Als ich vor ein paar Jahren vor der Wahl stand, mir einen passenden Lautsprecher für mein iPhone zuzulegen, war die Auswahl noch deutlich geringer. Bose Sounddock, Harman-Kardon Go+Play, JBL - das war's im Groben. Die anderen damals zur Verfügung stehenden Geräte spielten entweder in völlig anderen Preisligen oder waren qualitativ weit von den Erwähnten entfernt.
Da stand ich also in einem bekannten Elektronikmarkt und fummelte mein iPhone von einem Lautsprecher-Dock ins nächste. Schnell kristallisierte sich heraus, dass nur die drei oben genannten Geräte in die engere Wahl kommen würden. Bei allen drei Systemen hatte ich den "Kinn-fällt-bis-auf-die-Zehenspitzen"-Effekt. Was die Hersteller aus so relativ kleinen Lautsprechersystemen herausholten, war damals für mich einfach unglaublich. Den sattesten und lautesten Klang hatte in meinem kleinen Test der Go+Play, der aber auch deutlich voluminöser und schwerer war als die beiden anderen Geräte. Besonders erstaunlich war für mich, dass trotz des nicht unerheblichen Größen- und Gewichts- der Klangunterschied nur minimal ausfiel. Quasi als Ausgleich bot der Go+Play die Möglichkeit, mit Batterien versehen auch mobil aufzuspielen. Prima Idee, aber mal ernsthaft - ACHT D-Zellen für ein wenig mobile Action? Nicht nur, dass dadurch das ohnehin höhere Gewicht des Go+Play noch mehr anwächst (da wird einem dann der Sinn des massiven Tragegriffes klar), auch mein ökologisches schlechtes Gewissen hatte und hat damit ein Problem. Akkus sind auch keine ernst zu nehmende Alternative - teuer, bei Entsorgung noch umweltschädlicher und kompliziert zu laden (oder hat jemand ein Ladegerät für acht D-Zellen?). Der mobile Aspekt des Go-Play blieb daher bei meiner Bewertung außen vor, wodurch die Größe und das Gewicht zu einem Ausschlussfaktor wurden (nicht zuletzt war der Go+Play damals deutlich teurer als das JBL Radial).
Blieben noch Boses Sounddock und JBL Radial. Beide spielten hinsichtlich Größe und Gewicht etwa in der gleichen Liga, wobei der Radial aufgrund der Donut-Form etwas mehr Platz in Anspruch nahm (das Loch in der Mitte hat auch Nachteile). Da sich dieser Unterschied aber auf die Höhe beschränkte, die Grundfläche dagegen sehr ähnlich war, ergab sich für mich in diesem Punkt Gleichstand. Hätte es damals bereits das Sounddock Portable gegeben, wäre meine Entscheidung klar gewesen - die zusätzliche Mobilität, erreicht durch einen ausdauernden Lithium-Akku, hätte den Ausschlag gegeben. So aber musste das damalige Sounddock genauso an die Steckdose wie der Radial. Außerdem war es zum damaligen Zeitpunkt etwa 100 Euro teurer als die Konkurrenz von JBL.
Und die wurde es dann. Der Radial hat mich im direkten Vergleich zum Sounddock nicht nur preislich, sondern vor allem klanglich überzeugt. Was aus diesem kleinen System an Klang und Volumen strömt, begeistert mich noch immer, auch im Vergleich mit moderneren Geräten. Der Radial erzeugt ein sehr ausgewogenes Klangbild mit einem unglaublichen Bassfundament. Dabei wird der Bass aber niemals aufdringlich oder "wummig", sondern bleibt immer präzise und druckvoll. Die erzielbaren Lautstärkepegel sind enorm und für den Hausgebrauch mehr als ausreichend. Vor allem bleibt das Klangbild über den gesamten Lautstärkebereich ausgewogen und klar ohne zu verzerren. Das Sounddock regelt bei höheren Pegeln den Bass und die Höhen herunter, begrenzt also das Spektrum zugunsten verzerrungsfreier Darstellung. Diesen Trick scheint der Radial nicht nötig zu haben und rennt damit dem Sounddock bei zunehmender Lautstärke immer mehr davon.
Ich hatte den Radial über fast vier Jahre im Seminarraum und bei externen Schulungen im Einsatz. Vor drei Monaten habe ich ihn gegen ein On Stage 400P des gleichen Herstellers ausgetauscht, um ihn zuhause im Arbeitszimmer als Lautsprecher zu verwenden. In den vier Jahren Schulungseinsatz hat der Radial zu meinem großen Vergnügen immer wieder für völlig verblüffte Gesichter meiner Seminarteilnehmer gesorgt. Regelmäßig wurde ich nach dem Lautsprecher gefragt, der Radial ungläubig hochgehoben und nach Anschlusskabeln für versteckte Subwoofer untersucht. Selbst größere Seminarräume vermochte er ohne Probleme mit Klang wirklich zu füllen. Bei einem Seminar mit Auszubildenden wollten diese den Schulungsraum jeden Abend als Kino zweckentfremden, wofür einer tatsächlich im Auto seine 2.1 Anlage mitgeschleppt hatte. Nach dem ersten Abend war diese wieder im Kofferraum und der Radial übernahm die Beschallungsaufgaben (wofür die Auszubildenden ihm uneingeschränkten "Respect" zollten).
Bei aller Lautstärke klingt der Lautsprecher dabei immer klar und transparent, verliert neben druckvollen Bässen die saubere und dynamische Wiedergabe der Mitten und Höhen nicht aus den Augen und erzeugt sogar so etwas wie Räumlichkeit, was bei einem so kleinen System mit derart nah aneinander liegenden Treibern schon erstaunlich ist. Die weiter oben erwähnte Bauform mit dem Donut-Loch in der Mitte, die einerseits die Handlichkeit etwas einschränkt (obwohl sich der Ring auch gut als Tragegriff missbrauchen lässt), scheint hier von Vorteil zu sein. Durch die ringförmige Anordnung der Treiber gewinnt der Lautsprecher bei der räumlichen Darstellung dazu, was den Platznachteil mehr als wett macht. Der jetzt von mir bei Seminaren eingesetzte On Stage 400P kann, trotz weitgehend identischer technischer Bestückung (Lautsprecher und Verstärkerleistung sind laut Datenblatt identisch), jedenfalls in keiner Beziehung mit dem Radial mithalten. Das war auch der Grund für den Austausch - ich wollte einfach den Radial zuhause haben, der On Stage reicht mir für die Seminare völlig aus. Inzwischen überlege ich, ob ich mir für den Seminarraum nicht auch wieder einen Radial anschaffen soll. Das Gerät stellt für mich, auch einige Jahre nach seiner Einführung, immer noch das Beste dar, was man für diesen Preis kaufen kann. Alles, was wirklich signifikant besser klingt, ist auch deutlich teurer. Und alles, was in der gleichen Preisklasse liegt, klingt lange nicht so gut (Konkurrenz aus dem eigenen Hause eingeschlossen). Wer also ein mobiles Gerät sucht, das nicht für den Einsatz im Freien geeignet sein muss (Steckdose muss halt sein), der legt hier wirklich jeden Cent richtig an.