Hier, in dieser Aufzeichnung des damaligen Vorfalls, der die literarische und kriminalistische Szene bewegte, wird deutlich, daß es immer wieder fast unmöglich ist, jemanden, der sich verfangen hat, in die sogenannte Gemeinschaft zurückzubringen.
Schon garnicht, wenn er innerlich aggressiv veranlagt ist.
Damit sind wir auch schon dicht am Kern des Problems.
Ist Jack Unterweger ein Täter oder nicht auch Opfer?
Wie denken wir über die Opfer im allgemeinen, haben sie überhaupt an Anrecht auf Mitgefühl?
O, ja, denn wir werden es sicher auch irgendwann am eigenen Leibe (und im Innersten!) spüren: Hier sind wir Jäger, hier sind wir Opfer. Bald machen wir uns auf den Weg, um Unheil anzurichten - unrechtmäßig - bald werden wir selbst in die Enge getrieben.
Das alles zu beurteilen, ist neben dem juristischen Problem auch eins der Seelenkunde.
Jack Unterweger war aber auch ein Dichter, der innerhalb eines engen Spektrums im Gefängnis Prosa und vor allem Lyrik zu Papier brachte.
Seinen angeblichen Freunden ist es aber nicht gelungen, ihn unter die Fittiche zu nehmen, behütet und sorgsam bedacht (mit der Freiheit, die ihm zustand), sondern irgendwie ist er ihnen wieder entkommen.
So wurde er wahrscheinlich wieder ein gejagter Jäger. Und wer will von sich sagen, daß er ihn hätte halten können, umarmen, mit der Liebe umgeben, die ihm solange und so tief verwehrt wurde (immer wieder)?
Jetzt aber wäre es vielleicht wichtig, einmal eine Auswahl seiner Gedichte herauszubringen, unter Umständen einem guten Zweck zur Verfügung zu stellen, nämlich den Opfern, die gelitten haben.
Unter diesen Opfern befindet auch er sich, so meine ich und einmal schrieb er so treffend in:
Meditation in Mehrzahl
in der Gemeinsamkeit
bilden sich Freundschaften
bald hört man Lachen
Glücklichsein
keine Trauer mehr
und nie ein Begräbnis
unserer wortreichen
Meditation.
Das ist kein Trost für die Opfer und an die sollten wir zuerst denken.