Zugegeben, mit Veränderungen ist es so eine Sache. "Stillstand ist Rückschritt", lamentieren die einen. "Warum fortschreiten, wenn das althergebrachte funktioniert", meinen die anderen. Wagt eine Band den stark hörbaren Weg der Weiterentwicklung, schreien dann doch erst ein Mal beide Lager laut Zeter und Mordio. Aber wie das mit allen Veränderungen so ist: erst beschwerlich und verhasst, dann geliebt und hochgeschätzt, schlussendlich sind sie unvermeidlich. Im Kosmos Yeah Yeah Yeahs bedeutet Veränderung außerdem nichts anderes als die Einlösung ihres Versprechens, sich niemals wiederholen zu wollen. Mit It's Blitz! ist dem New Yorker Trio genau das abermals gelungen.
Die gravierendste Änderung dieses Mal: Nick Zinner hat die Gitarre gegen einen Vintage-Synthesizer eingetauscht. Wo auf Fever To Tell noch dreckiger, dahingerotzter Lo-Fi-Punk regierte und sich auf Show Your Bones die Akustikgitarren einschlichen, haben sich die Yeah Yeah Yeahs mittlerweile ein gemütliches Plätzchen unter der 80ies-Discorock-Kugel eingerichtet. Zu pumpenden Beats steuert Karen O. schnurstracks auf die Tanzfläche zu. Heads Will Roll formuliert in gewohnt lasziver Tonlage die Grundforderung der Band: "Off with the head, dance till you're dead". Doch Tanzen ist im Leben nicht alles.
Zwischen anfänglicher Dance-Euphorie und konventionellen Gitarrennummern wie Shame And Fortune erlaubt das neue elektronische Gewand dem Trio sich hin zu einer Reihe von langsamen bis mittelschnellen Stücken zu öffnen. Karen O. klingt dabei angriffslustig wie eh und je und doch springt sie dem Hörer erstmals nicht direkt kratzbürstig ins Gesicht. Ohne etwas von ihrer einstigen Sexyness einzubüßen, zeigen sich die Yeah Yeah Yeahs von nachdenklicher, man möchte fast sagen: erwachsenerer, Seite. Das sphärisch dahin wabernde Hysteric oder das so effektlose wie verträumte Little Shadow seien nur als zwei Beispiele unter vielen genannt. Am Ende sind es diese zerbrechlichen Electro-Balladen samt großer Geste mit Hang zum Pathos, die das Drittwerk der Amerikaner prägen. It's Blitz! mag daher trotz des Titels nicht wie ein solcher einschlagen, doch die Yeah Yeah Yeahs haben sich ihre einstigen Wesenszüge bewahrt. Trotz ihres Soundwandels bleibt das Trio provokativ, brachial und auf Konfrontationen aus. Auch wenn sich diese Eigenschaften auf It's Blitz! vermehrt durch eine ungewohnte Liebe zu sanften Harmonien manifestieren. Was zählt: Es klingt immer noch unverwechselbar nach Yeah Yeah Yeahs. Ob nun mit Synthies oder ohne.