Da ich Philip Seymour Hoffman für einen wirklich großartigen und vielschichtigen Schauspieler halte, war klar, dass ich mir seine erste Regiearbeit ansehen würde, zumal er auch vor der Kamera eine der Hauptrollen übernommen hat. "Jack goes Boating", so der mal wieder treffendere Originaltitel, basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Robert Glaudini, der hier auch das Drehbuch geschrieben hat. Hoffman hat den Jack bereits in dem Off-Broadway-Stück verkörpert und liefert hier nun seine cineastische Version davon ab. Herausgekommen ist dabei ein kleiner Independent-Film mit einigen dramaturgischen Hängern, der in 89 Minuten sehr unaufgeregt seine Geschichte erzählt und seine Theater-Herkunft nie ganz verleugnen kann.
Jack (Philip Seymour Hoffman, "Capote", "Tödliche Entscheidung") ist ein mittvierziger Limousinenfahrer in New York, der gerne Reggaemusik hört und seine blaßblonden Haare passend dazu als Dreadlocks trägt. Er hat nur einen Freund, Clyde (John Ortiz, "Fast & Furious", "Alien vs. Predator 2" und ebenfalls Hofmanns Partner im Theaterstück), der ebenfalls Limousinenfahrer ist. Dessen Frau Lucy (Daphne Rubin-Vega, "Wild Things") möchte den einsamen, schüchternen Kerl gerne mit ihrer Kollegin aus dem Bestattungsinstitut, Connie (Amy Ryan, "Gone Baby Gone", "In Treatment") verkuppeln, die ein ähnlich zurückgezogenes Leben führt wie Jack. Und tatsächlich, die beiden Außenseiter scheinen Gefallen aneinander zu finden. Jack beschließt sogar, schwimmen und kochen zu lernen, um mit Connie im Sommer im Central Park unbesorgt Boot fahren und sie bekochen zu können. Bei seinem ersten Dinner-Abend bei Clyde und Lucy, zu dem er Connie einlädt, geht jedoch Einiges schief - und das verpatzte Essen ist nur der Anfang.
"Jack in Love" ist ein kleiner Film mit schrulligen Charakteren und einer liebevoll erzählten Geschichte. Leider bringen ihn die teilweise sehr statische Erzählweise und eine Story, deren Potenzial nicht voll ausgeschöpft wird, latent zu Fall. Fehlende Empathie und viele recht belanglose oder zu lang inszenierte Szenen hemmen sowohl Identifikationsmöglichkeiten als auch das Timing des Films. Trotz seiner zahlreichen Außenaufnahmen und verschiedenen Locations merkt man dem Film an, dass ihm eine Theater-Inszenierung zugrunde liegt. Zu akzentuiert wirken die Darstellerleistungen teilweise, zu steril die ungelenken Kamerafahrten, zu theatralisch die Dialoge. Hoffman gelingt es zwar, einige schöne Bilder von New York einzufangen, oft wirkt es aber so, als würde es ihm nicht gelingen, Locations und Schauspieler in Einklang zu bringen. Als müsste er sich entscheiden, ob er seinen Fokus auf den Ort des Geschehens oder die Protagonisten legen müsste.
Das hat zur Folge, dass die Darsteller oft so wirken, als würden sie sich in ihrer Umgebung nicht wirklich wohl fühlen oder nicht genau wissen, was sie zu tun haben. Und das gilt keineswegs nur für die eh schon verklemmt und seltsam agierenden Protagonisten Jack und Connie. Darüber hinaus wirken weder Clyde und noch weniger Lucy sonderlich sympathisch und an etwas anderem als sich selbst und ihren Problemen interessiert. Hoffman zumindest beweist wie üblich Mut zur Hässlichkeit, indem er sich alberne blonde Dreadlocks ins schütter werdende Haar gezwirbelt hat und beim Schwimmtraining regelmäßig seine mittlerweile beachtliche, weißhäutige Plauze zur Schau trägt. Connies unsicheres Verhalten und ihre seltsamen Geschichten wirken oft eher enervierend und befremdlich als charmant-skurril. Somit sind die schauspielerischen Leistungen zwar respektabel, aber nicht sonderlich zu Herzen gehend.
Man hätte sich von Hoffman einfach ein sichereres Händchen für seine Darstellerführung gewünscht, ein besseres Gespür für Timing, emotionalere und besser ausgearbeitete Charaktere und eine etwas skurrilere und herzigere Geschichte. Als Erstlingswerk keinesfalls ein Reinfall, dennoch hat Hoffman wohl noch Einiges zu lernen, bevor seine Leistungen als Regisseur mit denen als Schauspieler gleichziehen können. Hoffman auf der Leinwand zuzusehen, ist immer ein Genuss, da er über ein nuanciertes Spiel verfügt und in nahezu jede Rolle schlüpfen kann. Seine ersten Gehversuche als Regisseur wirken noch ungelenk, vielleicht hat er sich mit der Arbeit vor und hinter der Kamera auch einfach ein wenig übernommen. Somit ist ihm nur ein halbwegs interessanter Independent-Film gelungen, dem man seine Mankos noch recht deutlich ansieht. Wer ein Faible für Autorenfilme, New York und Hoffman hat, kann einen Blick riskieren, sollte seine Erwartungshaltung aber deutlich senken, denn so gut wie als Schauspieler ist Hoffman als Regisseur leider noch nicht. Aber das kann ja noch kommen. Insofern mal solidarische drei von fünf launigen Bootsausflügen im Central Park, die der Auftakt für einen schönen Tag im Park sein können.