"It's a free world" - das ist der Slogan sowohl all derer, die sich mutwillig auf Kosten anderer bedienen, als auch all derer, die das zulassen, weil das Recht des Stärkeren für sie selbstverständlich scheint. Der 71-jährige britische Regisseur Ken Loach setzte 2007 die problematischen Themen Leiharbeit und ill*gale Arbeit anhand der Londoner Szene mit Menschen aus der Ukraine und Polen um, aber genauso gut hätte der Film in jeder größeren deutschen Stadt spielen können.
Für die Hauptfigur Angela hat man mit der bis dahin eher erfolglosen Engländerin Kierston Wareing (30) eine geniale Besetzung gefunden, denn die gnadenlose Konsequenz, mit der Angela ihren Erfolg sucht, nimmt man ihr selbst in Szenen, in welchen sie ihren Körper benutzt oder gar der Gewalt aussetzt, ohne den geringsten Zweifel ab. Das Buch von Paul Laverty unterlegt die Figur aber auch nachvollziehbar durch die kruden familiären Verhältnisse Angelas.
Zweifel kommen eher an der Darstellung der Immigranten auf, die zu pauschal als liebe, harmlose Opfer gezeigt werden, denen man selbst dort, wo sie im Film eine Entführung und einen Überfall inszenieren, noch über den Kopf streicheln möchte. In der Realität bilden Immigranten längst gewaltbereite Staaten im Staat und melden unverhohlen Ansprüche auf die Macht in ihren Gastländern an. Ungeachtet dessen: die Täterseite wird perfekt skizziert und detailliert, wobei man sich allerdings auf die unteren Etagen beschränkt und sowohl das Management als auch die Politik auslässt. Doch solche Beschränkung bekommt dem Film gut, der sich erfolgreich auf die Person der Angela konzentriert.
Dabei lässt die Erzählung keine Zweifel, dass Angela sich auf ihrer zweifelhaften Karriere selbst zerstört, weil sie sich ihrer Menschlichkeit entledigt. Auch lernt man, dass aus Rücksichtslosigkeit zwangsläufig Gewalt entsteht. Im Film hätte man sich gewünscht, Angela hätte die Gewalt nach oben gekehrt, aber damit hätte man wohl den Bereich des Märchens betreten. So läuft es darauf hinaus, dass Angela aus jeder Demütigung, die sie erleidet, für sich rechtfertigt, selbst noch härter aufzutreten.
Aber nicht nur die Probleme von Brachial-Kapitalismus und ill*galer Leiharbeit werden gut herausgearbeitet - auf der positiven Seite sieht man auch, dass es möglich ist, aus scheinbar aussichtsloser Situation durch bedingungslosen Einsatz und Durchsetzungsvermögen zum Erfolg zu kommen. Man hätte der Angela des Film nur gewünscht, dafür einen Weg zu suchen, der weder andere noch sie selbst beschädigt.