Ich gehöre zu den so genannten Viellesern, verschlinge fast alles was mir unter die Nase kommt, bis zum bitteren Ende, egal wie viele Seiten dick.
Da finde ich es wirklich beachtlich, dass ausgerechnet ich dieses Buch knapp 80 Seiten vor Schluss - kurz vor dem Finale! - partout nicht mehr weiterlesen konnte. Gründe dafür hatte ich so einige:
1.) Fremdschämen:
Ich habe nichts gegen gute Liebesgeschichten. Aber diese Story war so plump, da blieb mir die Spucke weg: Sie kommt rein, er verliebt sich unsterblich, beide kommen natürlich schnell zusammen, schwören sich nach wenigen Tagen die ewige Liebe und p... dann etwa alle 10 Seiten aufs neue. Nach der gefühlt 100sten Sexszene habe ich mich so geschämt, immer noch zu lesen, dass ich es meiner Selbstachtung wegen aufgegeben habe. (ich habe mich schon gefühlt wie ein nimmersatter Spanner)
2.) Fehlende Spannung:
Eine schlechte Liebesgeschichte kann von einem spannenden Plot gerettet werden, das weiß ja jeder. Und was auf dem Klappentext stand, klang nach Aktion, Mystik, Kriminalgeschichte. Auf den ersten Seiten des Buches konnte ich die erkennen. Aber dann verloren sich diese Punkte und gingen irgendwie in dem ganzen oberflächlichen Herumgeturtele unter, wurden quasi im Keim erstickt. Mal davon abgesehen, dass sich jeder normal denkende Leser nach spätestens der Hälfte des Buches ausrechnen kann wer die Bösen sind, wer gewinnen wird und wie es letztendlich enden wird: Nämlich, oh Wunder, dass die Protagonistin und ihr Held bis zum Ende überleben und später natürlich glücklich vereint in die Zukunft sehen. Aber die Frage ist: Will man dann wirklich all diese Seiten lesen? Will man wirklich wissen wie sie das schaffen, wenn doch sowieso nichts passiert, was man nicht vorher schon weiß? Ich habe es nicht getan, mir reichte das Wissen und ein letzter kontrollierender Blick auf die letzte Seite, dass es eh ein rosarotes Happy End gibt. (Und für die Seelen, die am Ende des Buches noch nicht gerettet sind, wird sich in den Folgebänden der passende Partner finden.)
3. Endlose Wiederholungen:
Manche Dialoge liest man erst in Schwarz, dann ein paar Seiten später in Weiß mit gleichem Inhalt. Jede Info, jede Emotion, einfach viel zu viele Kleinigkeiten werden mehrmals wiederholt, damit es auch bloß niemand vergisst. Ich bin aber nicht in der Schule und ich lerne auch keine Vokabeln. Ich will einfach nur lesen! Das Buch hätte man somit auch auf die Hälfte kürzen können und man hätte trotzdem alles gesagt.
4. Schwache Charaktere:
Ganz deutlich wurde in diesem Buch, dass Feehan beabsichtigt mehrere Teile zu schreiben. Deshalb treten zahlreiche Neben-Charaktere auf, von denen man sofort weiß, dass sie später auch mal eine Hauptrolle bekommen. Aber ganz ehrlich? Die Hauptrolle der Lily ist dermaßen schwach ausgezeichnet, dass man auf den / die nächste Protagonistin schon keine Lust mehr hat. Mir fehlte das Neue, das Faszinierende, das Unperfekte und dennoch Liebenswerte an den Charaktern. Jeder einzelne von ihnen machte auf mich eher den Eindruck mit leerer Feder gezeichnet worden zu sein, grob und umrisshaft, hauptsache er ist da und er kann später mal ein eigenes Buch bekommen. Solch fade Persönlichkeiten über mehrere hundert Seiten zu begleiten, macht einfach keinen Spaß.
Fazit: Die Grundidee mit den Schattengängern und der mysteriösen Eliteeinheit klingt spannend und vielversprechend und klingt nach einer willkommenen Abwechslung zu all den Vampirbüchern, die derzeit den Markt überschwemmen. Das Resultat ist aber eher was für Leser, die auf eindeutige, einfache und recht langatmige Liebesgeschichten stehen. Wer sich erhofft eine spannende Alternative zu Black Dagger/J.R.Ward und Co. zu finden, der sollte besser die Finger von Jägerin der Dunkelheit lassen.
Die zwei Sterne gibt es für die Grundidee und die ersten Seiten des Romans, die die Hauptdarstellerin noch mit Herz und Hirn in der Senkrechten verbringt.