Martin Grotjahn erzählt in seinem Buch 'Vom Sinn des Lachens' folgenden kleinen Witz:
Eine ältere Dame besteigt einen Bus in New York, fragt den Fahrer: 'Sind Sie Jude?'
Und der Fahrer 'Nein'. Sie lässt sich aber nicht entmutigen, obwohl hinter ihr schon
eine Schlange sich bildet, fragt nochmal 'Sind Sie Jude?' Fahrer, genervt:
'Nein, bin ich nicht' Und sie fragt ein drittes Mal 'Sind Sie Jude?' Der Fahrer sieht,
er muss was tun, sonst kommt er heute nicht mehr ans Ziel und sagt: 'Ja, wenn Sie unbedingt
wollen, Ja, ich bin Jude'. Und die alte Dame:'Sie sehen nicht so aus'.
Dies zu Klischees und Vorurteilen..Es sind achtzig Interviews mit achtzig ganzseitigen Fotos.
Deshalb ist es schwer es im Einzelnen zu würdigen, hier wenigstens ein paar Einblicke:
Teddy Kollek, Norbert Elias, Robert Jungk, Simon Wiesenthal und Marcel Reich-Ranicki..
Es kommen furchtbare Sätze darin vor, weil die Interviewten ja auch über das Schicksal ihrer
Verwandten sprechen. Und es kommen noch ein paar Witze darin vor. Es sind Wissenschaftler,
wie Friedrich Hacker, der während einer Talk-Show gestorben ist, Wissenschaftler die auch
Literaten sind, wie Käte Hamburger, Regisseure, wie George Tabori, Bankiers wie Eric Warburg,
Politiker wie Georg Kreisky, Philosophen wie Sir Karl Popper, Psychotherapeuten, wie Erika Landau,
man muss nur lesen, dass sie in Czernowitz geboren ist, um sogleich hellwach zu sein. Es sind die
Biographien der um das Jahr 1900 meist in Deutschland, oder Österreich-Ungarn geborenen, die dann in
alle Winde zerstreut wurden. Es sind Verleger wie Gershom Schocken, der als kleiner Bub ein jüdisches
Gebets-Ritual ansieht und kurz danach anfängt zu weinen, als seine Großmutter ihm sagt 'Du bist ein Jude'.
und Schocken: 'Ich will aber kein Jude sein'. Darauf die Großmutter, eine sehr resolute Frau: 'Was redest
du für einen Unsinn, du bist ein Jude, dabei bleibt es, jetzt hör auf zu weinen'. Der Dirigent Sir
Georg Solti erzählt en passant, Dirigent sein , das sei wie ein guter Kinderarzt sein, weil man eigentlich
mit nervenkranken Kindern arbeite..
Es sind Journalisten wie Georg Stefan Troller. Von ihm sei hier zum Schluss noch ein Satz notiert
selbstverständlich aus dem Zusammenhang gerissen: 'Warum ist es denn in Deutschland so langweilig?
Warum sind diese Talkshows so unbedarft?' Das Buch erschien 1989..