Nach den nahezu hymnischen britischen Kritiken habe ich mir Sullivans Oper sofort gekauft und war bitter enttäuscht. Vor allem lag es an der für 1890 extrem rückwärtsgewandten, über weite Strecken unglaublich langweiligen Musik, die rein gar nichts von den musikdramatischen oder harmonischen Neuerungen des späten Verdi oder Wagner mitbekommen zu haben scheint. Sullivan hat hier einfach den leichten und unkomplizierten Stil seiner durchaus zu Recht erfolgreichen Savoy-Operetten auf die große Opernbühne verfrachtet. Kein Wunder, dass die beiden komischen Szenen, in den König Richard Löwenherz mit einem burlesken Klosterbruder herumalbert am besten gelungen sind. Bis auf wenige Chorstellen, die in ihrer quasi-oratorischen Wucht beeindrucken, versackt die Dramaturgie in ermüdender Folge kleinteiliger Stücke, die meist über den Charakter viktorianisch-salonhafter Liedchen nicht hinauskommen. Was die Biederkeit der harmonischen, melodischen und instrumentatorischen Erfindungsgabe anbelangt, könnte die Oper auch gut drei bis vier Jahrzehnte früher entstanden sein.
Die Aufnahme klingt insgesamt hervorragend, die meisten Sänger, besonders Toby Spence in der Titelrolle, machen einen guten Job, nur Janice Watson befremdet mit übermäßigem Tremolo und unsauberer Intonation. Die Zeit hat nicht ungerecht geurteilt, wenn sie über dieses Machwerk den Mantel des Vergessens gebreitet hat.
Vielleicht sieht man in England die Sache etwas anders, doch nach knapp drei qualvollen Stunden "heroischem" Sullivan verstärkt sich mein Eindruck, dass erst Edward Elgar es vermochte, die seit dem Tode Purcells 1695 darniederliegende britische Tonkunst auf internationales Niveau zu heben.
Die hohe Bewertung gilt ausschließlich Interpretation, Bookletinformation und Tontechnik, die wie meist bei Chandos sehr befriedigend ausfallen.