Zu Weihnachten habe ich einen Einkaufsgutschein eines großen Elektronikmarktes bekommen (nein, nicht der mit dem "M", der mit den Ringen), den ich letzte Woche in Ware umsetzen wollte. Also streunte ich unentschlossen durch eine ortsansässige Filiale des großen Planeten auf der Suche nach einem oder mehreren Tauschobjekten für den Gutschein. Wie von selbst trugen mich meine Füße dabei in Richtung der Lautsprecher-Docks, wo ich schließlich vor dem On Beat Extreme anhielt.
Eigentlich will ich ja wirklich nicht noch einen dieser Lautsprecher mit nach Hause nehmen, bin ich doch mit diesen Dinger eher, hm, überversorgt. Aber nachdem ich schon einmal da stehe, kann ich ihn auch gleich einmal ausprobieren. Also krame ich mein iPhone aus der Tasche und setze es in den Dock-Connector ein. Einschalten, Lautstärke erst einmal vorsichtshalber ganz nach unten regeln, Musikstück auswählen, loslegen... Gut, da kommt erst einmal gar nichts, also drücke ich mal auf den "+"-Knopf. Aha, das klingt schon ganz gut... Ich bin fast alleine im Geschäft (kurz nach Ladenöffnung), also regle ich die Lautstärke vorsichtig höher. Ui, das klingt schon ziemlich gut. Noch ein bisschen mehr - OH MEIN GOTT!!! Leider lässt sich die Lautstärke genauso schlecht feinregulieren, wie bei einigen anderen Geräten von JBL, da ist man schnell von "ordentlich" auf "viel zu laut". Also wieder runter mit dem Volumen. Was ich in den paar Sekunden gehört habe, reicht mir aber schon aus. Wo ist ein Verkäufer - ah, da ist er ja.
Gekauft war er also ganz schnell, der On Beat Extreme. Wieder zuhause packte ich den frisch erworbenen "Ghettoblaster" aus und platzierte ihn im Arbeitszimmer. Die Bluetooth-Verbindung mit dem Mac war schnell hergestellt. Der JBL Radial, mein bisheriger Lautsprecher im Arbeitszimmer, blieb am Kabel, damit ich zum Vergleich schnell hin- und herschalten konnte. Ich fing mit Massive Attack (Teardrop) an. Hm, soooo ein großer Unterschied war da gar nicht zwischen den beiden Krawallbrüdern. Der Radial konnte wirklich gut mit seinem großen Bruder mithalten, klang fast genauso "groß" und voluminös. Ein wenig enttäuscht war ich jetzt aber schon. Bis mir auffiel, dass der Radial schon fast am Anschlag war, der On Beat Extreme dagegen nicht einmal halb "aufgedreht"!
Also gab ich dem "Dicken" mehr Leine - und war überwältigt. Kaum zu glauben, was aus dem Ding an Lautstärke und Volumen herauskam. Ich probierte so ziemlich alle Musikrichtungen auf meiner Platte aus; das Ergebnis war immer das gleiche - Gigantisch! Ein Freund von mir hat sich vor Weihnachten einen Zeppelin gegönnt, von dem ich schon ziemlich beeindruckt war. Verglichen mit dem On Beat Extreme kann der Zeppelin (Entschuldigung B&W) einpacken. Das JBL-Gerät legt in jeder Beziehung noch ein Scheit nach. Höhen, Mitten, Bass - alles klingt unglaublich klar, voluminös und dynamisch. Selbst bei hoher Lautstärke - und wir reden jetzt wirklich von Volumina, die das Trommelfell gefährden - bleibt der Klang sauber und unverzerrt. Die Basswiedergabe wird durch den digitalen Soundprozessor dabei ein wenig begrenzt, aber das fällt kaum ins Gewicht, da man sich vermutlich nur sehr, sehr selten eine derartige "Dröhnung" verpassen wird, jedenfalls nicht länger.
Nach etwa einer Stunde war ich völlig begeistert, aber leider auch zu der Überzeugung gelangt, dass dieses Gerät für mein kleines Arbeitszimmer einen absoluten Klang-Overkill darstellt. Völlig überdimensioniert. Der Radial reicht mir für das Arbeitszimmer absolut aus. Was sollte ich jetzt mit dem neuen Monster anfangen? In der Wohnung bin ich, wie gesagt, schon überversorgt. Im Büro steht der Bose Soundlink. Bleibt mein Seminarraum, in dem zwar schon ein JBL On Stage 400 Dienst tut, aber ein wenig mehr Power durchaus nicht schaden könnte. Also habe ich den On Beat Extreme am nächsten Tag mitgenommen. Und bin abends extra länger geblieben, um den Kasten in Ruhe auszuprobieren. In dem viel größeren Raum war der Klang noch unglaublicher. Der On Stage 400 P klingt daneben wie eine Hupe mit Gummiblasebalg neben einer Hella Dreiklangfanfare und darf als Backup in Rente gehen. Natürlich kann man von diesen kleinen Systemen keinen echten Raumklang erwarten, aber ein Stück von dem Gerät entfernt entsteht schon eine erstaunliche Räumlichkeit, so als ob der On Beat Extreme den Klang projiziert.
Was hat der On Beat Extreme noch vorzuweisen? Die Verarbeitung ist absolut untadelig. Die Aufmachung in Schwarz mit glänzenden Chromapplikationen und den seltsam geschwungenen Formen ist sicher nicht jedermanns Geschmack, stellt aber auf jeden Fall einen Blickfang dar. Für den Arm, an dem der Dock-Connector zu finden ist, gibt es zwei Aufsätze, die das verbundene Gerät fest halten. Eines für iPhone oder iPod, ein deutlich größeres für das iPad. Der Arm selber ist beweglich und gestattet es, das angeschlossene Gerät in die Horizontale zu drehen (und das sogar stabil), wodurch man mit dem iPad Filme im Querformat anschauen kann (was bei der Größe des iPad-Bildschirms vermutlich eher aus nächster Nähe geschehen wird, wobei dann wieder dieser Overkill-Effekt des On Beat Extreme zu Tage kommt - so richtig erschließt sich mir die Notwendigkeit dieses Gadgets noch nicht). Die Tasten an der Seite (On, Laut/Leise, Source, Telefon) sind verschiedenfarbig hinterleuchtet (schick :-)). Auf der Rückseite finden sich der Netzanschluss, ein Audio-Eingang, ein Eingang für ein (mitgeliefertes) PC-Verbindungskabel (das Gerät kann also auch als Dock zum PC genutzt werden) und ein Video-Ausgang. Die Lautstärkeregelung ist, wie schon gesagt, sowohl mit den Tasten am Gerät als auch mit der Fernbedienung recht grob und erfolgt teilweise mit Verzögerung.
Die Fernbedienung ist auch noch eine Erwähnung wert, ist sie doch ganz anders als sonst bei JBL - größer und edler mit anderem Tastenlayout. Die Reichweite habe ich noch nicht ausgetestet, aber zehn Meter sind es auf jeden Fall. Die Bluetooth Paarung funktioniert problemlos, der Klang über Bluetooth unterscheidet sich für mich nicht von dem über den Dock-Connector. Eine Besonderheit ist, dass das Gerät auch als Bluetooth-Freisprechanlage genutzt werden kann (eine etwas überdimensionierte Freisprechanlage, zugegeben :-)). Das Netzteil hat hier im Gerät Platz gefunden, so dass man wirklich nur ein Kabel braucht, um den Lautsprecher mit Strom zu versorgen (endlich kein sperriges externes Netzteil mehr).
Fazit: Das ist mit Abstand der beste transportable Lautsprecher, den ich bisher erlebt habe. Ob B&W Zeppelin, ob Bose Sounddock 10, der On Beat Extreme hat eine Nasenlänge Vorsprung - und das bei inzwischen deutlich niedrigerem Preis. Ein billiges Vergnügen ist er trotzdem nicht, aber im Vergleich das preiswerteste. Das Volumen reicht locker aus, um auch sehr große Räume zu beschallen. Dabei bleibt der Klang immer klar und unverzerrt, was wohl dem digitalen Soundprozessor zu verdanken ist. Wer zuhause wenig Platz hat, kann mit dem On Beat Extreme eine große Anlage ersetzen, ohne echte klangliche Abstriche machen zu müssen. Ich freue mich schon auf den ersten "richtigen" Einsatz des On Beat Extreme bei einem Seminar in einem wirklich großen Raum - und auf die Gesichter der Teilnehmer, wenn dieses Ding in der Pause aufspielt :-).