chopin-einsichten
der noch immer nicht so populäre pianist ivan moravec, dem wir bereits gültige
einspielungen z.b. der nocturnes, neben andrem mehr, verdanken, bietet hier in einer neueren
vox-überspielung ein umfängliches chopin-recital - sonate, marzuken, walzer, berceuse und
grosse f-moll-fantasie - ,dass seinen ausgeprägten klangsinn für diskrete ausdrucksstärke,
seinen nie vulgär-lauten oder vergröbernden ton überaus eindrucksvoll vermittelt:
kein ton wird klanglich überzeichnet oder als nebensächlich unbedacht vernachlässigt,
alles wird distinktiv, aber nicht vorlaut formuliert, alles wird 'wohltemperiert' ausgespielt
mit tiefer einsicht, jedoch ohne lastend-schwere, pianistisch schwerfällige gründelei.
die berühmte b-moll-sonate ist ein musterbeispiel für musikalisch-gestalterisches
formbewusstsein, da wird keine effektvolle nummernfolge serviert. die sonate als ganzes.
der traurigen a-moll marzurka wird mit meisterhaftem legato über allen kleinteiligen
nuancierungen rhythmisch gefestigt der stille abglanz eines spätzeitlichen tanzes gewonnen,
was jeden vergleich mit andren (michelangeli, perahia) darstellungen besteht.
die kleine berceuse ist ein wunder ruhig schwebend-atmender klanglichkeit und die grosse
f-moll-fantasie mal kein parade-bravourstück, sondern wirklich fantasievoll erzählt und
ebenso abwechslungsreich gespielt.
dieses recital ist beispielhaft für moravecs chopin und klavier kompetenz.
er verantwortet sie meisterhaft.