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Jáchymov: Roman Gebundene Ausgabe – 5. August 2011


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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
  • Verlag: S. Fischer Verlag; Auflage: 1 (5. August 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3100300610
  • ISBN-13: 978-3100300614
  • Größe und/oder Gewicht: 13,4 x 2,8 x 21 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Josef Haslinger, 1955 in Zwettl/Niederösterreich geboren, lebt in Wien und Leipzig. Seit 1996 lehrt Haslinger als Professor für literarische Ästhetik am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. 1995 erschien sein Roman ›Opernball‹, 2000 ›Das Vaterspiel‹, 2006 ›Zugvögel‹, 2007 ›Phi Phi Island‹. Sein letztes Buch ›Jáchymov‹ erschien im Herbst 2011. Haslinger erhielt zahlreiche Preise, zuletzt den Preis der Stadt Wien, den Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels und den Rheingau Literaturpreis. 2010 war er Mainzer Stadtschreiber.

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Kundenrezensionen

3.9 von 5 Sternen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen

13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von Wolfgang S. am 24. August 2011
Format: Gebundene Ausgabe
Wie schon für "Phi Phi Island" hat Josef Haslinger auch für sein neues Buch "Jáchymov" ein Sujet gefunden, das auf wahren Ereignissen beruht. Vor bereits vielen Jahren lernte Haslinger die Tochter des Bohumil Modrý kennen, die ihm die ungeheuerliche Lebensgeschichte ihres Vaters erzählte.

Modrý war Tormann der erfolgreichen tschechischen Eishockey-Nationalmannschaft der späten 1940er Jahre. Durch verschiedene Umstände verspielte die Mannschaft ihren guten Ruf innerhalb des politischen Regimes, worauf ein Exempel statuiert wurde. Beinahe alle Spieler wurden verhaftet und für Jahre weggesperrt, zum Teil unter Folter oder sonstigen unmenschlichen Bedingungen. Modrý musste im gefürchteten Uranbergwerk Jachýmov mit bloßen Händen mit dem radioaktiven Uranerz hantieren. Er wurde zwar vorzeitig freigelassen, aber seine Rehabilitierung erlebte er nicht mehr: er war schon bald seiner Strahlenkrankheit erlegen.

Auch im Roman "Jáchymov" wird dieses Drama seines Lebens sachlich erzählt, erweitert durch die offensichtlich eingehend recherchierte Erfolgsgeschichte des tschechischen Eishockeyteams. Das Ganze ist allerdings eingebettet in eine recht konstruierte, fast akademisch wirkende Rahmenhandlung, in der die Tochter Modrýs - hier eine Tänzerin - einem Verleger die Vatergeschichte erzählt. Durch diesen Kunstgriff schafft der Autor noch mehr Distanz zum Sujet, als diesem gut tut: der Verleger und die Tänzerin bleiben seltsam blutleere Figuren, die in Kontrast zu der grauenvollen Geschichte eines Einzelnen stehen, der von politischer Willkür zerbrochen wird.
Vielleicht fehlt in "Jáchymov" das Quäntchen Subjektivität und emotionaler Betroffenheit, das Haslingers "Phi Phi Island" so unvergesslich machte...? Dennoch: "Jáchymov" ruft auch in all seiner Nüchternheit schmerzhaft in Erinnerung, was Menschen anderen Menschen antun können.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von Biebl Karl-heinz am 18. Januar 2013
Format: Taschenbuch
josef haslinger beschreibt in "jachymov" die geschichte des tschechischen eishockey-spielers bohumil modry in form eines unbearbeiteten manuskriptes, das die tänzerin und tochter des eishockeyspielers auf drängen des wiener verlegers anselm findeisen verfasst. die rohfassung des manuskriptes erzählt vom frühen und kurzen ruhm modrys und seiner mannschaft und von dessen tortur, als er in die schusslinie der kommunistischen justiz gelangt, die ihn und sein ganzes team aus politischen gründen abschiesst, zu 15 jahren zuchthaus verurteilt und durch die zuweisung in das uranbergwerk jachymov, wo er völlig ungeschützt und unter unmenschlichen bedingungen strahlendes material für die sowjetische atomindustrie abbauen muss, seinen frühen tod verursacht. umrahmt wird das manuskript vom kennen- und einander mögen lernen der tochter und des verlegers, der ebenfalls ein emigrant, allerdings aus ostberlin, ist, ohne dabei in eine schmalzige liebesgeschichte abzudriften.

das buch wirkte auf mich in seinen manchmal seitenlangen aufzählungen von spielergebnissen und aufstellungen des eishockeyteams zuerst stellenweise hölzern und unbeholfen geschrieben. dann kam aber der moment der erkenntnis: die stellen, die so wirken, sind ja die erstfassung des manuskriptes, das der verleger in händen hält und gerade liest. hier täte eine optische abgrenzung des manuskriptes zum übrigen text in form einer anderen schriftart oder kursiv-setzung recht gut. vielleicht aber hat haslinger diese verstörung der leserInnen absichtlich herbeigeführt und will damit zeigen, wie nahe das banale am dramatischen liegt.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von book.seller am 19. November 2011
Format: Gebundene Ausgabe
Heute, genau wie in der Zeit der k&k-Monarchie, ist Jáchymov oder St. Joachimsthal, so der deutsche Name, ein Kurort, der wegen seiner gesundheitsfördernden Therme gut besucht ist. Aus diesem Grund weilt auch der Verleger Anselm Findeisen hier. Noch am Tage seiner Ankunft trifft er auf eine Frau, die, so stellt sich bald heraus, die Tochter von Bohumil Modry, ist, einem ehemaligen Weltklasse Eishockey-Torhüter. Nur sucht sie keine Erholung. Sie möchte den Ort sehen, an dem ihr Vater einst unter unmenschlichen Bedingungen eingesperrt war und schließlich daran zu Grunde ging.

Am Anfang etwas verwirrend erzählt Josef Haslinger die Geschichte von Modry, seiner Tochter und die von Jáchymov. Wenn man sich allerdings an Haslingers Art zu erzählen gewöhnt hat, liest man eine spannende Familiengeschichte mit höchst tragischem Ausgang.
Ich finde es erschreckend, wie willkürlich in diesem jungen kommunistischen Land Strafen verteilt wurden, teils ohne Beweise und faire Gerichtsverfahren. Einer hat etwas gehört, der es von einem gehört hat und schon sitzt man 20 Jahre oder länger im Gefängnis.

Packend lässt Haslinger ein Stück Nachkriegsgeschichte lebendig werden. Er wühlte sich durch Prozessakten und persönliche Aufzeichnungen, was das Buch authentisch macht, auch wenn es sich im Großen und Ganzen um einen Roman handelt. Und zwar um einen extrem gut lesbaren. Als störend könnten höchstens die zahlreichen Spielberichte von verschiedenen wichtigen Eishockeyspielen empfunden werden. Aber mal ehrlich, es geht hier um einen Eishockeytorwart, da wäre ich enttäuscht wenn das sportliche ganz wegfallen würde.

Ich habe 'Jáchymov' verschlungen und war sehr begeistert von diesem Buch. Sehr lesenswert!
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