Moderner Rhythm & Blues setzt sich immer mehr durch, er definiert nicht nur den guten alten Soul neu, sondern präsentiert sich als eine glückliche Mischung aus harten, pulsierenden Beats, knackigen Bass-Riffs, klassischem Smooth-Jazz-Samples, wilden Rock'n'roll Piano-Soli und energievollen Hip-Hop Einlagen. Schwarze Fusion erobert das junge Publikum zurück, auch weil die eindrucksvollen Texte oft an Deutlichkeit kaum, zu übertreffen sind und die gefühlte Lebenswelt vieler Afroamerikaner widerspiegelt. Charlene Keys, alias Tweet, hat nach drei Jahren ihre zweite CD ‚It's Me Again' vorgelegt und ist momentan in aller Munde. Ihre ausgeprägte Alt-Stimme, die schonungslos offenen Texte und großartiger Nu-Soul waren schon Höhepunkte ihres 2002 veröffentlichten Erstlingswerkes ‚Southern Hummingbird'. Schon damals hatte die Rap-Künstlerin Missy Elliot, die sich immer mehr als kluge Musik-Innovatorin etabliert, die Produzentenrolle inne. Sie entdeckte die schwer depressive Künstlerin, die einen fehlgeschlagenen Suizid-Versuch verarbeitete und gab Tweet die Möglichkeit ihr großes Talent zur Schau zu stellen. ‚It's Me Again' ist eine wunderbare Weiterentwicklung, um Längen fröhlicher, selbstsicherer und positiver als das zuweilen etwas düstere und traurige Erstlingswerk. Die erste Single „Turn Da Lights Off", mit seinen offensichtlichen Anleihen von Marvin Gaye und Tammi Terrell's „If This World Were Mine" steht stellvertretend für die durchweg lustvolle Musik dieser ausgezeichneten CD, hier singt Tweet im Duett mit ihrer Förderin Missy Elliot. Doch sind es die Balladen die besonders hervorstechen , eher als klassischer R&B geriert sich die Ballade „Steer", einen modernen Touch haben „Iceberg" und „Cab-Ride", während „Small Change" vielsagend den Wert eines bestimmten Freundes beschreibt. Auf der Up-Tempo-Seite muss „Things's I Don't Mean" erwähnt werden, dessen Bass- und Streicher-Linien doch stark an beste Chic-Zeiten erinnern. Rock ‚n' Roll mit hohem Tempo gibt's bei „Sports Sex and Food", wobei „We Don't Need No Water" mit seinen Bläsaersätzen eher einen Ska-Touch hat. So musikalisch vielseitig sich Tweet auf ihrer neuen CD präsentiert, so bescheiden und konservativ äußert sie sich: „Ich will gute, zeitlose Soul-Musik machen. Der R&B verändert sich sehr und ich will bei dieser Revolution dabei sein. Ich möchte auch bei der visuellen Umsetzung neue Maßstäbe setzten, man muss sich nicht immer fast ausziehen, um sexy zu sein. Ich möchten einen attraktiven, zeitlosen Stil in meinen Videos etablieren." Man kann dieser klugen, wie attraktiven Künstlerin nur den Erfolg wünschen, den sie sicher verdient. Fast gerührt lauscht man dem wunderbaren Duett „The Two Of Us" mit ihrer 15-jährigen Tochter, Tashawna, deren Stimme sich fast nicht von der ihrer Mutter unterscheidet. Von Tweet will man noch viel mehr hören, hoffentlich bald!
Christian Hodeige