Ritterromane sind wieder in (auch, wenn sie oft in "aktuellerer Kleidung", z.B. als phantastische Abenteuerromane oder SCF, präsentiert werden. Grund genug, den Roman "Ivanhoe", einen Klassiker des Genres, wieder auf den Markt zu bringen. Dabei ist der Roman wesentlich besser als viele seiner Ableger, darunter eine schlechte, wenn auch aufwendige Verfilmung aus den 50er Jahren, und keineswegs nur eine Verherrlichung alter Zeiten als tapfere Helden mit bösen Schurken um schöne Frauen kämpften, Burgen belagert wurden etc. Das Ausgang des Romans stimmt sogar nachdenklich. Zwar kriegt der Held seine Lady Rowena, die war für ihn allerdings nicht wirklich gefährdet und eine Überwindung von pseudohistorischen Gegensätzen (Normannen - Sachsen) kann stattfinden. Für tatsächliche Außenseiter/innen aber findet sich kein Platz in dieser Welt, die sind entweder Schurken und werden vernichtet oder gehen in ein fremdes Land. Manches ist etwas langatmig, einiges vorhersehbar, aber die spannenden, auch die ironischen und komödiantischen Momente setzen sich durch. Sicher, viele Ingredienzen wirken für heutige Leser/innen vertraut (u.a. auch durch die gegenwärtige Bücherszene). Freilich ist zu berücksichtigen, dass dieser Roman ein Bestseller aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts ist, und vieles, was uns heute so typisch vorkommt (z.B. das Normannen-Sachsen-Thema), war damals originell. Für Motivforscher/innen ist dieser Roman zudem ein wahres Sammelsurium. Es empfiehlt sich außerdem die Geschichte wenigstens teilweise gegen den Strich zu lesen.