Dieser Reiseführer ist durchaus brauchbar für einen erlebnisreichen Chile-Aufenthalt. Ich habe aber schon deutlich bessere in Händen gehalten. Anfangs war ich sehr angetan von der übersichtlichen Aufteilung in landeskundlichen Teil, Ortsinformationen (gelbe Seiten) und lokalen Sehenswürdigkeiten. Für den praktischen Gebrauch kann die Vor- und Zurückblätterei jedoch sehr schnell nerven, nämlich wenn ich für einen Ort immer an zwei verschiedenen Stellen nachsehen muß. Da bevorzuge ich dann doch lieber wieder eine gesammelte Darstellung. Zumal manchmal sogar vorne und hinten Stadtpläne des gleichen Orts vorhanden sind, was das Buch unnötig aufbläst. Der landeskundliche Teil und die geschichtliche Darstellung ist, wie bereits von vielen Rezensenten hier beschrieben, vorbildlich, sehr ausführlich und informativ. Für die Einstimmung und Informationsbeschaffung zu einem Chile-Urlaub also absolut in Ordnung. Was mich und meine Freundin jedoch mehrmals geärgert hat, war die Tatsache, daß Unterkünfte oder sonstige Empfehlungen desöfteren falsch in den Stadtplänen eingezeichnet waren (z.B. im Santiago-Bellavista-Plan), so daß wir unnötig danach suchen mussten, daß manche Wegbeschreibungen schlichtweg fehlerhaft sind oder zu ungenau und knapp. So zum Beispiel die Rund-Tour durch Santiagos Innenstadt, wo die Wegbeschreibung teilweise falsch ist und nicht mit dem mit einer Punktlinie eingezeichneten Verlauf auf der Stadtkarte übereinstimmt. Sowas kam des öfteren vor und trübt das ansonste gute Bild. Man hat den Eindruck, bestimmte Wege ist die Autorin gar nicht selbst gelaufen. Der Torres-del-Paine-Teil könnte noch etwas ausführlicher sein und die Entfernungsangaben in Stunden stimmen auch nicht. Außerdem habe ich auch den Eindruck, daß hier überwiegend die Touristen-Hauptrouten dargestellt sind. Mir fehlt der ein oder andere "Geheimtipp". Andererseits kann ein Reiseführer niemals die eigenständige Recherche vor Ort ersetzen und das Herausfinden von Neuigkeiten und Geheimtipps. Sonst wären es ja schließlich keine Geheimtipps (z.B. die Termas Geometricas südlich von Villarica).
Die Tipps zu den Resturants hielten auch nicht immer das, was sie verprachen. Da ist man gut beraten, lieber selbst auf die Suche zu gehen. Aber als erste Orientierung ganz gut. Die Tips zu den (empfehlenswerten) Unterkünften waren dafür durchwegs stimmig und haben uns weitergeholfen.
Insgesamt ist mir manche Ortsbeschreibung zu knapp gehalten. Gut sind die grauen Informations-Kästen im Lokalteil (ähnlich wie bei den Stefan-Loose-Reiseführern), ein weiterer Pluspunkt ist die mitgelieferte Landkarte, die recht gut ist. Die Regionalkarten im Buchinneren sind mit Verlaub mäßig.
Von den deutschsprachigen Reiseführern ist dieser jedoch immer noch der Beste. Der Lonely Planet von Chile, der sein Geld nicht wert ist, kommt da bei weitem nicht ran. Im Gegensatz zur Argentinien-Ausgabe des gleichen Verlags, der ausgezeichnet ist und so, wie man sich einen guten Reiseführer für Individual- und Low-Budget-Reisende eben vorstellt.
Schade, daß es (noch) keinen Chile-Führer vom Stefan-Loose-Verlag gibt, für mich die besten für Fernreisen (habe bereits Peru, Bolivien, Mexiko, Guatemala, Ecuador, Kuba, Kenya).
Empfehlenswert ist auch, sich zusätzlich in Chile die nur hier erhältlichen, ausführlichen Führer der Guias Turistel (spanisch, aufgeteilt in Nord-, Zentral- und Südchile) oder der englischsprachigen Travel Experience Gesamtausgabe für umgerechnet ca. 15¤ (10.000,- chil. $)zu besorgen.
Fazit: Ein solider Reiseführer, der zur Einstimmung durchaus empfehlenswert ist und vor Ort - mit Abstrichen - immer noch brauchbar ist.