Aha, noch ein Witzbuch, mag man im ersten Moment denken. Aber dieses ist doch etwas Anderes. Zum einen ist es ein Klassiker. Es erschien erstmals 1963 und wurde seitdem kontinuierlich wieder und wieder aufgelegt. Allein das zeigt schon, dass es beiweitem nicht so vergänglich ist wie herkömmliche Witzsammlungen. Denn zum anderen versteht es sich auch als Dokumentation jüdischer Witzkultur und somit auch Lebensart und -philosophie.
Das zeigt sich vor allem durch die umfangreichen Begleittexte, in denen - vollkommen unkomisch - auf die Entstehung, Entwicklung und Eigenarten des jüdischen Witzes eingegangen wird. Hier zeigt sich, dass in den verschiedenen Spielarten des Witzes im Judentum weit mehr liegt als nur eine Religion, sondern auch viel Geschichte, Lebensart und Politik. Das ist nicht im Geringsten witzig, aber eines der Anliegen des Buches - den jüdischen Witz zu erklären und dem Uneingeweihten, der unter Umständen nicht viel über jüdische Kultur weiß, näherzubringen.
Aber natürlich ist dieses Buch immer noch ein Witz- und kein Sachbuch. Und so nehmen auch die in verschieden in verschiedenen Kategorien (nach Art oder Thema des Witzes) eingeteilten Witze den meisten Platz in dem Buch ein. Sorgfältig wurde sich hier um eine repräsentative Auswahl bemüht, die alle Spielarten berücksichtigt. Und hier wird der Leser auch mit Sicherheit hin und wieder herzhaft lachen über die Intelligenz, Schlitzorigkeit, Schlagfertigkeit und Selbstironie der Pointen, wenn auch hin und wieder mit einem bitteren Beigeschmack. Kostprobe gefällig? Es begegnen sich im Dritten Reich zwei Juden auf der Straße. Der eine grüßt: "Heil Hitler!" Darauf antwortet der andere: "Bin ich Psychiater?" (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)