Jedes Problem verstand er augenblicklich, oft begriff er die Sache schon
nach dem ersten Satz. So Hans Bethe, Nobelpreisträger und Mitarbeiter
Oppenheimers. Und: Jetzt konnte ich die gewaltige intellektuelle Stärke
Oppenheimers aus erster Hand erleben.. Diese intellektuelle Erfahrung war
unvergesslich.
Zwei amerikanische Top-Journalisten und Pulitzer-Preisträger haben sich
zwanzig Jahre lang mit Oppenheimer beschäftigt und zehntausende
Seiten Material auf knapp 600 Leseseiten verdichtet. Hundert Seiten dazu
sind Anmerkungen.
Bei der Trauerfeier zu Oppenheimers Tod sagte George Kennan:
Auf Niemandem sonst lasteten jemals und derart grausam die Dilemmata, die
daraus entstanden waren, daß die Menschen Macht über die Natur erlangt hatten,
die in völligem Missverhältnis zu ihrer moralischen Stärke steht. Niemand
schätzte die Gefahren realistischer ein, die der Menschheit aus dieser wachsenden
Disparität erwachsen.
Was war er für ein Mensch?
In jedem neuen Gedanken sah er etwas vollkommen Schönes.
Das in den sechziger Jahren berühmte Theaterstück von Heinar Kipphardt
'In der Sache J. Robert Oppenheimer' mochte er nicht, weil ein derartiges
Melodrama die Sache herabwürdige, weil ihm jede Ambivalenz fehle.
Ein Mitarbeiter erzählt:
Der Oppenheimer von Los Alamos war ein ganz anderer als der, den ich kannte.
erstens war der Vorkriegs-Oppenheimer etwas zögerlich und misstrauisch, der
von Los Alamos dagegen ein entschlossener Macher.
Aus dem exzentrischen theoretischen Physiker, einem langhaarigen Intellektuellen
wurde nun ein hochorganisierter Manager.
Und weiter:
Er gab selten Befehle, sondern verstand es, seine Wünsche mit großer Leichtigkeit
und Natürlichkeit , nur mit seinen Augen, seinen beiden Händen und einer halb
brennenden Pfeife mitzuteilen.
Oppenheimer war für alle präsent. Im Army-Jeep oder mit seinem großen schwarzen Buick
fuhr er über das Gelände und schaute unangemeldet in den verstreut liegenden Laborbüros
vorbei. Gewöhnlich saß er hinten im Raum und verfolgte, Kette rauchend, die Diskussion.
'Vicki' Weisskopf wunderte sich, wie oft Oppenheimer persönlich anwesend war, wenn irgendwo
im Projekt ein neuer Durchbruch gelang.
Hans Bethe erinnerte sich an den Tag an dem Oppenheimer in eine Sitzung gekommen sei, die
metallurgische Probleme zum Thema hatte.
Die Debatte galt der Frage, wie ein feuerfester Behälter beschaffen sein müsse, damit
man Plutonium darin schmelzen kann. Die Debatte führte zu keinem Ergebnis, doch Oppenheimer
habe alle Argumente angehört und die Diskussion dann zusammengefasst: Das sei kein
direkter Lösungsvorschlag gewesen, doch als er den Raum verließ, war allen klar,
wo die Lösung lag.
Die Überschrift zu dieser Rezension hätte auch lauten können:
Jetzt sind wir alle Schweinehunde.
Ausspruch eines Mitarbeiters nach dem Abwurf der Bombe.
Oder: Ein Steinwurf weit von der Verzweiflung.
Ein Ausspruch über die Seelenlage Oppenheimers.
In der hysterisierten Mc Carthy-Ära zu der Zeit als der Untersuchungsausschuß tagte, vor dem
Oppenheimer sich verantworten mußte, wurde
die Rolle von Regierungsberatern völlig neu definiert , indem schon eine
abweichende Meinung als Risiko angesehen wurde.
John Mc Cloy sagte zu Präsident Eisenhower:
Ich bin, wie Sie wohl auch, sehr beunruhigt über diese Oppenheimer-Sache.
Das ist, als würde man das Sicherheitsrisiko eines Newton oder Galilei
ermitteln. Solche Menschen sind stets selbst 'top secret'.
Albert Einstein: Ich bewundere ihn nicht nur als Wissenschaftler, sondern
auch als einen großen Menschen.
Die Bücher die sein Weltbild prägten, mit denen er ständig herumlief, waren:
Baudelaire, 'Les fleurs du mal', die Bhagavadgita und Hamlet.