Als Badly Drawn Boy-Fan der ersten Stunde tut es mir ein bisschen in der Seele weh, seinem neuen Album nicht die Höchstwertung zu geben, denn eigentlich möchte ich doch möglichst viele Leute auf diesen fantastischen Musiker aufmerksam machen. Allerdings habe ich an "It's what I'm thinking (Part One: Photographing Snowflakes)" doch zu viel Kritik, als dass 5/5 Sterne gerechtfertigt wären.
Am grundsätzlichen Songmaterial liegt das nicht; mit gerade einmal 10 Songs ist das Album zwar recht kompakt geraten, doch wenn davon 7 Songs großartig und 2 ("You lied" und "This electric") gelungen sind, dann kann man das wohl guten Gewissens als ordentliche Ausbeute bezeichnen. Lediglich mit dem Titelsong "It's what I'm thinking" habe ich so meine Schwierigkeiten, denn dieser schleppt sich über eine Länge von mehr als 6 Minuten musikalisch weitgehend eintönig und uninspiriert dahin. Was im Grunde sehr schade ist, denn ähnlich wie z.B. "One last dance" vom "Born in the UK"-Album handelt es sich um einen sehr persönlichen Song, der dem Songwriter selbst vermutlich sehr viel bedeutet - aber was nützt das, wenn das Ergebnis dröge ist und somit nicht überzeugen kann? Immerhin versammeln sich in diesem Song dann doch einige der schönsten Textfragmente des Albums ("I'm a failure at heart"; "Accept only one thing and that is that nothing will change anything"; "Yet I can't save myself - so good luck whoever else believes in me"), was mich ein wenig versöhnlich stimmt.
Mein eigentlicher Kritikpunkt am Album ist allerdings die Produktion, mit der ich überhaupt nicht einverstanden bin. Die meisten Songs ertrinken in ihrem eigenen Hall oder unter sphärischen Klangteppichen aus elektronischen Störgeräuschen, so dass es zunehmend schwer fällt, einzelne Instrumente wie Gitarre und Klavier herauszuhören. Dabei finde ich persönlich Badly Drawn Boy in seinen akustischen Momenten häufig am stärksten. Laut Vermerk im Booklet wurden die Streicherarrangements sogar von einem echten Orchester eingespielt, hören sich aber trotzdem über weite Strecken an wie aus dem Computer, meiner Meinung nach besonders eklatant im Song "Too many miracles". Auch nach knapp zwei Monaten "Einhörzeit" kann ich mich mit dieser merkwürdigen Diskrepanz zwischen symphonischem Pomp auf der einen Seite und Lo-Fi-Produktion auf der anderen Seite nicht wirklich anfreunden.
Trotzdem schön zu hören, dass dem Badly Drawn Boy nach längerer Pause und mittelschwerer Bedeutungskrise nicht die berührenden Melodien ausgegangen sind. Ich bin gespannt auf die nächsten Veröffentlichungen der angekündigten Alben-Trilogie.
(Die möglichen Bonus-CDs zu diesem Album sind übrigens weitgehend überflüssig. Es gibt eine Version mit einem rund 20-minütigen Albumremix von Andy Votel, der komplett unmusikalisch und nervtötend ist. Die andere CD-Veröffentlichung hält als Bonus-CD 14 Neu-Arrangements bzw. Remixe der Songs vom Album durch lokale Künstler aus Manchester bereit, die allerdings abgesehen von der "In safe hands"-Version von den Real Dolls allesamt extrem viel schlechter als die Originale sind. Im Zweifelsfall sollte also die 1-Disc-Edition vollkommen ausreichend sein.)