Schon im Jahr 1993 droppte Joseph Antonio Cartagena a.k.a. Fat Joe sein Debüt "Represent", das ihm damals den Spitznamen "Flow Joe", was auch der Name seiner ersten Single ist, einbrachte. Diesem Album folgte 1995 "Jealous Ones Envy", was ihm weiteren Kredit einspielte, sodass er einen gut bezahlten Major-Label-Vertrag bei Atlantic Records angeboten bekam. Zusammen mit seinem neuen Homie Big Punisher rockte Joey Crack 1998 auf ihren Platten "Don Cartagena" und "Capital Punishment". Leider verstarb Pun 2000 an einem Herzinfarkt, der auf sein massives Übergewicht zurückzuführen war. Die erste Platte nach Pun's Tod, "Jealous Ones Still Envy (J.O.S.E.)" wurde der internationale Durchbruch für Fat Joe, doch ab und zu hat man das Gefühl, dass mit seinem Freund auch sein toller Flow und das Gespühr für gute Beats etwas verloren gegangen sind. Es wurden Top-Produzenten wie Cool & Dre, Buckwild, Alchemist oder Irv Gotti und Stars wie R.Kelly, Noreaga, Ja Rule, Busta Rhymes und viele mehr verpflichtet, die "J.O.S.E." zu einem guten, wenn auch etwas kommerziellen Album gemacht haben.
Die ersten Songs des Albums sind seltsamerweise alles andere als besonders gut. Weder der Titeltrack "J.O.S.E.", noch das selbstverliebte "King Of N.Y." (feat. Buju Banton) und das materielle "Opposites Attract" (feat. Remy Ma) können richtig überzeugen. Das liegt zum Einen an den unharmonischen Beats, aber auch an Fat Joe's Flow, der im Vergleich zu seinen Sachen aus den '90ern richtig langweilig wirkt. Erst mit dem harten "Definition Of A Don" zusammen mit Remy Ma gibt's einen ersten Hit. Das Instrumental ist echt super: hart, düster und dennoch dynamisch. Dazu rappt Joey Crack hochmotiviert und auch Remy bietet eine klasse Vorstellung. Ab hier steigert sich die Qualität von "J.O.S.E." kontinuierlich. Einen weiteren Banger liefert uns Don Cartagena zusammen mit M.O.P und Petey Pablo mit der Bombe "Fight Club". Alle rhymen genial und schön aggressiv über den treibenden Beat, sodass dies einer der mit Abstand besten Songs des Albums ist. Die Hitsingle "What's Luv?" machte Fat Joe damals auf der ganzen Welt mit einem Schlag berühmt. Mir persönlich ist der Track etwas zu poppig, dafür taugt er aber auch echt gut zum Chillen, da der Bronx Terra sehr mit seinen Gästen Ashanti und Ja Rule zusammenarbeitet, weshalb "What's Luv?" sehr angenehm anzuhören ist. Wieder etwas ernster und damit deutlich mehr nach meinem Geschmack ist "He's Not Real". Der Beat ist zwar von der schnelleren Sorte, hat aber einen leichten Underground-Charakter - einfach gut! Auch die Rhymes von Joe und seinen Terror Squad-Kollegen Prospect und Remy Ma sind einfach erste Sahne. Was Fat Joe und Big Pun in ihrer gemeinsamen Zeit auszeichnete waren schnelle aund lässige Raps auf Instrumentals, die ihre Latino-Herkunft widerspiegelten. Ein Song, der an die damalige Zeit etwas erinnert ist "It's O.K.", eine toller Partytrack, der einfach gute Laune macht. Gegen Ende von "J.O.S.E." bekommt der Hörer dann noch einmal Joey Crack's Talent als Lyricist zu spüren. In "The Wild Life" rappen er, Prospect und Xzibit über das harte Leben auf der Straße, was mit dem genialen Beat im Hintergrund auch sehr gut rüberkommt. "Still Real" dagegen ist etwas traurig. Von einer Geigenmelodie, die einem echt unter die Haut geht, begleitet, läuft Fat Joe noch einmal zu Höchstleistung auf und berichtet von den Schmerzen, die der Tod von Pun und einigen Familienangehörigen bei ihm hinterlassen haben. Großes Kino!
Neben diesen doch sehr gelungenen Songs gibt es auch noch einige weitere Lieder, die man sich gut anhören kann. Darunter befinden sich das mittelschnelle "My Life Style", Partysmash "We Thuggin'" mit R.Kelly und der dazugehörende Remix mit Busta Rhymes, Noreaga und Remy Ma, das abgefahrene "Get The Hell On With That" (feat. Ludacris & Armageddon) und das harte "Murder Rap" (feat. Armageddon).
"Jealous Ones Still Envy" ist mit "Loyalty" das letzte Album, mit dem mich Fat Joe richtig überzeugt hat. Wenn man "J.O.S.E." allerdings mit den Vorgängern vergleicht, so kann es auf keinen Fall mithalten. Naja, sei's drum. Ich kann Fat Joe's viertes Album "Jealous Ones Still Envy" wirklich jedem empfehlen, der nach einem etwas aktuelleren Album vom Schwergewicht aus der Bronx sucht.
R.I.P. Big Pun