Die drei ersten Krimis von Oliver Bottini, besonders Teil 2 und 3, Im Sommer des Mörders und Im Auftrag der Väter sind zwei ganz großartig gelungene Romane, wobei - gegenüber den zahlreichen gleichartigen Büchern auf dem Markt - die kraftvolle und zugleich oft etwas subtile Sprache Bottinis besonders positiv auffällt. Bottini gelingt es wie kaum einem anderen Krimiautor, Stimmungen, Konflikte, auch menschliche Abgründe in packende Sprache umzusetzen. Ab einem bestimmten Punkt - und das löst auch Jäger in der Nacht voll ein - kann man Bottinis Bücher nicht mehr beiseite legen, so sehr haben sie einen gepackt.
Der Krimi dreht sich um Gewalt gegen Frauen, um Vergewaltigung und Misshandlung. Hervorragend ist der Prolog, ein Nebenschauplatz, der aber ganz und gar deutlich zu machen vermag, wie Männer ticken können. Gelegentlich, das ist eine der Schwächen des Krimis, wird das Negativimage: Fußball, Saufen, Gewalt gegen Frauen etwas überstrapaziert, besonders dann, wenn sich Boni dauernd mit etlichen ihrer Kollegen anlegt. Die Ermittlungen - so viel sei verraten, weil es schon ziemlich zu Beginn des Krimis zu Tage gefördert wird - zielen auch in die eigenen Reihen, was die Spannung zusätzlich erhöht.
Die volle Punktzahl gibts für Jäger in der Nacht aber nicht. Der Plot ist zwar spannend, packend, aber teilweise so konstruiert, dass man sich die Haare rauft. Einige Zusammenhänge sind kurios abwegig, Beispiele zu nennen gibt es einige, besonders der Hinweis, weshalb sich die Ermittlung dann nach innen richten, oder die Rolle und das Vorgehen der alten Damen. Auch das Ende wirkt wie angenäht; damit es zum großen Showdown kommt - ganz im Mittelpunkt natürlich Louise Boni - wird die Handlung künstlich verlängert. Das ist zwar spannend, aber nachher macht sich der Eindruck breit: Gehts auch eine Nummer kleiner? Und auch so ein kraftvolles, erinnerungswürdiges Bild wie bei Im Auftrag der Väter - der abgerissene Mann, der wie ein Gespenst an der Wohnzimmerscheibe steht (weshalb ich noch heute manchmal bei Regen aus dem Wohnzimmerfenster schaue und warte, das ein solches Gespanst auftaucht) - fehlt in diesem Buch.
Positiv wiederum ist: Louise hat einigermaßen zu sich gefunden, von Buddhismus fast keine Spur, das kommt mir beides sehr entgegen.
Loise Boni ist eine Ermittlerin, die lebt! So wie ihre Schwester Judith Krieger von Gisa Klönne, eine genauso gute Ermittlerin, und genauso gute Krimis. Wir werden mit ihr hoffentlich noch weitere spannende Fälle erleben, Herr Bottini!