Es ist beeindruckend, wie die Entwicklung der Camcorder voran geschritten ist. Hatten sie doch damals, in den DV-Zeiten ein anständiges Gewicht und füllten die Handfläche gut aus, sind sie heute nur noch so groß wie ein Kameraobjektiv und passen in die Jackentasche.
Damals hatte man entscheidende Nachteile. Die Kamera startete recht langsam, das Surren der DV-Kassette wurde mit dem Mikrofon aufgenommen und das hin und her Spulen auf der Kamera war nervig, wenn man mal nicht mit einem Abschnitt einer Szene zufrieden war. Abgesehen davon, dass man keine HD-Aufnahmen machen konnte, waren das aber dann schon alle Nachteile.
Heute sind die Camcorder leicht wie eine Feder, nur halb so groß als ein DV-Camcorder und werden mit SD-Karten betrieben.
Trotzdem sind sie nicht frei von Nachteilen, die auch die alten Camcorder belasteten.
Die JVC GZ-E10SEU ist winzig und super leicht. Was ihr leider auch zum Verhängnis wird. Ausgestattet mit einem 40-fach-Zoom, schafft sie die weite Ferne sehr nah ranzuholen. Davon hat man durchaus etwas wenn drei weitere Eigenschaften zuverlässig funktionieren: 1. der Autofokus, 2. der Bildstabilisator und 3. ein gutes Handling (Gewicht und Ergonomie).
Der "besseren-Übersicht-halber" werde ich auf verschiedene Eigenschaften näher eingehen.
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Die Bildqualität:
Vier Qualitätsstufen sind auswählbar. Wobei natürlich die ersten zwei HD-Stufen am Interessantesten sind und das Hauptverkaufsargument darstellen.
Die Bildqualität der HD-Aufnahmen ist bei Tage im Freien erwartungsgemäß gut gelungen.
Farben wirken recht natürlich mit einer leichten blau-kühlen Note, der Weißabgleich ist zwar etwas langsam aber in einem angemessenem Rahmen und das Bild ruckelt kaum bei schnellen Schwenks. Dafür sorgt aber der Bildstabilisator für wabernte Konturen. Gerade dann, wenn man Objekte heranzoomt, ist, durch das sehr geringe Gewicht, die Hand sehr damit bemüht ruhig zu bleiben. Das Zittern gleicht der Bildstabilisator dann aber nicht sehr überzeugend aus. Konturen verziehen sich und wirken kurzzeitig matschig. Es hat den Anschein, als würde ein Weichzeichner dafür Sorgen, dass das Bild angenehm ruhig bleibt.
Sehr deutlich ist das in lichtschwacher Umgebung erkennbar.
Die Stärke dieser Kamera ist es zwar in leicht beleuchteten Räumen ein relativ helles Bild darzustellen. Das Rauschen wird jedoch mittels interner Software vermindert, was zu aquarellartigen, wabernden und unscharfen Konturen führt. Klingt erstmal alles sehr schlimm, ist es aber nicht wirklich, da wir es hierbei ja auch nicht mit einer sehr teuren Kamera zu tun haben und sich die Bilder trotzdem sehen lassen können, wenn man seine hohen Ansprüche ein wenig auf den Boden runter holt.
Sehr lobenswert ist dagegen der Makromodus. Ein rund ein Zentimeter kleines Objekt, wie z.B. eine Spinne, lässt sich beeindruckend vergrößern. Bildschirmfüllend kann man diesen Achtbeiner betrachten. Man sieht seine vielen Augen, seine Haare und viele andere Details. Für gutes Licht sollte dann gesorgt werden, da sonst die Details und Konturen verwaschen wirken.
Der Weitwinkel umfasst leider nicht viel Bildfläche und ist daher weniger gut für kleinere Räume geeignet. Dafür beeindruckt um so mehr die Teleeinstellungen. Der Fokus brauch im vollem Zoom dann etwas mehr Zeit sich scharf einzustellen, was auch daran liegt, dass man ohne Stativ nicht ruhig genug den Bildausschnitt fixieren kann. Oft schafft der Autofokus dann kein anständiges Bild hinzubekommen und man muss wieder zurück zoomen. Die Detailauflösung nimmt in der Teleeinstellung ebenfalls ab, was aber normal ist.
Unterm Strich würde ich die Bildqualität als "preisgerecht" und zufriedenstellend bezeichnen.
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Ergonomie:
Die Cam ist schnell griff- und aufnahmebereit in innerhalb von 5 Sekunden. Dazu ist kein Schalter nötig, man klappt einfach das Display auf, welches man im Übrigen auch um 90° in beide Richtungen drehen kann.
Durch das sehr geringe Gewicht, ist die Cam zwar sehr angenehm zu transportieren. Aber beim Filmen, gerade wenn es darauf ankommt weit entfernte Objekte aufzunehmen, ist das geringe Gewicht sehr hinderlich, zumal nicht nur die haltende Hand, sondern auch der Bildstabilisator dann überfordert wird.
Der Aufnahmeknopf sitzt zwar so, dass der Daumen ihn betätigen kann, dieses gelingt aufgrund der geringen Gehäusegröße etwas mühsam. Der Zoom ist mit dem Zeigefinger dagegen recht einfach zu bedienen. Alle anderen Tasten befinden sich an der Gehäuseseite unter dem zugeklappten Display. Etwas mühsam sind auch diese zu bedienen.
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Ton:
Das Mikrofon befindet sich unterhalb des Objektivs. Während der Aufnahme sind folgende Töne zu hören: Zoom, Autofokus, Rauschen und Berührungen am Gehäuse.
Einen Anschluss für ein externes Mikrofon wird leider nicht geboten. Was negativ anzukreiden ist. Gerade deshalb, weil das interne Mikrofon einen recht dünnen, hohl verfärbten und leicht blechernen Klang in Dolby-Stereo aufnimmt. Erträglich aber nicht genießbar.
Anschlussmöglichkeiten:
Per Mini-USB ist der Camcorder am PC, Bluray-Player oder auch am HD-TV anzuschließen. Per Auswahlmenü wählt man dann entweder "PC" oder "Andere Geräte" aus. Alternativ ist der Anschluss mittels Mini-HDMi und AV-Chinch möglich. Alle drei Varianten klappen einwandfrei.
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Akku:
Der Akku wird direkt am Gerät per Netzteil aufgeladen. Das geht relativ schnell in weniger als drei Stunden (Schätzung). Die Akkulaufzeit beträgt allerdings nur etwa 40 Minuten. Ein Ersatzakku ist in drei Kapazitätsgrößen von JVC erhältlich. Leider greift JVC dem Verbraucher dabei tief in die Tasche und man ist in etwa 70 Scheine leichter. Und weil diese Akkus gechipt sind, haben andere Hersteller ihre Akkus mit einem Stecker versehen, den man direkt am Netzteil-Anschluss der Cam befestigt. Von dort aus fließt dann die Energie in den Camcorder.
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Fazit:
Die JVC ist in meinen Augen nur eine Alternative zur Flip-Cam aber mit vergleichsweise besserer Qualität. Gerade in lichtschwacher Umgebung nimmt sie Bilder gut sichtbar aber leider auch verwaschen auf. Für das gelegentliche Filmen ist sie ideal. Zumal sie sehr leicht und sehr klein ist. Für Einstiegs-Hobbie-Filmer rate ich jedoch vom Kauf ab, da sie so gut wie keine manuellen Einstellungsmöglichkeiten bietet und an der Cam weder Licht, noch Mikrofon anschließbar sind. Das kleine TFT-Display lässt Motive ausreichend lichtstark betrachten. Eine SD-Speicherkarte sowie ein Mini-HDMI-Kabel liegen der Verpackung nicht bei (ich verwende eine SD-Karte von Verbatim, die der Camcorder anstandslos bespielt).
Pro:
+ Vergleichsweise zufriedenstellende Bildqualität
+ Gute Lichtemfpindlichkeit (aber mit viel unterdrücktem Bildrauschen)
+ Sehr klein und sehr leicht
+ Schneller Gerätestart in 5 Sek.
+ Großer Zoombereich
+ Nützlicher Makromodus
Contra:
- Tonqualität (Fokus- und Zoomgeräusche)
- Zu geringer Weitwinkel
- Keine Aschlussmöglichkeit für Mikrofon und Licht
- Akkulaufzeit und teure Ersatzakkus von JVC
- Sehr wenige manuelle Einstellungsmöglichkeiten
- Kein Mini-HDMi-Kabel mitgeliefert