"Next Door", "The Crossing", "Cold Prey", "Uro" und jetzt: "Izzat". Langsam aber sicher mausert sich Norwegen zu einem verlässlichen Lieferanten von spannenden wie ungewöhnlichen Thrillern - die aber - schade, schade - in unseren Breiten über Geheimtipp-Status nicht hinauskommen. Woran das liegt? Was weiß ich. Sicher nicht an mangelnder Qualität: Internationale Vergleiche braucht die gegenwärtige Thriller-Welle aus Norwegen keinesfalls zu scheuen.
Izzat ist ein atmosphärisch dichter und außergewöhnlich sorgfältig erzählter (beinahe hätte ich geschrieben: epischer) Action-Thriller um den Aufstieg und Fall einer orientalischen Drogendealer-Gang in Oslo. Zugegeben, der Vergleich mit "Good Fellas" oder "Es war einmal in Amerika", den die Firma Legend Films auf ihrer Website strapaziert, ist ein wenig gar zu hoch gegriffen, doch die Richtung stimmt.
Schon der Einstieg macht klar, dass dieser Film keine Gefangenen nimmt - der Härtegrad ist jedenfalls nicht ohne (trotz 16er-Freigabe). Selbstzweckhafte Brutalität darf man dem Streifen aber keineswegs unterstellen, im Gegenteil: Gewaltausbrüche und Actionszenen werden sparsam, aber umso effektiver eingesetzt, mit einer spektakulären Autobus-Crash-Szene als stunt-technisches Highlight.
Die Regie bemüht sich um Realismus - und wirft einen ungeschönten Blick auf die Realität des organisierten Verbrechens. Erfreulicherweise werden gängige Mafia-Klischee-Fallen vermieden. Stattdessen und setzt der Streifen auf eine absolut glaubwürdige Charakter-Zeichung, die den Figuren genügend Zeit zur Entwicklung gibt. Die Schauspieler, offensichtlich allesamt Norweger mit Migrationshintergrund, machen ihren Job ausgezeichnet.
Die Geschichte wird in Rückblenden erzählt - und gönnt sich auch den Luxus", das kriminelle Milieu beinahe dokumentarisch zu beleuchten. Die Macher müssen sämtliche Scorsese-Werke sehr genau studiert haben. Keine schlechte Inspirationsquelle, wenn mich jemand fragt...
(Harald L, filmtipps.at)