Rüdiger Hoffmann als Winnetou, Jürgen von der Lippe als Old Shatterhand, Hella von Sinnen als Nscho-tschi - dieses Hörspiel ist sicherlich nicht ganz das, was man noch aus Kindertagen unter einer Winnetou-Vertonung in Erinnerung hat.
1955 hatte der WDR ein siebenteiliges Hörspiel frei nach Karl May ausgestrahlt. Und das wurde dieser Tage noch einmal neu vertont, allerdings ... etwas zeitgemäßer. Auf Initiative von Jürgen von der Lippe trafen sich die Größen der deutschen Comedy, überarbeiteten die alten Texte geringfügig und nahmen sie dann neu auf. Neben der vom WDR kürzlich ausgestrahlten Hörfunkreihe (Wiederholung ist angekündigt) gab's auch eine sechsstündige Marathonfassung für's Fernsehen, bei dem man die Sprecher mit billigen Faschingsrequisiten vor einer Pappkulisse ihre Texte vom Blatt rezitieren sah.
Das Ergebnis kann sich sehen und vor allem hören lassen. Wenn Old Shatterhand (Jürgen von der Lippe) sauerländisch säuselnd seine Männerfreundschaft zu Winnetou beschwört, wenn Winnetou (Rüdiger Hoffmann) phlegmatisch ein dramatisches Gefecht mit "Tja, ich würd mal sagen: Feuer" einleitet, wenn Nscho-tschi (Hella von Sinnen) so naiv wie schrill ihren Blutschwager anhimmelt (Blutsbruder ihres Bruders), dann bleibt kein Auge trocken, wenn Sam Hawkins (Uwe Lyko, aka Herbert Knebel) sich nicht irrt. In den weiteren der insgesamt 45 Rollen sind Mike Krüger, Bernd Stelter ("7 Tage, 7 Köpfe"), Dirk Bach, Bastian Pastewka, Frank Zander, Till Hoheneder und Andreas Obering (Till & Obel) zu erleben.
Wir begleiten Old Shatterhand auf seinen ersten Landvermessungs-Trips in die Indianergebiete, bei seinem ersten Treffen mit Winnetou und seiner Sippschaft, durch viele Gefahren und Abenteuer bis zu Winnetous Tod. Der bekennende Karl-May-Fan Klaus-Dieter Fröhlich (u. a. "Hurra Deutschland") führte die Regie bei diesem 6-Stunden-Hörspielmarathon (der tatsächlich am Stück aufgenommen wurde, inklusive einigen spontanen Lachkrämpfen der Sprecher), während der führende Geräuschemacher Mel Kutbay die knallenden Schießeisen, heulenden Indianerhorden und schnaubenden Bisons beisteuerte.
Urkomische, aber nicht respektlose Karl-May-Vertonung mit Starbesetzung, denen man den Spaß an der Sache anmerkt. Ein Muß für Karl-May-Fans und andere Nostalgiker mit Humor!