die Rahmenhandlungs-Kiste gegriffen und zu der wirklich guten Idee der Dämonenwelt ein wenig Unkreativität einfließen lassen. Aber da auch die Prophezeiung weder sonderlich aussagekräftig, noch wirklich wichtig für die weitere Handlung ist, passt das irgendwie zusammen.
Was stimmt, ist die Chemie zwischen Jacob und Isabella. Der raue Typ entdeckt seinen weichen Kern, als er die Frau seines Lebens kennen lernt - nicht neu, aber immer wieder schön zu lesen. Isabella wird dank Jacob aus ihrem tristen Leben gerissen und danach von einem Abenteuer ins nächste geschleudert. Natürlich mangelt es nicht an erotischer Spannung und viel Vorspiel, wobei der tatsächliche Akt ein wenig auf sich warten lässt. Was auch daran liegt, dass Jacob ihre Unschuld schützen will... Man merkt es schon, hier gibt es einige Klischees, die waren allerdings zu erwarten und tun dem Hörgenuss keinen Abbruch.
Jacob ist einige jahrhunderte alt, dementsprechend schon etwas abgebrüht und nicht gerade ein Beziehungsmensch. Sein Leben hat er seiner Aufgabe als Vollstrecker gewidmet und dabei gedachte er auch zu bleiben, bis Isabella ihm über den Weg lief. Ab dem Moment wird sein Charakter etwas facettenreicher, wenn auch nicht sehr viel. Von Charakterentwicklung kann man leider so gut wie gar nicht sprechen.
Ebenso wenig Entwicklung gibt es bei Isabella. Die entwickelt zwar mit einem Mal Superkräfte, gibt sich aber immer noch so naiv wie zuvor. Das passt nicht ganz zusammen und kann dann und wann auch schon mal auf die Nerven fallen. Der Fokus liegt hier eindeutig auf der Liebesgeschichte und nicht auf Charaktertiefe.
Ein Charakter, der es mir aber gleich angetan hat, war Gideon, der im zweiten Teil der Reihe seine Geschichte erzählen wird. Er ist brummig, dabei aber auch witzig und vor allem sehr eigenwillig. Wie das mit der ebenfalls etwas seichten Magdalegna zusammen passen soll, werde ich dann wohl in Gideon sehen.
In der Masse der Vampir-Erotik kommt die Schattenwandler-Reihe jedenfalls richtig gut - abwechslungsreich vom Setting und voller schöner Männer. Erzählstil und Liebesgeschichte stimmen, die Handlung zum größten Teil auch. Nur an den Charakteren mangelt es.
Tanja Geke versteht es zudem, das Geschehen richtig in Szene zu setzen, man kann schön zwischen verschiedenen Charakteren unterscheiden und auch Bellas Naivität weiß sie gut darzustellen.
Was mich allerdings gestört hat, war die falsche Aussprache des Wortes "Samhain", das in etwa wie "Sawuin" klingen sollte, von der Sprecherin aber einfach wie gedruckt gesprochen wurde. Gerade bei einem keltischen Wort wäre ein wenig Recherche vielleicht nicht schlecht gewesen. Aber das nur als kleines Detail am Rande, das außer mir wohl niemanden sonst stören wird.
Jacob ist sicher ein guter Griff für Liebhaber romantischer Fantasy, die gerne auch mal auf Vampire verzichten können. Weltbewegendes darf man hier aber nicht erwarten.