Wie mein Titel schon aussagt, handelt es sich um einen „normalen" Kay-Scarpetta-Roman. Es handelt sich noch nicht einmal um einen Krimi. Patricia Cornwell versucht nach mehr als einem Jahrhundert die Ripper-Morde im spätviktorianischen England mit Hilfe der modernen Kriminalistik zu lösen.
Sie stellt dazu eine Theorie auf, die genau so gut oder schlecht ist wie die zahlreichen anderen, die es so gibt.
Bei ihr ist der Ripper der englische Maler Walter Sickert. Sie liefert uns, soweit es möglich ist viele Fakten aus seinem Leben und, wenn das einfach nicht mehr machbar ist, ergänzt sie es mit ihren eigenen Theorien. Walter Sickert, Engländer, in München geboren und mit dänischen Vorfahren, ist hochintelligent, aber ein sozialer Krüppel. Sie schiebt diese Entwicklung zu größten Teil auf sein „verkrüppeltes Genital" und der damit verbundenen Unmöglichkeit, „die Liebe körperlich" zu erfahren. Im weiteren Verlauf erfahren wir mehr von seinem, sehr bewegten, privaten und beruflichen Leben. Parallel werden auch die einzelnen Morde von Jack-The-Ripper, mit großer detailtreue, vorgetragen. Wir erfahren auch mehr über das Leben und das Umfeld des jeweiligen Opfers.
Hier liegt auch die Stärke des Buches - selbst wenn man nicht an die Theorie glaubt, so liefert uns Patricia Cornwell doch einen interessanten und sehr fundierten Blick in die Zeit und das Leben der einzelnen Bevölkerungsgruppen.
Zur Umsetzung kann man einfach nur sagen: GELUNGEN.
Die beiden erfahrenen Vorleser wechseln sich nicht nur einfach ab, sie ergänzen sich auch auf ganz natürliche, und damit sehr packende, Art und Weise.
Also, wer einen Krimi oder die Auflösung des Rätsels um die Identität des wohl berühmtesten Mörders der Geschichte erwartet, wird enttäuscht werden. Die Autorin bleibt uns der endgültigen BEWEIS schuldig! Wer aber sich von einer gut recherchierten Theorie und deren gekonnten Darstellung und einem Sittengemälde der Zeit unterhalten lassen will ist mit den vier CDs gut bedient.