Dürre Worte zu Humphrey Carpenters Werk
„J.R.R. Tolkien – Eine Biographie –„
Zum Inhalt:
Von Kindheit an wird das Leben von John Ronald Reuel Tolkien erzählt. Seine frühe Jugend in Südafrika, seine ersten Lebenseindrücke. Der Umzug in das kalte, nasse England, an dem der kleine und seine Mutter abgöttisch liebende Junge Gefallen findet.
Im Groben lässt sich das Buch in mehrere große Hauptabschnitte unterteilen, als da wären:
I. ein Besuch des Autors bei Tolkien
II. Tolkiens Werdegang und Leben
III. Die Entstehung und Hintergründe seiner Mythologie
IV. Photos von Tolkien und einigen seiner Freunde
Das Leben Tolkiens war bei genauerer Betrachtung nicht sonderlich interessant, doch Carpenter lässt mit seiner wohlrecherchierten Biographie einen flüchtigen Blick in die Gedankenwelt des Oxforder Professors zu, ermöglicht es dem Leser, sich ein Bild der Hintergründe zu schaffen, aus denen sich auf wunderbare Weise die großen Werke des Silmarillions, des Herrn der Ringe, des Hobbits und noch vielen kleinen weiteren entwickelten.
Dieser Biographie fehlt jedoch etwas, das die meisten anderen ihrer Art nur allzu oft unausstehlich macht:
Es ist festellbar, dass Humphrey Carpenter "seinen" Tolkien über alles geliebt haben muss, doch nimmt seine Schreibweise nie diesen verklärten und von der Vergangenheit nostalgisch getrübten Stil an, der doch so vielen Biographien besonders berühmter Personen anhaftet. Der Stil ist klar, nüchtern, sachlich. Tolkien wird nicht als Erschaffer des Fantasy-Genres hochstilisiert, nicht einmal mit anderen Autoren verglichen. Und das trifft auch genau dessen Geschmack, sagte er doch einst:
„Ich verabscheue Biographien, besonders, wenn sie als Mittel der nachträglichen Literaturkritik dienen [...]“
Tolkien hätte seine Freude an seiner eigenen Biographie gehabt.