Die zahlreichen Kirchenkantaten Johann Sebastian Bachs gehören zu seinen ergreifendsten und vielfältigsten Werken. Nach seinem Tode schnell in Vergessenheit geraten haben sie sich in den vergangenen Jahren - vor allem durch die Etablierung der historischen Aufführungspraxis - ihren festen Platz im Konzertrepertoire erheischt.
Im Rahmen der sogenannten "Bach Cantata Pilgrimage" nahm John Eliot Gardiner zusammen mit seinen English Baroque Soloists und dem unerreichten Monteverdi Choir einige Kantaten auf, die oftmals repräsentativ Feste des Kirchenjahres widerspiegeln. Die vorliegenden vier Kantaten beispielsweise, die 2000 in der Priory Church von Christchurch/ Dorset in hervorragender Tonqualität aufgezeichnet wurden, wurden eigens für das Fest Mariä Reinigung beziehungsweise Lichtmess komponiert.
Die Kantate "Erfreute Zeit im neuem Bunde" BWV 83 eröffnet mit einer prächtigen Arie, was durchaus ungewöhnlich ist. Vorgetragen wird sie brillant vom Kontertenor Robin Tyson. Genauso wie der Tenor Paul Agnew und der Bassist Peter Harvey singt Tyson glasklar, verständlich und inbrünstig. Auch dem über jeden Zweifel erhabenen Monteverdi Choir merkt man mit jedem Ton an, dass es hier nicht nur um Kommerz geht, sondern dass sich alle Künstler intensiv mit der Materie befasst haben.
Ausschließlich für einen Bassisten ist die Kantate BWV 82 "Ich habe genug" konzipiert. Das Werk besticht durch drei fein gearbeitete Arien, verbunden durch zwei Rezitative. Deutlich zeigt sich Bachs Gespür für geschmackvolle, sinngemäße Instrumentierungen. Da sich das Werk mit dem freudigen, hoffnungsvollen Abschiednehmen vom irdischen Jammertal befasst, ist die Stimmung düster, aber dennoch schimmern immer wieder hehre Momente durch. Besondere Erwähnung verdient die kammermusikalische Schlichtheit der Komposition.
Wesentlich ausgelassener gestaltet sich das Stück "Mit Fried und Freud ich fahr dahin" BWV 125. Es eröffnet mit einem hingebungsvollen Tutti. Hingebungsvoll ist auch der Vortrag der English Baroque Soloists. Gardiner hat dieses Ensemble zu einem hochvirtuosen Klangkörper geformt. Entgegen dem häufigen Vorwurf der Schöngeisterei darf sich der Hörer auf ein flüssiges, flottes und transparentes Recital freuen. Perlende Nuancen, farbige Schattierungen und Spannung erzeugende Akzente garantieren höchsten Genuss, der fest im Glauben steht.
Die Kantate "Bekennen will ich seinen Namen" BWV 200 besteht nur aus einer knappen Kontertenorarie.
Fazit: Ausgezeichnete Zusammenstellung! Gardiner und Anhang brillieren als Meister ihres Faches!