Da habe ich nun gedacht, dass ich endlich einmal die wirklichen Erlebnisse eines dieser Gurus lesen kann, die es nach eigenem Bekunden aus dem tiefsten Loch zum Platz an der Sonne geschafft haben und uns nun motivieren wollen, es ihnen nachzumachen. Gut geschriebene glaubhafte Lebensläufe interessieren wohl nicht nur mich. Was aber lese ich? Eines der üblichen Motivationsbücher. Wirklich nicht schlecht, wenn es auch nichts wirklich Neues enthält.
Nachdem ich mich einmal ziemlich einsam fühlte, weil ich sitzen blieb und nicht wie andere völlig aus dem Häuschen wild klatschend aufsprang und dummes Zeug brüllte, sondern lachen musste, lese ich mit demselben Vergnügen, wie ich mir solche Massen-Motivationsveranstaltungen ansehe, die Bücher der Gurus. Mich fasziniert deren Ausstrahlung, die im völligen Widerspruch zu ihren Lebensläufen steht.
Aber vielleicht auch nicht. Denn auch das ist eine Frage der Betrachtungsweise. Höller ist erfolgreich im Motivieren anderer. Wenn er in noch wenigstens einer anderen Abteilung des beruflichen Lebens ebenso toll wäre, würde mich das mehr überzeugen.
Die Lebensläufe der Motivationsgurus ähneln sich merkwürdigerweise sehr. Auch Meister Höller kaufte im jugendlichen Alter erst ein Unternehmen und dann noch drei andere, die er alle schnell in die Millionenpleite trieb. Dann, so schreibt er, lief er eines Tages ziellos durch die Stadt und kaufte sich von seinem letzten Geld das berühmte Buch von Dale Carnegie, das ihn zu einem anderen Menschen machte. Fortan wurde es seine Aufgabe anderen zu erklären, wie es richtig gemacht werden muss. Er baute sich eine Unternehmensberatung auf und ließ sich in der Blasen-Zeit dazu überreden, seine kleine Firma an die Börse zu bringen. Bei einem Umsatz von 10 Millionen sollte sie zu besten Schätzzeiten eine halbe Milliarde wert gewesen sein. So viel zum Thema Unternehmensberatung. Und natürlich ging es Höller nie ums Geld. Das glauben wir gerne.
Leider kam der Crash dem Börsengang zuvor, und Höller blieb auf den Schulden seines Börsentraums sitzen. Als die Pleite drohte, versuchte er noch mit dilettantischen Tricks Geld abzuzweigen. Dummerweise entwickeln deutsche Staatsanwälte bei Leuten, die sich zu sehr ins Licht gestellt haben, einen besonderen Ehrgeiz, der in diesem Fall Meister Höller in den Knast brachte. Mal ehrlich: Wenn der Autor Arzt wäre, würden Sie sich ihm anvertrauen, wo er doch schon zweimal durch Eigenbehandlung den Scheintod erlitten hatte?
Doch das Arzt-Bild ist völlig falsch. Leute wie Höller sind keine Heiler, sie sind bestenfalls eine Multi-Vitamintablette mit viel Koffein. Niemand kann uns zu Dingen treiben, die wir nicht schon sowieso in uns haben. Und noch etwas: Sehr erfolgreiche Menschen haben nie Motivationsbücher gelesen. Sie trieb ihre innere Leidenschaft. Das war Motivation genug.
In seinem gut lesbaren Buch hilft Höller Menschen, die seine Motivation brauchen, um sich aufzurappeln und ins Laufen zu kommen. Wenn er nur einen Bruchteil seiner Leser oder Seminarteilnehmer wirklich dazu bringt, ihr Leben erfolgreicher zu meistern, dann hat er wahrlich ein gutes Werk getan.
Nachdem wir uns sein bisheriges Leben aus seiner Sicht schildern ließen, betrachtet Kapitel 2 die Kunst zu leben, danach lernen wir Angst in Mut umzuwandeln und uns weniger Sorgen zu machen. Kapitel 5 und 6 befassen sich mit Problemlösungsstrategien. Der zweite Teil, der mit Kapitel 7 beginnt, stellt praktische Hilfsmittel zur Verfügung. Wir lernen Probleme zu definieren, bekommen allgemeine Wege aufgezeigt, wie wir geschäftliche und finanzielle Probleme in den Griff bekommen und uns von eventuellen Schulden lösen. In den letzten drei Kapiteln schließlich geht es um die Gesundheit unserer Seele.
So blöd es klingt: Letztlich müssen wir unsere Probleme aus eigener Kraft lösen. Doch solche Bücher geben vielleicht wirklich wenigstens in Ansätzen Ideen und Hilfestellungen, wie wir aus Krisen gestärkt hervorgehen. Höller macht, was alle Motivationsgurus machen: Sie greifen auf den großen Fundus menschlicher Weisheit zurück, der sich in vielen Jahrhunderten angehäuft hat. Wahrscheinlich hat er eine sehr gute Ausstrahlung und ein außergewöhnliches Redetalent. Da das Buch intelligent aufgebaut und klar strukturiert ist, hilft es wahrscheinlich, wenn man es wirklich braucht. Allerdings wird man es dann mehr als einmal lesen und tatsächlich verinnerlichen müssen.
Fazit.
Der Autor hat uns ein nützliches und klar strukturiertes Problemlösungsbuch geschrieben. Aber machen wir uns nichts vor: Unsere Probleme müssen wir selbst lösen. Doch manchmal hilft ein mentaler Tritt in den Hintern. Und den liefert dieses Werk ebenfalls, wenn man ihn braucht. Wer noch nie ein Motivationsbuch gelesen hat, dem liegt hier ein gutes zur Auswahl vor. Wer schon einige kennt, findet hier nichts wirklich Neues. Und das ist keineswegs verwunderlich.