Aus dem Leben des BAP-Trommlers. Der Titel von Thomas Zimmers Biographie des Schlagzeugers Jürgen Zöller, sowie die Herren Niedecken und Co. auf der Buchrückseite sollen sicher BAP-Fans für dieses Buch begeistern. Ob die mitunter harten Urteile Zöllers über die Kölner Band (ausser Niedecken, dem Major und ihm, sei die langjährige BAP-Besetzung etwas dilettantisch gewesen) die Fans nicht eher verschrecken und ob sie wirklich genug über die Dialekt-Rocker erfahren, kann ich nicht beurteilen. Ich bin nämlich, zumindest bisher noch nicht, kein BAP-Fan. Trotzdem hat mich das Buch sehr gut unterhalten.
Gut zwei Drittel des Buchs und der Karriere des Berufsmusikers Zöller spielten sich ausserhalb von Niedeckens, von Kritikern verpönten, aber von den Massen geliebten, Band ab.
Wer BAP fade findet wird wohl auch Kelly Family, James Last und Karnevalsmusikanten nicht umwerfend finden - all das waren Stationen in Zöllers Karriere. Dazu Anfänge mit, nicht sehr treffsicheren, deutschen Hit-Produzenten, Touren in Spanien, China und Russland, Zusammenarbeit mit den Rodgau Monotones, Fendrich und mit Wolf Maahn.
Maahn war, so habe ich es zumindest verstandenen, Zöllers Lieblings-Phase. Er konnte sich einbringen, arbeitete mit leidenschaftlichen Musikern zusammen und hatte das Gefühl vorwärts zu kommen. Bei BAP war es dann erst mit der Neubesetzung nach dem Weggang des Majors eine zunehmend befriedigendere Zeit.
Niedecken beneidet Zöller um einige seiner Karriere-Stationen, insbesondere um die Anfänge in den 1960ern. Nicht übel mit Jimi Hendrix ins Gespräch zu kommen, oder? Auch das ist eine Anekdote aus diesem Buch, das Höhen und Tiefen, Monotonie, Frust und Triumphe des Lebens als Berufsmusiker mit Witz und Spannung schildert.
Drogen? Gibt's auch. Zöller schreibt, dass er keinen Musiker kenne, dem Kokain kreativ weitergebracht habe, statt dessen Paranoia und Enttäuschung.
Groupies? In den 60ern. In den späteren Jahren mit BAP dann Frauen um die 40, mit denen sich unterhalten wurde, mehr aber auch nicht.
Zimmers "flotter" Schreibstil habe ich dem Thema und der Zeit, besonders für die Schilderung der 60er und 70er Jahre, angemessen empfunden - ich fand das erfrischend und unterhaltsam. Manche Erlebnisse Zimmers werden kurz von Jürgen Zöller, in eigenen (weniger blumigen Worten als die Zimmers) kommentiert - auch das eine gute Idee, wie ich meine.
Nach diesem Buch erscheint der Berufswunsch Rockstar ein gutes Stück weniger verlockend, aber der Respekt und das Verständnis für Berufsmusiker ist danach grösser. Ist Ruhm wirklich so verlockend, wenn selbst Wolfgang Niedecken kaum noch Privatsphäre hat, weil er überall erkannt wird? Ist das Leben auf Tour wirklich so reizvoll, wenn man betrunkene Werner-Fans den Soundtrack zum Biertrinken liefern darf? Ist es echter Glamour einen Pass zur Rolling Stones Aftershow-Party zu erhalten, nur um dann doch nicht reingelassen zu werden und statt dessen allein im Hotelzimmer sitzen muss?
Vielleicht ist das Drumherum auch gar nicht so wichtig, wenn man nicht wegen des Ruhms, sondern wegen der Berufung zum Musiker und der Liebe zur Musik dabei ist? Thomas Zimmer beschreibt Zöllers Begeisterung für seinen jeweiligen Lebensabschnitt mit einer, nach oben offenen "Zappel-Skala" - auch das ist sehr amüsant.
Ein wenig neugieriger auf BAP- und Wolf Maahn Songs bin ich dank dieses Buches geworden. Unterhaltsam ist es aber wahrscheinlich für die unterschiedlichsten Leser, so lange sie alle verbindet, dass sie sich für Musik begeistern können. Die Kelly Family und James Last sind uncool? Aber sie konnten Zöller vernünftig bezahlen und haben ihn herzlich aufgenommen. Das alles erscheint nach diesem Buch in einem anderem Licht. Von (Kritiker-)Lob wird ein Musiker nicht satt, der Gig mit Chuck Barry war enttäuschend und mit Maahn und BAP hatten Musiker und Publikum oft die pure, reine Freude an der Musik - das Buch ist keine BAP-Lobhudelei und spart nicht mit kritischen Worten, schafft es aber Zöllers Unmut über blasierte Kritiker überzeugend zu vermitteln. BAP-Alben zu verreissen ist nicht mutig. Etwas mehr Verständnis für Jürgen Zöller und seine Kollegen, bitte. Dann braucht er auch nicht so grimmig gucken, auf dem Cover. ;-)
294 Seiten, Softcover, Farb- & s/w-Fotos, Autoren: Thomas Zimmer & Jürgen Zöller, Vorwort von Wolfgang Niedecken, 2008