Als diese Platte 1975 auf den Markt kam, war das Echo darauf unglaublich. Pastorius hat praktisch den E-Bass als Jazzsoloinstrument stubenrein gemacht. Zuvor hatte man kaum an die Möglichkeit gedacht, den Bass für Soli einzusetzen, und hier kam jemand der nicht nur ein ganzes Album so gestaltete, sondern auch noch völlig neue Wege ging und einen sehr eigenen Stil hatte. Pastorius selbst bezeichnete sich als der weltbeste Bassist, und es gab eigentlich kaum einen, der widersprechen konnte oder wollte. Donna Lee, eine Komposition Charlie Parkers und das erste Stück auf der CD, zeigt die Verwurzelung Pastorius' im Jazz. Er spielt das Stück nur von Percussion begleitet, zunächst genau nach Noten, und dann nach und nach abgedrehter, also immer mehr out. Wenn man das Stück nicht kennt, sagt es einem kaum etwas, aber wenn man das Original kennt, oder die Noten vor sich liegen hat, erkennt man da schon das Genie dieses Musikers. Come On, Come Over, das das einzige Stück mit Gesang ist, wurde von damaligen Stars gespielt: Gesang von Sam&Dave, Bläser von den Brecker Brothers. Und darunter ein extrem funky 16tel Groove von Pastorius. Damals äußerst eigen, heute wohl tausendfach kopiert - es gibt wahrscheinlich keinen Bassisten, der nicht direkt oder indirekt von Pastorius beeinflusst wurde. Die nächsten Stücke gehen schon eher in die reine Jazz Ecke, wenn auch sehr aufwendig aufgenommen (sehr gute Streicher, sowohl vom Arrangement als auch vom Spielerischen). So spielt auch Herbie Hancock sein Speak Like a Child, in einer jacofizierten Version. Ebenfalls hörenswert ist Portrait of Tracy, ein Stück, das ausschliesslich aus Flageolet Tönen am Bass besteht, und trotzdem gute Musik ist und nicht eine Technikübung. Ein prägnantes Kennzeichen dieser CD ist, dass egal wie abgedreht sie gerade wird, immer unter allem ein sehr guter Groove liegt, der alles andere umso schärfer hervortreten lässt. Und abgedreht wird sie manchmal, wenn auch nur im positiven Sinn: wer benutzt schon steel pans als Hauptinstrument, oder etwas, das nach Blockflöte klingt. Trotzdem ist das Ergebnis immer nur als genial zu bezeichnen. Das letzte Stück ist ein reines Orchesterstück, ohne Bass, und zeigt noch einmal, welche Tiefe hinter Pastorius' Kompositionen steckt. Eines der aufsehenerregendsten und besten Debut-Alben der Jazzgeschichte. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)